Archiv der Kategorie 'Polizei'

Angriff auf Polizeistation an der Grenze zu Pakistan

Heute wurde bekannt, dass es einen Angriff auf einen Posten der Grenzpolizei an der iranisch-pakistanischen Grenze gegeben hat, bei dem es mindestens 7 Tote gab.


Mirjaveh, an der iranisch-pakistanischen Grenze

Laut Nachrichtenagentur ISNA fand der Angriff in Mirjaveh statt, das etwa 75 km südöstlich von Sahedan liegt. Die Angreifer töteten zwei Grenzpolizisten sowie zwei Bassidschi. Es gab darüberhinaus auch mehrere Verletzte.

Angeblich sollen auch die Angreifer drei Verluste zu beklagen haben. Es heisst, die Angreifer seien Wahabiten, einem Zweig der Sunniten, und würden von Saudi-Arabien unterstützt.

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Iran – Ahwas: Proteste der arabischen Minderheit halten an


In Ahwas protestiert die arabischsprachige Bevölkerung schon den siebten Tag gegen die Leugnung der arabischen Identität durch den iranischen Staat. Am 1. April 2018 gingen die Proteste bis in die Nachtstunden. Wie die Menschenrechtsorganisation von Ahwas berichtet, wurden in Ahwas an verschiedenen Stellen Kontrollposten eingerichtet. Die Polizeibeamten zwangen Araber, aus dem Auto auszusteigen und nahmen ihnen die Tschafiya ab (als Kufiya oder auch als Palästinensertuch im Deutschen bekannt). In der arabischen Kultur gilt dies als entehrend.
Ein solches Vorgehen ist geeignet, den Konflikt weiter anzuheizen. Es ist anzunehmen, dass die Behörden dies bewusst tun. Ist es das Ziel der Machthaber, auf diesem Weg einen Krieg mit arabischen Staaten wie Saudiarabien anzuzetteln, um von der eigenen Unfähigkeit abzulenken, die Wirtschaft in Gang zu bringen?
Dass es den iranischen Machthabern nach wie vor gelingt, die Bevölkerung mit nationalistischen Parolen anzuheizen, zeigt die Berichterstattung von Medien wie iran-emrooz, denen diese Meldung entnommen ist. Dort wird der Vorwurf des „Rassismus“ und der „Araberfeindlichkeit“, den die iranischen Araber erheben, nur in Anführungszeichen zitiert, wobei Anführungszeichen in iranischen Zeitungen selten sind und nicht verwendet werden, um Zitate zu markieren.

http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/74063/
iran-emrooz.net | Mon, 02.04.2018, 15:35
e°terazate shahrwandane °arabe ahwaz wared ruze haftom shod

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Iran: Prominente Kopftuchträgerin solidarisiert sich mit Kopftuchgegnern

Sahra Rahnaward, die Ehefrau von Mirhossein Mussawi, die ebenso wie ihr Mann unter Hausarrest steht, seit der vorige Präsident Mahmud Ahmadineschad dank einer Fälschung der Wahlergebnisse im Juni 2009 seinen zweiten „Wahlsieg“ feiern konnte, hat jetzt über ihre Tochter eine Zeichnung veröffentlicht, in der sie die Gewalt der Machthaber gegen die Frauen kritisiert, die den Kopftuchzwang abschaffen wollen.
Hintergrund ist eine neue Entwicklung im amtlichen Verhalten gegenüber den protestierenden Frauen. War zuvor eine Verhaftung der Frauen die Regel, greifen die Beamten nunmehr zu willkürlicher körperlicher Gewalt, die dem Verhältnismäßigkeitsprinzip widerspricht, und fügen den protestierenden Frauen vorsätzlich Körperverletzungen zu.


Sahra Rahnaward

Dass Sahra Rahnaward trotz ihres siebenjährigen Hausarrests in dieser Frage so klar Stellung bezieht, macht deutlich, wie sehr die iranische Gesellschaft in Bewegung geraten ist. Das Kopftuch als Zwangsbekleidung verliert immer mehr an Unterstützung.

http://news.gooya.com/2018/02/post-12392.php
vom 26.02.2018
zahra rahnaward: ba hejabe ejbari moxalefam

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Hintergründe zu den Konfrontationen der Gonobadi-Derwische mit der iranischen Regierung


Derwische vor dem Haus von Nur-Ali Tabandeh

Wer sind Derwische?
Derwische gehören zum Sufismus. 300 bis 400 Jahre nach Begründung des Islams entwickelte sich der Sufismus in verschieden islamischen Ländern, auch im Iran. Es gab verschiedene Glaubensrichtungen unter den Derwischen, darunter solche, die Ali als wichtigen Imam ansahen oder ihn gar als Sohn Gottes sahen und solche, die wie die Schiiten an die 12 Imame glauben..

Wer sind die Derwische des Gonabadi-Ordens?
Derwische des Gonabadi-Ordens sind 12-Imam-Schiiten. Sie beten und fasten genau wie Schiiten. Da heutige islamische Modell im Iran basiert auf der Herrschaft der Rechtsgelehrten (Welayati Faghih). Die Gonabadi-Derwische glauben jedoch an Ghotb (religiöses Oberhaupt). Anders als die Schiiten, die denken, dass das ganze islamische Recht auf der Scharia basiert und ein politischer Islam sein muss, denken die Gonabadi-Derwische, dass das nur auf Liebe basiert.

Wer ist religiöses Oberhaupt (Ghotb) der Derwische des Gonabadi-Ordens?
Nur-Ali Tabandeh ist des derzeitige religiöse Oberhaupt der Gonabadi-Derwische. In der Schah-Zeit war er als Anhänger von Mossadegh aktiv. Nach der Revolution hat er viele verschiedene Berufe ausgeübt und war unter anderem Stellvertreter des Ministers der Judikative. Aufgrund seiner politischen Aktivität war er auch im Gefängnis. In den letzten 21 Jahren war er nur noch selten politisch aktiv. U.a. hatte er Mehdi Karrubi, der sich zur Zeit im Hausarrest befindet, bei den Präsidentschaftswahlen unterstützt. Das gleiche gilt für die Massenproteste gegen die Präsidentschaftswahlen 2009.

Warum war die Regierung von Anfang an gegen Derwische?
Das iranische islamische Modell der Herrschaft der Rechtsgelehrten war von Anfang an gegen jedes andere religiöde Modell und gegen andere Parteien. Deswegen hat es seit 40 Jahren die Parole „Hesb farat Hesbollah“ (Partei nur für die Partei Gottes). Die Gonabadi-Derwische haben Anhänger in jeder Stadt und manchmal auch in Dörfern, wo sie sich gegenseitig unterstützen. Sie besuchen nicht die Moschee sondern gehen stattdessen in ihre Khaneghah. Hin und wieder halten sie geheime Sitzungen mit besonderen Traditionen ab: Sie beten, tanzen und küssen die Füße ihres religiösen Oberhauptes. Das Modell der Rechtsgelehrten ist gegen diese Traditionen und bezeichnet das als Glaube an Götzen. Deswegen wurde dieser Glaube verboten. Derwische sagen dagegen, dass es nicht um Götzen geht, sondern um Liebe und Verliebte.

Was passierte in den letzten zwei Tagen zw. den Derwischen und der Regierung?
Nur-Ali Tabandeh, das religiöse Oberhaupt der Gonabadi-Derwische lebt in Teheran und hat immer wieder geheime Sitzungen mit den verbotenen Traditionen abgehalten. Kam es zu Festnahmen von hohen Geistlichen durch die iranische Regierung, reagierte der ganze Orden sofort und versammelte sich furchtlos zu Demonstrationen in Teheran. In den letzten Tagen wurde wieder mal ein bekannter Vertreter der Derwische festgenommen. Er heisst Nematollaha Rihai. Er ist über 70 Jahre alt und hat Herzprobleme. Mehr als tausend Anhänger der Derwische kamen daraufhin nach Teheran und gingen in der Nähe des Hauses von Nur-Ali Tabandeh auf die Straße. Sie forderten die Freilassung von Nematollaha Rihai. Seit gestern kam es zu Konfrontationen zw. Pasdaran, Polizei und Bassidschi auf der einen Seite sowie den Derwischen auf der anderen Seite. Von den Sicherheitskräften wurden fünf Personen getötet und mindestens ein Derwisch kam ums Leben. Zudem gab es viele Verletzte. 300 Derwische wurden festgenommen.

Welche Methoden haben Derwische um ihr Recht zu bekommen?
Derwische sind gegen die Einsatz von Waffen und sagen von sich, dass sie nur friedliche Methoden verwenden. Wenn ein Derwisch z.B. festgenommen wird, kommen viele Glaubensbrüder zum Gefängnis und machen einen Sitzstreik. Sie fordern dann die Freilassung ihres Freundes oder die Festnahme von ihnen allen. Wenn einer von ihnen festgenommen wurde, ist es für sie so, als würden alle festgenommen.

Ist die Kampfmethode der Derwische des Gonabadi-Ordens ein Vorbild für die ganze iranische Bevölkerung?
Diese Verhaltensweise untereinander entspricht einer starken gegenseitigen Unterstützung und Solidarität und kann deswegen ein Vorbild für die Iraner sein.

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Iran: Die Revolutionäre hüten das Erbe des Schahs

Dehloran liegt westlich der Linie, die die Städte Ahwas, Desful und Chorramschahr verbindet. Die Stadt liegt nahe der irakischen Grenze. Dschelisi (Jelizi) ist eine Ortschaft im Kreis Dehloran. Dort kam es vergangene Woche (am 7. Dezember) zu einer Auseinandersetzung zwischen den „Sicherheitsorganen“ und der Dorfbevölkerung, etwa 800 Menschen, wie Oberst Manutschehr Maki, der stellvertretende Direktor der Polizei der Provinz Ilam, gegenüber der iranischen Nachrichtenagentur ILNA erklärte.

Streit ums Land
Worum geht es? Zur Schahzeit wurde zur Unterstützung der Militärs eine Geschäftskette namens Etteka geschaffen, deren Aufgabe es war, die Soldaten mit günstigen Nahrungsmitteln und Kleidung, später auch mit Wohnraum und landwirtschaftlich nutzbarem Land zu versorgen. Der Schah kannte keine Skrupel. Das Land nahm er den Bauern weg. Dann kam die Revolution. Die Revolutionäre enteigneten Etteka, genauer, sie übernahmen das Unternehmen. Nun hatte es die Aufgabe, die bewaffneten Organe des Islamischen Staates zu versorgen. Dass das Land geklaut war, interessierte niemand. Auch die Revolutionswächter und Co. kennen da keine Skrupel. Aber angesichts der Wirtschaftskrise hat die Bevölkerung von Dschelisi beschlossen, sich das Land wieder zurück zu holen. Die sogenannten Ordnungskräfte griffen gegen sie ein, verprügelten Frauen, verhafteten mindestens 15 Dorfbewohner als angebliche Unruhestifter und beschlagnahmten Traktoren und andere „Tatwerkzeuge“. Oberst Manutschehr Maki versäumte auch nicht zu erwähnen, dass man die Bevölkerung aufgefordert habe, ihre Forderungen auf dem gesetzlichen Weg zu stellen. Damit hat die Bevölkerung nun schon fast 40 Jahre Erfahrung…

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=143057
vom 16. Adhar 1396 (7. Dezember 2017)

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Iran: Streik und Demonstration in Bane wg. tödlichen Schüssen auf zwei Lastenträger

Wir haben darüber berichtet, dass in Bane (Iranisch-Kurdistan) zwei Lastenträger durch Grenzpolizisten erschossen worden sind.

Nach Äußerungen eines Abgeordneten der Region im iranischen Parlament, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden müssten, kam es heute in Bane zu solidarischen Streiks, einer großen Demonstration und Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften.

Ein kurzes Video von ca. 40 Sekunden Dauer zeigt die explosive Atmosphäre auf den Straßen von Bane.

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Iran: 2 Motorradfahrerinnen verhaftet

Der Befehlshaber der Sicherheitskräfte von Desful, Oberst Ali Elhami, hat vergangenen Mittwoch im Interview mit der iranischen Nachrichtenagentur IRNA verkündet, dass die Sicherheitskräfte zwei Motorradfahrerinnen verhaftet hätten, die im Park „Bustane Dschangaliye Lale“ an der Straße von Desful nach Sardascht Motorrad fuhren. Das verstoße gegen die islamischen Werte und gegen die Islamische Revolution. Die beiden jungen Frauen seien den Justizorganen übergeben worden. Besonders empört zeigte sich dieser Sittenapostel, dass die Frauen solche Aktionen auch im Internet veröffentlichten. Mit anderen Worten: Es handelt sich um einen bewussten Verstoß der Jugend gegen die erstickenden islamistischen Regeln. So ist selbst Motorradfahren eine Form des Kulturkampfs und der Auseinandersetzung mit dem Islamismus geworden. Man kann sicher sein, dass das Regime mit diesem Vorgehen gegen die Jugend keine Sympathien gewinnt.

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=122950
vom 23. Dey 1395 (12. Januar 2017)
dastgiriye 2 doxtare motor-sawar dar dezful

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Iran: Arbeiterproteste – ein neuer Wind

Vergangenen Donnerstag protestierten Arbeiter vor der Firma Hopkuy in Arak (Iran). Sie fordern die ausstehenden Löhne. Der Chef der Firma hat sich an einen anderen Ort abgesetzt, ohne dass die Behörden eingeschritten wären. Ein Teil der Arbeiter, die sich den anderen Protestierenden anschließen wollten, wurde von den Sicherheitskräften daran gehindert. An diese Beamten wendet sich der Arbeitervertreter Hamid-Resa Ahmadi. Er weist darauf hin, dass in Arak überall die Firmen dicht gemacht werden und die Arbeiter nichts mehr haben, um ihre Familie, ihre Kinder über Wasser zu halten. Die gewaltige Arbeitslosigkeit habe auch einen Anstieg der Unsicherheit zur Folge. Wenn die Polizei so stark sei, solle sie doch die Drogenhändler bekämpfen. Er kenne genügend Stadtteile in Arak, wo man in 2 Minuten an den Stoff komme. Hamid-Resa Ahmadi betont, er habe keine Angst vor den Polizeiknüppeln und vor dem Ewin-Gefängnis. Das sei besser, als wenn er jeden Tag mit leeren Händen nach Hause komme, jetzt, wo seine Frau ein Kind erwarte.
Der Arbeitervertreter wird in dieser Rede vom Beifall der umstehenden Arbeit bestärkt.
Neu ist, dass erstmals die Sicherheitskräfte selbst Adressat der Reden sind.

http://news.gooya.com/didaniha/archives/2017/01/222518.php
vom 23. Dey 1395 (12. Januar 2017)
didaniha: niruye entezami agar xeyli lati borou mawadde moxadder-ra jam° kon

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Isfahan: Polizei gegen Arbeiter der Polyacryl-Fabrik


Am Sonntag (im Iran Arbeitstag!), den 8. Januar 2017, versammelten sich die Arbeiter der Polyacryl-Fabrik von Isfahan vor der Regionalverwaltung, damit sich diese mit ihren Forderungen befasst. Es geht unter anderem darum, dass sie seit 6 Monaten ihren Lohn nicht erhalten haben. Als sie dort ignoriert wurden, zogen sie auf den zentralen Revolutionsplatz in Isfahan und wollten von dort weiter zum Geschäftsgebäude der Firma. In diesem Moment wurde die Polizei gegen sie eingesetzt, die den Protestmarsch mit Gewalt auseinandertrieb.

http://www.irankargar.com/index.php/news/iran-laborers-news/item/4633-iran-polyacrylamide-workers-protest-marches-and-clashes-with-security-forces-in-isfahan
vom 19. Dey 1395 (8. Januar 2017)
iran – rahpeyma’iye e°teraziye kargarane poli akril dar esfahan wa dargiri ba niruhaye intezami

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Ahwas (Iran): Mit Elektroschock gegen Straßenhändler


„Ordnungs“kräfte im Einsatz

Vergangene Woche, am 6. Dezember, ging eine Gruppe von 12 Vollzugsbeamten der Stadtverwaltung von Ahwas, die mit Elektroschockgeräten bewaffnet waren, gegen Straßenhändler vor. Sie attackierten auch eine 70-jährige Frau, die dabei zu Boden fiel. Die Frau verkaufte vor dem Laden ihres Sohns mit dessen Einwilligung Waren. Infolge des Angriffs muss der Sohn seine Mutter täglich zweimal ins Krankenhaus bringen.

http://www.radiofarda.com/a/f7-avaz-attack-to-paddler/28168741.html
vom 20. Adhar 1395 (10. Dezember 2016)

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Iran: Käfighaltung von Ausländern


Vergangene Woche hat die Polizei in Schiras eine Razzia gegen ausländische Staatsbürger durchgeführt und die Gefangenen wie Zootiere zur Schau gestellt.


Ein afghanischer Parlamentsabgeordneter aus Herat protestierte gegen diese entwürdigende Behandlung seiner Landsleute.

تو كز محنت ديگران بى غمى نشايد كه نامت نهند آدمى
Er schrieb: „Es heißt, dass in einer Stadt, von der (der berühmte persische Dichter) Saadi schrieb: „Wem das Elend der anderen egal ist, der verdient nicht, ein Mensch genannt zu werden“, Menschen mit IS-Methoden in Käfigen ausgestellt werden.“

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=116073
vom 19. Schahriwar 2016 (9. September 2016)
e°teraz be nemayeshe afghanha dar qafasi dar shiraz

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Türkei: Bewaffnete Überfälle von Polizei und PKK

Wir hatten berichtet, dass die Tageszeitung Özgür Gündem am 16. August 2016 auf Gerichtsbeschluss von Sondereinheiten der Polizei geschlossen wurde und die Journalisten unter Gewaltanwendung abgeführt wurden. Am Abend des 18.08.2016 berichtete die Zeitung Diken von der Freilassung von 22 der 25 Journalisten. Weiterhin in Haft sind Zana Kaya, İnan Kızılkaya und Aslı Erdoğan. Sie werden in der Anti-Terror-Abteilung der Staatssicherheit der Provinz Istanbul festgehalten.


Aslı Erdoğan

Nach einer Meldung von Diken von 14:15 war die Schriftstellerin Aslı Erdoğan wegen einer Verschlechterung ihres Gesundheitszustands kurz in ein Krankenhaus gebracht worden, wurde danach aber wieder zur Staatssicherheit von Istanbul zurückgebracht. Es soll ihr gut gehen, aber bis zu diesem Zeitpunkt wurde ihr noch nicht erlaubt, mir einem Anwalt oder einer Anwältin zu sprechen.


Naci Adıyaman

Militärköpfe in der PKK in der Überhand?
Die Zeitung Diken berichtete am 13. August davon, dass die PKK den Leiter der AKP-Jugendorganisation des Landkreises Beytüşşebap (Provinz Şırnak) Naci Adıyaman und seinen Bruder Fikret Adıyaman auf der Straße angehalten hätten und sie aus dem Auto aussteigen ließen. Die Leiche von Naci Adıyaman sei 1 km von diesem Ort entfernt gefunden worden. Nach dem Verbleib von Fikret Adıyaman forschen die Sicherheitsorgane noch. Naci und Fikret Adıyaman sind die Neffen von Tahir Adıyaman, des Oberhaupts des Jirki-Familienverbands, und zugleich Anführer von sogenannten „Dorfschützer“-Einheiten.

Angriffe in Elazığ und Van
Am 18.08.2016 wurden zwei bewaffnete Angriffe verübt: einer auf die Staatssicherheit von Elazığ (Name einer kurdischen Provinz und ihrer Hauptstadt) und einer auf die Polizeikommandantur von Van. Vor der Staatssicherheit in Elazığ explodierte ein mit Bomben beladenes Fahrzeug, worauf laut Ministerpräsident Yildirim 3 Polizisten ums Leben gekommen und 217 Menschen verletzt worden seien. Als CNN Türk einen Augenzeugen befragte, und dieser von einer großen Zahl von Toten in der Staatssicherheit sprach, fuhr der Moderator des Programms dazwischen und forderte den Zeugen auf, nicht auf die Zahl der Toten einzugehen. Der Augenzeuge sagte später zum Moderator, dass man ihn (den Moderator) falsch informiert habe, es gebe eine große Zahl von Toten.“
Während Zeitungen wie Milliyet sofort die PKK für die Anschläge verantwortlich machte, schreibt die Zeitung Özgür Gündem nichts über die möglichen Urheber. Sollte die PKK tatsächlich für die Angriffe verantwortlich sein, spräche dies für einen Sieg der Militaristen in der Organisation. Aus militärischer Sicht ist die Schwächung der türkischen Armee durch die Säuberungen der jüngsten Wochen ein Vorteil, aus politischer Sicht ist jeder Terrorakt ein propagandistischer Trumpf in der Hand der Machthaber, die Kurden noch intensiver zu verfolgen. Dies beweist auch die jüngste Razzia gegen die Zeitung Özgür Gündem.

Quellen
http://www.diken.com.tr/akp-ilce-genclik-kollari-baskani-sirnakta-pkklilarca-olduruldu/
AKP ilçe gençlik kolları başkanı Şırnak’ta ölü bulundu
13/08/2016 17:53

http://www.diken.com.tr/ozgur-gundem-yazari-asli-erdogan-gozaltinda-rahatsizlanarak-hastaneye-kaldirildi/
Özgür Gündem yazarı Aslı Erdoğan gözaltında rahatsızlanarak hastaneye kaldırıldı
18/08/2016 14:15

http://www.diken.com.tr/ozgur-gundemde-gozaltina-alinan-25-gazeteciden-22si-serbest-birakildi/
Özgür Gündem’de gözaltına alınan 25 gazeteciden 22’si serbest bırakıldı
18/08/2016 19:18

http://ozgurgundem1.com/haber/175799/2-ayri-noktada-polise-saldiri-olu-ve-yaralilar-var
2 ayrı noktada polise saldırı; ölü ve yaralılar var
18 Ağustos 2016 14:00

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Türkei: Staatsterrorismus gegen Journalismus


Demokratie? – Zeichnung des brasilianischen Karikaturisten Carlos Latuff

Am 16. August 2016 ordnete das 8. Amtsgericht von Istanbul (İstanbul 8’inci Sulh Ceza Hakimliği) die Schließung der türkisch-kurdischen Tageszeitung Özgür Gündem (Freie Tagesordnung) an. Als Begründung wurde „Propaganda für die Terrororganisation PKK“ angegeben.


Gerichtsbeschluss zur Schließung von Özgür Gündem

100 Prozesse seit Januar 2016
Wie massiv die staatliche Verfolgung dieser Tageszeitung ist, zeigt schon die Zahl der Prozesse, die allein dieses Jahr gegen die Zeitung Özgür Gündem eingeleitet wurden: Es sind über 100. So startete die Zeitung am 3. Mai 2016, dem Internationalen Tag der Presse, eine Aktion unter dem Namen „Diensthabender Chefredakteur“. Die Idee war, dass abwechselnd verschiedene Schriftsteller, Journalisten und Künstler kurzzeitig das Amt des Chefredakteurs der Zeitung ausüben. 56 Menschen nahmen an der Aktion teil, gegen 50 wurden Ermittlungen eingeleitet, 16 davon mündeten in ein Gerichtsverfahren.


IMC TV berichtet live

Razzia gegen Redaktion
Am Nachmittag des 16. August 2016 fand ein Polizeieinsatz gegen die Zeitung statt. Die Polizei wollte dadurch das Erscheinen der Zeitung am Folgetag verhindern. Die Polizei nahm allen Zeitungsmitarbeitern den Ausweis weg, auch den Mitarbeitern des Fernsehsenders IMC TV, die gerade Aufnahmen bei der Zeitung machten. Die Kameras des Fernsehsenders wurden beschlagnahmt. 14 JournalistInnen wurden in Gewahrsam genommen: Der Chefredakteur, die Redakteure, die Korrespondentin von IMC TV Gülfem Karatas, die vom Vorgefallenen berichtete, der Kameramann des IMC TV Gökhan Çetin und der Korrespondent der Nachrichtenagentur DIHA Mesut Karnak. Bei der Festnahme wurden einige Journalisten geschlagen.


Der Karikaturist Halil İncesu zeichnet die Szene der Festnahme von Doğan Güzel nach, der dabei geprügelt wurde, des Hemd zerrissen wurde und dem von hinten Handschellen angelegt wurden.


Titelseite der geschlossenen Zeitung Özgür Gündem vom 17. August 2016:
Boyun Eğmeyeceğiz – Wir werden uns dem Druck nicht beugen
Die Zeitung veröffentlicht darin die Fotos ihrer Mitarbeitenden, die Opfer der Polizeigewalt wurden, und schreibt weiter:
„Genauso wenig wie die Folterer werden auch eure Bosse es nicht schaffen, uns zum Schweigen zu bringen. Wir haben den Putsch vom 28. Februar (1997), den die islamistischen Medien totgeschwiegen haben, als 28. Februar-Putsch beim Namen genannnt und haben uns auch dem Militärputsch-Versuch von gestern entgegengestellt. Diese Haltung legen wir auch heute ohne Wenn und Aber an den Tag. Wir werden uns auch dem AKP-Putsch entgegen stellen. Wir haben nicht geschwiegen, und ihr werdet uns auch nicht zum Schweigen bringen können.“

So sehen die heldenhaften Putschisten von heute aus

Welche Zeitung hat seit 1992 89 ermordete Journalisten zu verzeichnen?
Die Journalistin Mehves, Evin schreibt in ihrem Kommentar zu den Ereignissen, dass Özgür Gündem eine wichtige Zeitung der kurdischen Bewegung ist. Laut einer Erklärung der Gewerkschaft DİSK Basın-İş sind seit 1992 89 MitarbeiterInnen der Zeitung während ihrer Arbeit ermordet worden. In das Gebäude der Zeitung wurden Bomben gelegt, die Mitarbeiter und Chefs wurden wegen ihrer politischen Ansichten ins Gefängnis geworfen.

Rechtlosigkeit
Der Gerichtsbeschluss für die Schließung der Zeitung führt keine konkreten Artikel oder Fotos an, die für die Begründung „PKK-Proganda“ herangezogen wurden. Die Webseite der Özgür Gündem wurde allein im vergangenen Monat zweimal ohne Begründung blockiert. Zur Durchsetzung des Schließungsbefehls wurden maskierte Spezialeinheiten der Polizei eingesetzt. (Die Maskierung sichert die Straflosigkeit der amtlichen Täter). Die verhafteten Journalisten wurden verprügelt und mit Handschellen auf dem Rücken abgeführt. Selbst die Journalistin Gülfem Karatas, , die für IMC TV von der Polizeirazzia berichtete, war der Polizeigewalt ausgesetzt. Der Schriftstellerin Asli Erdogan, die nach einer Razzia in ihrer Privatwohnung festgenommen wurde ein Gespräch mit einem Rechtsanwalt verweigert. Die Behörden beriefen sich dabei auf die Bestimmungen des Ausnahmezustands, der nach Behauptung von Ministerpräsident Binali Yildirim nur auf die angeblichen Putschisten angewandt werden sollte. Noch um 12 Uhr des Folgetages (17. August) war nicht bekannt, wo Asli Erdogan festgehalten wurde.

Plünderung statt Beweissicherung
Mehves, Evin schreibt, dass das Vorgehen der Staatsgewalt gegen die Zeitung und ihre MitarbeiterInnen mehr an eine Plünderung als an eine Beweissicherung erinnert. So wurden die Computer mutwillig beschädigt, deren Hard disk herausgenommen wurde, selbst Exemplare alter Zeitungen, die an der Wand hingen, wurden abgerissen und in Säcke gestopft. Alle Bücher wurden ebenfalls in Säcke gestopft. Begleitet war das Vorgehen der Polizisten mit Flüchen und Beschimpfungen. Bei der Verhaftung von Dschihadisten oder Gewalttätern gegen Frauen legt die türkische Polizei wesentlich mehr Anstand und Zurückhaltung an den Tag als wenn es gegen Kurden und Linke geht. Dies sieht man auch bei den Razzien gegen Büros der prokurdischen HDP. Keine andere im Parlament vertretene Oppositionspartei musste so etwas je erleben.

Quellen:

http://www.diken.com.tr/ozgur-gundem-teror-orgutu-propagandasi-yapmak-iddiasiyla-kapatildi/
‘Terör örgütü propagandası’ iddiasıyla kapatılan Özgür Gündem’e polis baskını
16/08/2016 17:35
http://www.diken.com.tr/kapatilan-ozgur-gundemin-manseti-boyun-egmeyecegiz/
Kapatılan Özgür Gündem’in manşeti: ‘Boyun Eğmeyeceğiz’
17/08/2016 10:08
http://www.diken.com.tr/darp-edilerek-gozaltina-alinan-ozgur-gundem-karikaturistini-incesu-ve-latuff-cizdi/
Darp edilerek gözaltına alınan Özgür Gündem karikatüristini İncesu ve Latuff çizdi
17/08/2016 14:48
http://ozgurgundem1.com/haber/175770/asli-erdoganin-nereye-goturuldugu-ogrenildi
Aslı Erdoğan‘ın nereye götürüldüğü öğrenildi
17 Ağustos 2016 14:20
http://www.diken.com.tr/ozgur-gundem-baskini-ve-talan-kulturu/
Özgür Gündem baskını ve talan kültürü
17/08/2016 21:35
http://www.nzz.ch/feuilleton/buecher/schriftstellerin-asli-erdogan-verhaftet-zu-nah-am-feuer-ld.111479
Schriftstellerin Asli Erdogan verhaftet
Zu nah am Feuer
von Angela Schader 17.8.2016, 14:32 Uhr

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Iran – Kurdistan: Überfall auf Polizeiwache

In Sardascht, das auf iranischer Seite an der Grenze zur „Autonomen Region Kurdistan“ des Nordiraks liegt und zur iranische Provinz West-Aserbaidschan gehört, wurde am vergangenen Montag, den 8. August 2016, ein bewaffneter Angriff auf eine Polizeiwache verübt. Die Täter warfen vom Motorrad aus drei Blendgranaten in Richtung der Wache. Dabei gingen mehrere Fensterscheiben in der Umgebung in Bruch. Anschließend soll es einen zehnminütigen Schusswechsel zwischen Angreifern und Sicherheitskräften gegeben haben. Die Täter sind bislang noch unbekannt.
In den jüngsten Tagen wurden 20 kurdische Gefangene sunnitischen Glaubensbekenntnisses im Iran hingerichtet.

http://www.radiofarda.com/a/f4_gunmen_attack_sardasht_police_office_iran/27910958.html
vom 19. Mordad 1395 (9. August 2016)
hamleye afrade mosallah be yek kalantari dar shahre sardasht

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Iran: Friedhof zum Todestag eines Dichters gesperrt


Totengedenken vor versperrtem Friedhof

Man sollte meinen, dass in einem religiösen Staat wie der Islamischen Republik Iran das Totengedenken eine auch vom Staat akzeptierte Tradition ist. Dem ist nicht so: Ahmad Schamlou, einer der berühmtesten iranischen Dichter der Neuzeit, der am 24. Juli 2000 in Karadsch verstarb, wurde auf dem Friedhofsgelände des Heiligengrabs von Imam Taher in der Provinz Albors begraben. Ein Platz auf so einem Friedhof wird nur den Reichen und Berühmten zuteil. Dieses Jahr fanden die Behörden, dass sie die jährliche Gedenkfeier zu seinem Todestag nicht mehr tolerieren wollen und sperrten den Zugang zum Friedhof ab. Die Menge blieb darauf vor verschlossenen Toren stehen, was wiederum viele Passanten anlockte und die Menge wachsen ließ. So hatte die Maßnahme der Behörden, die es nicht gern sehen, wenn viele Menschen zusammenkommen, genau die gegenteilige Wirkung. Als dann aber die Polizei eingriff, löste sich die Menschenmenge auf.

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=113086
aks/maraseme salmarge shamlu poshte darhaye baste
vom 3. Mordad 1395 (24.07.2016)

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