Mehdi Chas‘ali, der Sohn von Abu l-Qassem Chas‘ali, eines Mitgliedes des Expertenrates und energischen Anhängers von Ahmadineschad und Ajatollah Chamene‘i, wurde jetzt zu 14 Jahren Gefängnis, 10 Jahren Verbannung und 90 Peitschenhieben verurteilt. Mehdi Chas‘ali, der in seinem Weblog vieles über das Innenleben der Islamischen Republik veröffentlicht hat und sich deshalb bei den Herrschenden unbeliebt gemacht hat, steht im Hungerstreik und hat deshalb schon Magenblutungen erlitten. Er ist derzeit im Ewin-Gefängnis in Teheran in Haft.
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Doktor Ahmad-Sadr Hadsch-Seyyed Dschawadi
Doktor Ahmad-Sadr Hadsch-Seyyed Dschawadi, Mitglied des Revolutionsrats und der Provisorischen Regierung nach dem Sturz des Schahs, ein einflussreicher Berater von Ajatollah Chomeini, bereut heute seine Unterstützung für die Gründung der Islamischen Republik. Er bedauert, dass diese drei Jahrzehnte lang dem Volk ihre Herrschaft aufgezwungen hat, und entschuldigt sich beim Volk dafür, dass er bei der Gründung dieses Systems mitgewirkt hat, das dem Volk so viele materielle und moralische Schäden zugefügt hat.
Wie die Mainpost am 31.01.2012 aus Würzburg berichtet, hat sich im Flüchtlingsheim in Würzburg in der Nacht von Samstag auf Sonntag ein iranischer Flüchtling erhängt. Der Journalist der Zeitung hat offensichtlich wenig Kontakt mit Flüchtlingen, sonst wüsste er, wie zermürbend das endlose Warten auf eine Antwort über das Asylverfahren ist und wie demütigend die Behörden in den Details sein können. Das ist selbst für gesunde Menschen schwer auszuhalten, für Menschen, die eine belastende Vorgeschichte haben, kann es tödlich sein. Da der Gesetzgeber in Deutschland seit 1978 ständig neue Gesetze über die Asylanten beschließt, kann man nicht behaupten, dass es keine Gelegenheit gegeben hätte, die Verfahren menschlicher zu gestalten.
Da die Autorenrechte am Artikel der Zeitung „Mainpost“ gehören, ist hier nur der Link zum Artikel wiedergegeben:
http://www.mainpost.de/regional/wuerzburg/Selbstmord-in-Asylheim-Trauer-um-Fluechtling;art735,6588549
Die wichtigste Partei der iranischen Reformisten, die Dschebheje Moscharekate Irane Eslami, hat bekannt gegeben, dass sie an den Wahlen zur neunten Legislaturperiode des iranischen Parlaments (Madschles) nicht teilnehmen wird. Die Reformisten beschuldigen die Machthaber, sie habe vor, das nächste Parlament mit Leuten zu besetzen, die nur noch absegnen, was die Regierung ihnen vorlegt. In einer jüngst veröffentlichten Erklärung schreibt die Partei: „Man kann nicht an Wahlen teilnehmen, die nicht in einer Atmosphäre der Freiheit abgehalten werden, in denen die Kandidaten des Volkes nicht zum Wahlkampf zugelassen werden, und – wichtiger noch – in denen die Stimmen des Volkes ignoriert werden. Aus diesem Grund geben wir dem iranischen Volk unseren Beschluss bekannt, nicht an den Parlamentswahlen teilzunehmen.“
Die Parlamentswahlen, die am 12. Esfand 1390 (Anfang März 2012) stattfinden sollen, sind die ersten Wahlen seit den Präsidentschaftswahlen vom Juni 2009, aus denen Ahmadineschad nicht Dank der Mehrheit der Stimmen, sondern Dank massiver Wahlfälschung und der nachfolgenden brutalen Unterdrückung der Proteste als Sieger hervorging.
Während die Reformisten also die Mitwirkung an der nächsten Wahl-Show ablehnen, zeichnen sich im Lager der „Prinizipialisten“ (Ossulgerajan) immer deutlichere Spaltungen an. So lehnt die Dschebheje Pajdarije Enqelabe Eslami (Front zur Unterstützung der Islamischen Revolution), die von ehemaligen Ministern und Behördenleitern Ahmadineschads gebildet wurde und unter der Führung von Ajatollah Mohammad-Taqi Mesbah Jasdi steht, das Ansinnen ab, eine Koalition mit anderen fundamentalistischen Kräften unter der Führung von Ajatollah Mahdi Kani und Mohammad Jasdi einzugehen.
Am gestrigen Sonntag fand an der Universität Mazandaran (Nordiran) ein StudentenInnenprotest statt – der größte seit 2009.
Die Agentur daneshjoonews (Studenten-News) berichtet, dass am Sonntag, den 23.10.2011, gegen 11:30 Uhr, die StudentInnen der Universität Mazandaran ihre Essentabletts vom „Selfservice“ der Mensa genommen haben und mit ihnen zur Verwaltung gegangen sind, wo sie die Tabletts auf dem Boden abstellten.

Essenstabletts auf dem Fluren der Universitäts-Verwaltung
Dieser Protest steht im Zusammenhang mit dem Protest von letzter Woche, bei dem mehr als 1000 Studentinnen und Studenten einen Brief an den islamischen Studentenrat geschrieben hatten. Dieser Studentenrat setzt sich aus Mitgliedern der Direktion, Bassijis und Geheimdienstlern zusammen. In dem Brief beschwerten sich die StudentInnen über die niedrige Qualität und den hohen Preis des Mensaessens. Außerdem wurde die untragbare Situation in den Studentenheimen angeprangert. Die Zimmer sind überbelegt, die sanitären Anlagen sind schmutzig, es gibt wenige Festnetztelefone und kaum Internetnutzungsmöglichkeiten.
An Stelle einer vernünftigen Antwort seitens des Studentenrats wurden die Kontrollen der Sicherheitskräfte verschärft, und eine Atmosphäre der Angst aufgebaut. Jetzt, eine Woche später, haben die StudentInnen darum diesen neuen Protest organisiert.

Das Essen schmeckt nicht und man weiß nicht ob man davon krank wird
Studentische Bassijis und zivil gekleidete studentische Schläger versuchten, diese Essensproteste aufzulösen. Die Menge der StudentInnen und ihre Wut waren jedoch so groß, dass die Regimeanhänger sich zurückziehen und wieder auf die Zuschauerrolle beschränken mussten.

Im Essen ist der Wurm drin
Gegen Ende wurde von einem Studenten eine gemeinsame Erklärung verlesen. In ihr wurde erneut die niedrige Essensqualität, der hohe Preis und die Situation im Studentenwohnheim moniert. Darüber hinaus wurde das Verhältnis der Universitätsverwaltung und der Sicherheitskräfte zu den StudentInnen kritisiert und gefordert, dass sich das ändert. Wenn sich all das nicht bald bessere, würde der Kampf für ihre Rechte in eine neue Phase treten.
Es ist nicht ungefährlich, solche Videos in aller Öffentlichkeit zu drehen. Daher die schlechte Bildqualität.
Nach diesem Protest haben die Sicherheitskräfte der Universität einzelne StudentInnen in ihr Büro zitiert, andere wurde per Telefon bedroht.
Die StudentInnen, die sich an solchen Protesten beteiligen, können leicht festgenommen werde. Noch heute sitzen StudentInnen anderer Universitäten im Gefängnis. Das ist der Grund, warum die Gesichter der TeilnehmerInnen an diesen Protesten nicht im Bild zu sehen sind.
An der Amir-Kabir-Universität in Teheran fand eine Kundgebung von über 1000 Studenten statt. Sie forderten die Absetzung des Rektors der Universität, der für die katastrophalen Zustände im Studentenwohnheim verantwortlich ist. Eine Studentin, die eigentlich ein Zimmer im Wohnheim hatte, fand dort keinen Platz. Die Verwaltung hatte 90 Wohnplätze an 130 Studenten vergeben. So machte sich die Studentin auf die Suche nach einem Platz, wo sie nachts schlafen konnte. Im Gebetshaus des Wohnheims war auch alles belegt, so dass sie schließlich in den Keller des Gebetshauses ging, um dort zu schlafen. Anscheinend waren die dort verlaufenden Abwasserrohre undicht, ein Lüftungssystem gab es auch nicht, so dass die Studentin wohl aufgrund der ausgetretenen Gase eine Vergiftung erlitt, der sie im Krankenhaus erlag. Die Universitätsverwaltung hatte daraufhin gar behauptet, die Studentin habe Selbstmordabsichten gehabt, was ihre Freundinnen alle verneinen.
Deshalb forderten die über 1000 versammelten Studenten, dass der Rektor zurücktreten müsse. Der Rektor ließ zwar die Türen zu seinem Amtssitz verrammeln, aber den Studenten gelang es, die Tür aufzubrechen.

Dr. NourAli Tabandeh, unter dem Namen Majzob Alishah Führer des Sufi-Ordens Nematollah Gonabadi
Über 90 Derwische des Sufi-Ordens Nematollahi Gonabadi versuchten am Montagmorgen, den 19.09.2011, vor dem Hauptportal des Ewin-Gefängnisses in Teheran, friedlich gegen die Inhaftierung von Kollegen ihrer religiösen Vereinigung zu protestieren. Vor dem Gefängnis wurden darauf die sogenannten Sicherheitskräfte zusammengezogen, die die Durchführung der Kundgebung verhinderten und auch unter den Protestierenden Festnahmen durchführten.
Wie man sieht, genießen auch Muslime keine Religionsfreiheit im Iran.
Iran: Die Ingenieure der Revolution am Werk
Die jüngsten Nachrichten aus dem Iran scheinen von einer Verschärfung der politischen Lage zu künden. Selbst derart gemäßigte „Oppositionelle“ wie Mirhossein Mussawi und Mehdi Karubi wurden verhaftet, obwohl sie stets betonen, dass die islamische Verfassung erhalten bleiben soll.
Was soll das bedeuten? Es ist klar, der Sturz von Präsident Ben Ali, von Präsident Mubarak, der Aufstand gegen Ghadhafi – bedeutet auch den iranischen Machthabern, dass ihre Tage gezählt sein könnten.
Die Buchhalter der Macht
Verschiedene Analytiker deuten die Verhaftung der beiden Reformisten und ihrer Ehefrauen so, dass Ajatollah Chamene‘i und Ahmadineschad sich fürchten, dass die beiden nun zu Sprechern der Opposition werden, dass die Menschen wie am 25. Bahman (14. Februar) auf die Straße gehen, wenn die beiden dazu aufrufen, und so die Macht allmählich in deren Hände übergehen könnte. In dieser Sichtweise ist der Schaden, der sich aus einer Inhaftierung ergeben könnte – Massenproteste, die den Funken der Revolution auslösen könnten, geringer als abzuwarten, bis Mussawi und Karubi sich als Führer der Unzufriedenen etabliert haben. Sie einzusperren bedeutet, ihren Kontakt zur Außenwelt zu kappen, dann können sie nichts mehr anrichten.
Den Sprengsatz entschärfen
Die gleichen Ereignissen können aber auch ganz anders gelesen werden. Gerade weil die Machthaber im Iran erkannt haben, dass ihr Ende gekommen ist, versuchen sie jetzt, die explosive Unzufriedenheit unter kontrollierten Bedingungen zu entschärfen. Das Regime soll eine neue Fassade bekommen, damit die Mörder und Täter von heute dort morgen ihren „wohlverdienten Ruhestand“ genießen können. Diese Art von Wechsel ist mit der echten Opposition nicht zu haben. Ganz anders die Reformisten. Sie wollen die islamische Republik am Leben erhalten und sind es zufrieden, wenn sie die Macht übernehmen dürfen. Damit das Volk also nicht eigenmächtig den Weg sucht, der es in die Freiheit führt, wird jetzt eine Alternative geschaffen. Mussawi und Karubi in Haft, und das Volk demonstriert jeden Dienstag, bis sie freigelassen werden. So sind die Richtigen im Blickpunkt, während Menschen wie der Gewerkschafter Osanlu, die Anwältin Nasrin Sotude im Gefängnis in Vergessenheit geraten und nicht einmal ins Krankenhaus gebracht werden, wenn sie an den Folgen der Haft erkranken. Die Reformisten dagegen, die zu ihresgleichen zählen, bekommen sogar Hafturlaub, wenn in der Verwandtschaft ein Hochzeit gefeiert wird.
Der Revolutionsrat im Ausland
Um dem Übergang von einer Regierung der Wölfe zu einer Regierung der Hyänen Glaubwürdigkeit zu verleihen, hat die Regierung sich etwas einfallen lassen. So wurde jetzt im Ausland der „Koordinationsrat des Grünen Weges der Hoffnung“ (Shoura-ye Hamahangi-ye Rah-e Sabz-e Omid) gebildet, der im Ausland im Namen Mussawis und Karubis Erklärungen abgibt, das Volk im Iran zu Dienstagsdemonstrationen aufruft und ihnen auch gleich vorgibt, welche Parolen sie rufen sollen. „Nieder mit der Diktatur“ oder „Freilassung aller politischen Gefangenen“ kommt dabei nicht vor. Wenn die Pasdaran nun wie heute verstärkt die Bassidschi vorschicken und sich vornehm zurückhalten, wenn mehr Tränengas als scharfe Munition eingesetzt werden, wenn die Festgenommenen nach zwei Tagen wieder auf freiem Fuß sind, dann ist das für das Volk ein Signal, dass sie sich nicht fürchten müssen. Und es werden mehr demonstrieren, bis Mussawi und Karubi frei sind und den Übergang einleiten, den die Machthaber wünschen, nicht das Volk. Das Kalkül ist nicht ganz risikofrei, denn ein Teil der Demonstrierenden hat auch heute (10. Esfand = 1.3.2011) gezeigt, dass sie keine Zensoren aus dem Ausland brauchen können und sich nicht mehr mit einem Molla-Regime abfinden wollen. Es ist abzusehen, dass die Weitsichtigen auf lange Zeit hinter Gittern verschwinden werden oder umgebracht werden, damit die Wünsche der Machthaber in Erfüllung gehen. Und trotzdem, sie können sich verrechnen. Inschallah!
In einem Land, in dem selbst das Filmen und Fotografieren mit Gefängnis bestraft wird, wenn das Gezeigte den Herrschern nicht gefällt, in dem jede Zeitung, jede Partei und jede Gewerkschaft von heute auf morgen verboten werden kann, in dem die Regierung im Namen des Islam die abartigsten Kleidervorschriften durchprügelt, ist selbst das Unpolitischste Ausdruck von Widerstand.
Wenn Bertold Brecht noch dichtete:
Wirklich, wir leben in finsteren Zeiten,
wo ein Gespräch über Bäume
fast ein Verbrechen ist,
weil es ein Schweigen
über so viele Untaten
einschließt
so ist in einem totalitären Regime die Botschaft ganz anders zu lesen. Wer über Bäume redet, obwohl die Herrschenden lieber über Kleidervorschriften, über amerikanische Spione und über Atomkraftwerke reden, der unterläuft schon ihren Machtanspruch.
Und so kam eine Gruppe von Menschen auf eine geniale Idee. Sie organisierten eine
„Versammlung der Lockenköpfe im Nationalpark (Parke Mellat) in Teheran“.
Schauen Sie selbst, hier der Link zu einem Video dieser Versammlung.
Da nicht auszuschließen ist, dass das Regime das Video von der Seite nehmen lässt, haben wir einige Szenen abkopiert.
Das iranische islamische Modell sieht vor, dass die Menschen stets in Angst vor Gott leben sollen, was nicht nur für Iranerinnen und Iraner sondern für die ganze Welt gilt. Voraussetzung dafür ist ein dauernder Zustand der Krise, der die Menschen desorientiert und für die Islamisierung empfänglich macht.
In der Pasdaran-Zeitschrift Sobhe Sadeq (Übersetzt: „Richtiger Morgen“ – d.h. der Moment in dem der Imam Mahdi in der Welt erscheint ) liest sich das so, dass, je brutaler in den Medien die strikte Anwendung der Scharia vermittelt würde ( z.B. bei Steinigungen, etc. ), desto mehr Angst auch bei den westlichen Ländern verbreitet werden könne.
Bei der radikalfundamentalistischen Fraktion der Prinzipialisten legitimierte diese Theorie u.a. das extrem harte Vorgehen gegen die Demokratiebewegung nach den letzten Wahlen und auf der Basis der gleichen Theorie wurden das Ewin-Gefängnis oder das Kahrisak-Gefängnis so organisiert, dass die bekannten Verbrechen stattfinden konnten.
Im Moment steht die drohende Steinigung von Sakineh Mohammadi Ashtiani im Zeitrum der weltweiten Aufmerksamkeit. Doch es geht um viel mehr Menschen. Die Gefängnisse sind voll mit Menschen, denen die gleiche Strafe (Steinigung) oder die Hinrichtung droht. Z.B. Zeynab Jalaliyan, Mohammad Ali Saremi, Jafar Kazemi, Mohammad Ali Haj‘aghai, Ahmad Daneshpour, Mohsen Daneshpour, …
Aus diesem Grund sind Demonstrationen gegen Steinigungen und Hinrichtungen vor den iranischen Botschaften und Konsulaten in aller Welt zu begrüßen. Wer an die Menschenrechte glaubt, sollte diese Demonstrationen direkt oder indirekt unterstützen.

Paris

Paris

Paris

Schweden

Schweden

Brasilien, vor der iranischen Botschaft

Sakineh Mohammadi Ashtiani ist eine iranische Frau aus Ost-Aserbaidschan, die im Iran wegen Ehebruchs zum Tod durch Steinigung verurteilt wurde. Ihre im Juli 2010 angesetzte Hinrichtung wurde nach internationalen Protesten zunächst aufgeschoben.
Proteste gegen das Urteil

Aufgrund einer Kampagne,die von ihren beiden Kindern gestartet wurde, gelang es, die sofortige Hinrichtung von Mohammadi Ashtiani im Juli 2010 zu verhindern, das Todesurteil wurde jedoch nicht aufgehoben. Gegen das Urteil gab es Proteste in London und Washington, D.C. sowie in anderen Städten.
Forderungen, ihre Hinrichtung zu stoppen, kamen von Menschenrechtsgruppen wie Human Rights Watch und Amnesty International, außerdem gab es Aufrufe von Politikern und Prominenten wie Guido Westerwelle sowie durch die Schauspieler Colin Firth, Emma Thompson, Robert Redford, Lindsay Lohan und Juliette Binoche.
Die iranische Botschaft in London veröffentlichte eine Erklärung, dass „gemäß Informationen der einschlägigen juristischen Einrichtungen im Iran, sie nicht durch Steinigung hingerichtet werden wird“, was offenbar die Möglichkeit der Hinrichtung durch eine andere Methode offenlässt. Hängen ist die allgemeine Methode der Durchführung der Todesstrafe im Iran. Journalisten im Iran ist die Berichterstattung über den Fall verboten.

Der oberste Richter der Provinz Ost-Aserbaidschan, Malek Ajdar Sharifi, erklärte, die Strafe werde vorerst nicht vollzogen. Dabei sei das Urteil „endgültig und anzuwenden“, jedoch wegen „humanitärer Bedenken“ des obersten Richters des Landes erst einmal verschoben.
Mutter mit Fotos von 13 der 17 Gefangenen
Vor dreizehn Tagen haben siebzehn politische Gefangene im Trakt 350 des Teheraner Ewin-Gefängnisses einen unbefristeten Hungerstreik eröffnet, um dagegen gegen die Behandlung und die Verweigerung der Gefangenenrechte zu protestieren. Obwohl diese Gefangenen alle rechtskräftig verurteilt sind, wird ihnen der Besuch von Familienangehörigen verweigert, sie werden laufend von den Wärtern beleidigt und entwürdigend behandelt. Nach ein paar Tagen drohten ihnen die Beamten, sie würden Zustände wie im berüchtigten Kahrisak-Gefängnis einführen, wenn sie weiter streikten. Die Gefangenen ließen sich nicht einschüchtern und wurden darauf in Einzelzellen gesperrt. Darauf traten die Angehörigen dieser Gefangenen vor dem Revolutionstribunal und der Staatsanwaltschaft in Teheran zusammen, hielten Fotos ihrer inhaftierten Angehörigen hoch und forderten das Recht, sie besuchen zu dürfen. Sie verlangten von Ajatollah Sadeq Laridschani, dem Obersten Chef der Justiz im Iran, sich dafür einzusetzen, dass die Gefangenen ihren Hungerstreik beenden können und sie wieder in Gemeinschaftszellen zurück verlegt werden. Die bewaffneten Staatskräfte griffen an und vertrieben die Angehörigen mit Gewalt. Als Protest gaben die Familien bekannt, dass sie ebenfalls in Hungerstreik treten, bis die Forderungen der Gefangenen erfüllt werden. Ihre Forderungen verbreiteten sie auch über Internet.
Der Islamische Verein der Ärzte-Gesellschaft des Iran (Andschomane Eslamiye Dschame‘eye Peseschkiye Iran), eine Organisation, die in etwa der Bundesärztekammer in Deutschland entspricht, hat sich ebenfalls zum Hungerstreik geäußert und darauf hingewiesen, dass selbst dann, wenn der Hungerstreik später abgebrochen werden sollte, die jungen Gefangenen lebenslange Schäden davontragen werden.
Ewin-Gefängnis
Inzwischen haben sich auch Studenten der Teheraner Amir-Kabir-Universität dem Hungerstreik der Gefangenen angeschlossen, um ihre Forderungen zu unterstützen, und Gefangene im Männer-Trakt des Gouhar-Dascht-Gefängnisses sowie im Frauen-Trakt des Radscha‘i-Schahr-Gefängnisses haben aus Solidarität mit den 17 Gefangenen im Ewin-Gefängnis einen befristeten Hungerstreik erklärt. Auch die Frauen im Ewin-Gefängnis haben in einem offenen Brief ihre Solidarität mit den streikenden Gefangenen erklärt und ihre Rückverlegung in Gemeinschafszellen gefordert.
In Nordwest-Teheran liegt ein Stadtteil namens Gisha. Letzte Woche, am 16. Juni 2010, war ein fliegender Händler wie jede Nacht dabei, seine Waren auf der Gisha-Strasse zu verkaufen. Ein auf einem Motorrad vorbeifahrender Ordnungsbeamter hielt an und stellte den Händler zur Rede. Es entwickelte sich ein Streitgespräch, in dessen Verlauf der Ordnungsbeamte den Händler schlug. Er wollte die Waren beschlagnahmen. Der betroffene Händler wurde ärgerlich und schimpfte auf Chomeini und Chamenei. Passanten blieben stehen und unterstützten den fliegenden Händler. Der Ordnungsbeamte musste selbst ein paar Schläge einstecken und am Ende fliehen. 15 Minuten später kam er jedoch wieder und hatte vier weitere Ordnungsbeamte in seiner Begleitung. Sie versuchten erneut den Händler festzunehmen und seine Waren zu beschlagnahmen. Wiedrum entwickelte sich eine Schlägerei, in der die Beamten den Kürzeren zogen. Gegen 22:40 Uhr hatten sich an diesem Ort mehr als 200 Menschen versammelt, die wütende Parolen wie „Marg bar Diktator“ riefen. Einige hatten sich bereits wieder entfernt und andere sprachen noch darüber, wie es ist, wenn man keine richtige Arbeit mehr hat aber irgendwie seine Familie ernähren muss. Plötzlich näherten sich viele Polizisten, Spezialeinheiten und Basiji mit Autos und Motorrädern, die sofort zum Angriff übergingen. Die Menschen mussten fliehen, ein paar von ihnen wurden festgenommen.
Dieser Bericht erschien in einer Zeitschrift namens Bazr mit folgendem Kommentar: nicht nur in diesem Viertel auch in anderen Vierteln, nicht nur in Teheran sondern im ganzen Land kommt es immer wieder zu solch kleinen Explosionen.

Der iranische Außenminister Mottaki sah sich heute vor dem Auswärtigen Ausschuss des Europaparlaments in Brüssel überraschend schwerer Kritik ausgesetzt. Beim Betreten des Gebäudes wurden ihm von Europa-Parlamentariern große Abbildungen von Neda Agha Soltan vor das Gesicht gehalten. Die junge Iranerin war bei den Massendemonstrationen gegen den letztjährigen Wahlbetrug von Ahmadinejad auf der Strasse erschossen worden.
Gestern, am 3. Chordat (24. Mai) vor 22 Jahren konnte iranisches Militär die von Saddam Hussein besetzte Stadt Khoramschar zurückerorbern. Ein Anlass also zum Feiern. Ahmadinejad war extra gekommen, um eine Rede zu diesem Anlaß zu halten.
Rede von Ahmadinejad, gestört von Protestrufen
Während seiner Rede wurde er von ständigen Rufen aus dem Publikum unterbrochen: „Bikarim, Bikarim“ (Wir sind arbeitslos, wir sind arbeitslos). Der Staatspräsident versuchte die Parolen zu ignorieren und redete so gut es ging gegen die Proteste an.

„Wir wollen keine Atomenergie – wir arbeiten um zu leben!“
„Soziale Sicherheit ist unser Recht!“
Üblicherweise spricht bei solchen Gelegenheiten auch der Vorbeter vom Freitagsgebet als Vertreter von Chamenei. Aber Ayatollah Seyed Abulhasan Nuri hat aus Protest an der Veranstaltung nicht teilgenommen. Ursprünglich wollte er kritisch fragen, warum 22 Jahre nach Kriegsende die Stadt immer noch so von Zerstörung gekennzeichnet ist, doch seine Rede wurde gestrichen.


Direkt neben dem Veranstaltungsort hatten Basiji mehrere Zelte errichtet, in denen sie Waffen ausstellten. Niemand weiss wie es geschah, aber plötzlich standen diese Zelte in Flammen. Dabei wurde ein Mann getötet und vier weitere wurden verletzt.

Brennende Zelte der Basiji
