Archiv der Kategorie 'Protest'

104 Tote bei Massenprotesten im Irak

Seit einer Woche gehen die Menschen im Irak auf die Straße und demonstrieren gegen Korruption, Armut und Mißwirtschaft der irakischen Regierung. Die Proteste konzentrieren sich vorwiegend auf Städte mit schiitischer Bevölkerungsmehrheit und richten sich auch gegen das Einmischen des (schiitischen) Irans in die irakische Politik. In einem Video kann man sehen, wie die Demonstranten wutentbrannt mit Schuhen auf ein Abbild von Khamene‘i, dem iranischen Religösen Führer, einschlagen, was eine schwere Beleidigung darstellt.

Video

Laut dem irakischen Innenminister kam es in den ersten 6 Tagen zu 104 Toten und über 6000 Verletzten. Verschiedene Berichte geben an, dass Heckenschützen auf Demonstranten schossen und dass eingesetzte Sicherheitskräfte untereinander persisch sprachen. Des weiteren heisst es, dass zigtausende iranische Pasdaran in Zivil in den Irak geschickt wurden und sich auf Seiten der Regierung und gegen die Demonstranten einmischen.

Der bekannte, im Irak lebende, schiitische Ayatollah Sistani forderte die Demonstranten auf nach Hause zu gehen und auf Gewalt zu verzichten. Beide Seiten müssten miteinander reden.

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Iran: Angriff auf den Amtssitz des Vertreters des Religiösen Führers


In der Provinz Tschahar-Mahal va Bachtiyari hat die Bevölkerung in der Ortschaft Tschenare Mahmudi im Landkreis Lordegan am vergangenen Samstag (5. Oktober), den lokalen Gesundheitsposten und den Sitz des Chefs der Sicherheitsbehörden des Landkreises angegriffen. Ebenfalls attackierte die Bevölkerung den Sitz des Vertreters von Ajatollah Chamene‘i im Landkreis Lordegan.
Hintergrund der gewaltsamen Proteste, bei denen der Gesundheitsposten in Brand gesetzt wurde, ist die Meldung, dass dieser Gesundheitsposten mit AIDS infizierte Spritzen eingesetzt hat, so dass eine beträchtliche Zahl – auch von Kindern – darauf an AIDS erkrankt sein soll.
Eine Kommission des iranischen Parlaments will kommende Woche die Vorwürfe angeblich untersuchen.

https://www.akhbar-rooz.com/معترضان-دفتر-امام-جمعه-لردگان-را-آتش-زد/
vom 13. Mehr 1398 (5. Oktober 2019)
mo°tarezan daftare emam jom°eye lordeganra atesh zadand

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Iran – Arak: Sondereinheiten gegen Arbeiterproteste


Heute, den 7. Oktober 2019, wurden in Arak Sondereinheiten zur Niederschlagung von Aufständen gegen protestierende Arbeiter der Firma Adhar-Ab in Arak eingesetzt. Die Spezialkräfte setzten Tränengas ein. Sie waren vor den Toren der Firma postiert, um die Arbeiter zu zerstreuen.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=192164
vom 15. Mehr 1398 (7. Oktober 2019)
°aks / yegane wizheye zedde shuresh ba estefade az gaze ashk-awar wa ba hozur dar moqabele dare worudiye sherkat eqdam be motefarreq kardane kargarane mo°tareze adharabe Arak kardand

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Iran: 40 Jahre Diktatur und noch immer kein Sturz in Sicht?

Der im Exil lebende iranische Journalist Abu l-Fazl Mohaqqeqi hat eine Reihe von iranischen Jugendlichen befragt, die jetzt ebenfalls im Ausland leben, was sie über die Lage der Jugendlichen im Iran zu sagen haben. Der hier zusammengefasste Artikel vom 30. September gibt ein Interview mit einem dieser Jugendlichen wieder, der erst vor kurzem den Iran verlassen hat.
Der Jugendliche umreißt kurz die gesellschaftliche Lage der Jugend. Da sind diejenigen, die im Rahmen der staatlichen Organe und der Strukturen der Geistlichkeit untergekommen sind und ein stabiles Auskommen haben. Von diesen soll hier nicht die Rede sein. Da sind die anderen, die aufgrund der prekären Lage der Eltern schon früh berufstätig werden, als Straßenhändler zum Beispiel, und jetzt von der iranischen Wirtschaftskrise voll getroffen werden. Da sind die inzwischen Millionen Drogenabhängigen unter Jugendlichen. Und da sind die Kinder der Mittelschicht, die zwar ein Studium absolviert haben, aber keine Arbeit finden. Aus dieser Schicht stammt auch der Interviewte. Er berichtet, wie belastend es für diese jungen Männer und Frauen ist, weiter auf der Tasche der Eltern zu liegen und weiter unter dem Dach der elterlichen Wohnung zu leben, ohne Aussicht, eine eigene Arbeit, ein eigenes Auskommen zu finden oder eine eigene Familie zu gründen. Partnersuche wird unter solchen Umständen sinnlos.
Gegen Ende des ausführlichen Artikels werden einige Fragen aufgeworfen, die für alle interessant sind, die sich fragen, wieso dieses Regime noch immer an der Macht ist.

Die Saat der Angst und die Rolle der Familie
„Du kannst auch nicht protestieren. Warum? Die Antwort auf Protest heißt Gefängnis, Folter und Tod. Alles Dinge, vor denen die Familien eine Heidenangst haben. Sie ziehen es vor, dass ihrer Kinder drogensüchtig werden, arbeitslos bleiben oder zu Hause hocken, als dass sie politisch aktiv würden. Sie verkaufen ihr ganzes Vermögen, vom Armband der Mutter bis zum Haus, um ihre Kinder – vor allem die Söhne – ins Ausland zu schicken.
Das größte Hindernis der Jugendlichen, auf die Straße zu gehen, sind die Familien. Sie haben auch Recht. Denn sie (ihre Eltern) haben ja erlebt, dass diese Regierung nicht vor brutaler Unterdrückung und Massakern zurückschreckt.
So sieht die Lage einer breiten Masse von Jugendlichen aus, die nicht auf Seiten der Regierung stehen und nirgendwo in den Regierungsinstitutionen und Behörden untergekommen sind, von den Bassidschis an den Schulen angefangen bis hin zu den „Islamischen Vereinen“ der Studenten und Dutzenden anderen Organen. (…)“

https://news.gooya.com/2019/09/post-30603.php
vom 30. September 2019
mosahebe wa goftegu ba chand jawan ba°d az faluye (engl. follow) 14 milyuni „tatalou“, Abu l-Fazl Mohaqqeqi

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Iran: Verfolgung konvertierter Christen

Derzeit ist der christliche Priester Jussef Nadarchani im Ewin-Gefängnis in Teheran in Haft. Er war 2009 wegen Abfalls vom rechten Glauben zum Tode verurteilt worden, weil er vom Islam zum Christentum übergetreten war. Nach Protesten aus dem Ausland wurde das Urteil in eine Gefängnisstrafe umgewandelt und der Vorwurf auf „Propaganda gegen das System“ abgeändert. Damals kam er nach Verbüßung der Haftstrafe zwar frei, wurde aber 1396 (2017/8) erneut verhaftet und zu 10 Jahren Gefängnis sowie 2 Jahren Verbannung nach Sistan und Balutschistan verurteilt.
Seinen beiden Kindern, die 15 und 16 Jahre alt sind, wird jetzt der Schulbesuch verweigert. Auch die Aushändigung der Zeugnisse der 9. Klasse ist bislang nicht erfolgt. Ihr Vater hatte versucht, sie als Christen registrieren zu lassen, was aber verweigert wurde. Die Kinder, die vom Staat weiterhin als Muslime behandelt werden, haben darauf den islamischen Unterricht nicht besucht, was dazu führte, dass die Behörden ihnen jetzt nicht mehr erlauben, weiter den Unterricht zu besuchen. Sie dürften höchsten noch als Gasthörer teilnehmen.
Ihr inhaftierter Vater hat daraufhin im Gefängnis den Hungerstreik eröffnet, um den weiteren Schulbesuch seiner Kinder einzufordern.

https://www.radiofarda.com/a/اعتصاب-غذای-یوسف-ندرخانی-در-اعتراض-به-ممانعت-از-تحصیل-فرزندانش-/30189722
vom 7. Mehr 1398 (29. September 2019)
e°tesabe ghazaye yusef nadarxani dar e°teraz be momane°at az tahsile farzandanash

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Iran: Der Vater der „blauen Frau“


Sahar Chodayari mit ihren Brandwunden im Krankenhaus

Wie ein aus Iran Journal übernommener Artikel berichtete, hat sich in Teheran eine 29-jährige Frau namens Sahar Chodayari vor dem Justizgebäude angezündet, nachdem ein Gericht sie zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt hatte. Sahar Chodayari hatte versucht, als Mann verkleidet an einem Fußballspiel als Zuschauerin teilzunehmen, und war dabei gefasst worden. Im Gefängnis hatte Sahar gegenüber Mitgefangenen geäußert, dass sie Angst hat, dass ihr Vater sie umbringen wird, wenn er erfährt, dass sie so etwas gemacht hat. Diese Mitgefangenen waren später mit der Arbeiteraktivistin Sepide Gholyan in einer Zelle und haben ihr davon berichtet.
Das wirft die Frage auf: Was ist das für ein Vater? Was für eine Vorgeschichte hat er? Hilft uns dies, zu verstehen, wieso das Regime noch an der Macht ist?
Und ebenso stellt sich natürlich auch die Frage nach der Mutter. Was den Vater angeht, war in den iranischen Medien etwas zu finden, bei der Mutter endete die Suche mit einer Fehlanzeige.


Der Vater
Heydar-Ali Chodayari ist der Vater der „blauen Frau“. Er hat der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Mehr und auch anderen iranischen Medien Interviews gegeben, die inhaltlich übereinstimmen. Auch in späteren Interviews hat er an keiner Stelle seine früheren Äußerungen widerrufen oder dementiert, so dass man selbst im Rahmen der einseitigen staatlichen Medienberichterstattung annehmen muss, dass er hier seine wirkliche Gesinnung offenbart. Die Tatsache, dass seine Tochter Angst hatte, dass er sie umbringen würde, spricht auch dafür, dass seine Worte tatsächlich seinen Vorstellungen entsprechen.

Dschanbas (Janbaz) – ein Kriegsversehrter
Heydar-Ali Chodayari sagt von sich selber: Man fada‘iye nezam hastam – Ich bin bereit, mich für dieses System aufzuopfern. Ich bin Kriegsversehrter aus dem uns aufgezwungenen Krieg (gemeint ist der iranisch-irakische Krieg). Ich liebe den Imam (gemeint ist Imam Chomeini) mit Herz und Seele. Und sollte dem Land künftig – Gott verhüte – etwas zustoßen, werde ich an vorderster Stelle die herrschende Ordnung verteidigen. Ich habe keine Angst. Wenn ich auch nur ein Prozent anderer Meinung wäre als dieses System, dann würde ich es jetzt verkünden. Aber ich sage: Weder ich, noch meine Tochter, noch irgendein anderes Mitglied meiner Familie hatten je ein Problem mit dieser Ordnung und haben auch jetzt keins.“

Der Vater stellt Tochter als psychisch krank dar
In seinen Interviews ist der Vater bemüht, seine Tochter als psychisch krank darzustellen. Sie sei das Opfer der Anstachelung von anderen, denen er alle Schuld zuweist. Er sagt: „In den paar Tagen, in denen Sahar im Krankenhaus lag (wo sie den Verletzungen der Selbstverbrennung erlag), ist keine Celebrity (Berühmtheit, engl.) und kein footballist oder irgendein Verantwortlicher gekommen, um sie zu besuchen, ich habe auch keinen gesehen.
(AdÜ: Bei so einem Vater dürfte das auch nicht ganz ungefährlich sein…)
Der Vater fährt fort: „Jeder, der sagt, dass Sahar Opfer (erg. des Regimes) ist, stellt eine grundlose Behauptung auf. Wem ist Sahar zum Opfer gefallen? Sie hatte nervliche Probleme. An dem Tag, an dem sie zum Gericht ging, hatte sie wieder einen Nervenzusammenbruch, worauf sie zur Selbstverbrennung geschritten ist.

Vater dementiert Haftstrafe
Der Vater sagt weiter: „Es ist kein Urteil ergangen, dass Sahar ins Gefängnis kommt. Als Familie von Sahar verkünden wir (AdÜ: er spricht für alle…), dass überhaupt nicht beschlossen war, dass Sahar ins Gefängnis kommt.

Leichnam erhalten
Dass der Vater nicht auf Bestellung für das Regime spricht, zeigt auch ein Detail, in dem es um die Aushändigung der Leiche geht. Dies ist bei kritischen Angehörigen oft ein heikler Streitpunkt, und es gibt genügend Fälle, in denen Opfer des Regimes heimlich vergraben wurden. Nicht so hier. Der Vater sagt: „Der Leichnam meiner Tochter wurde nach ihrem Verscheiden übergeben, wir hatten dabei keinerlei Probleme. Uns wurde dabei gesagt, dass wir Sahar begraben können, wo immer wir wollen. Wir hatten keinerlei Probleme bei der Bestattung.

Die anderen sind schuld
Auf die Frage, ob er diejenigen, die mit „nebensächlichen Dingen, wie etwa, dass Frauen Stadions betreten dürfen“ die „Mädchen und Jugendlichen anstacheln“, für den Tod seiner Tochter verantwortlich macht, antwortete er: „Genau, ich halte diese Leute (die das fordern) für schuldig. Also wirklich, wozu müssen Frauen in ein Stadion? Wenn sie selbst Sport treiben, ist das ja noch was anderes.“
Er erklärte abschließend: „Ich bin nicht mit denjenigen einverstanden, die das Blut meiner Tochter für ihre Zwecke missbrauchen und erkläre das auch nicht als halal (islamisch akzeptabel). Diese Menschen machen einen Fehler, indem sie unter dem Vorwand eines Vorfalls, der Sahar zugestoßen ist, gegen dieses Land reden.“


Fazit
Der Vater ist jemand, der im iranisch-irakischen Krieg (1980-87) nicht nur einen Teil seiner Gesundheit eingebüßt hat, sondern dafür – sei es materiell oder anders – auch wohl so belohnt wurde, dass er bis heute hinter diesem System steht. Das ist nicht selbstverständlich, denn andere Kriegsversehrte protestieren inzwischen vor dem Parlament gegen die zu niedrigen Renten, die sie erhalten. Er kann zweifellos zu den Stützen des Regimes gezählt werden, auf diese Menschen können die Machthaber bauen. Die Werte, die dem Vater vermittelt wurden, machen ihn immun gegen den Tod seiner Tochter, auch sein eigenes Leben ist weniger Wert als diese Werte. Dass er die Selbstverbrennung seiner Tochter als Folge eines Nervenzusammenbruchs darstellt und ihr Handeln nur als Folge von fremder Anstachelung sieht, bedeutet, dass er sie wohl bis zuletzt nicht als selbständig denkenden Menschen wahrnehmen wollte. War das seine „Lösung“, um sich mit ihren Gedanken nicht auseinandersetzen zu müssen. Hat er Angst vor diesen Gedanken?
Dass die Tochter dieses eingefleischten Anhängers der Islamischen Herrschaft unter den Einfluss der Gegner des Systems geraten ist, „angestachelt“ wurde, zeigt, dass der Protest jetzt auch im Kern der Schichten angekommen ist, die hinter der Islamischen Republik stehen.

https://fararu.com/fa/news/411316/پدر-سحر-خدایاری-سحر-قربانی-چه-شده-او-مشکل-عصبی-داشت
vom 20. Schahriwar 1398 (11. September 2019)
pedare sahar xodayari: sahar qorbaniye che shode? u moshkele °asabi dasht

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Iran: Gewalt zu Semesterbeginn

Heute wurden im ganzen Iran die Schulen und Universitäten wieder eröffnet, das neue Schul- und Studienjahr hat begonnen. An der Alame-Tabatabai-Universität in Teheran kam es dabei zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.
Laut Berichten spielte sich dabei folgendes ab:
Eine Gruppe namens Freidenker-Verein (Anjomane Azad-Andish) an der Alame-Tabatabai-Universität hatte einen Stand, auf dem das Bild des noch immer im Hausarrest gefangenen ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Mirhossein Mussawi ausgelegt war. Darauf kamen Bassidschi-Studenten und verlangten, dass das Bild entfernt wird. Offensichtlich war die Atmosphäre im Umkreis des Standes so, dass sich die Bassidschis unterlegen fühlten und sich bei den Verantwortlichen der Uni (also wohl im Rektorat) beschwerten. Die Verantwortlichen erteilten darauf Anweisung an die Betreiber des Stands, das Bild zu entfernen. Das taten diese aber nicht. Daraufhin muss jemand an verantwortlicher Stelle auch staatliche Kräfte von außerhalb der Uni angefordert haben, so dass die Bassidschis zusammen mit diesen Kräften nun den Stand attackieren konnten.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=191231
vom 1. Mehr 1398 (vom 23. September 2019)
ruze awwale mehr daneshgahe °alame ba hozure basij, be xoshunat keshide shod

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Iran:Wut nach Tod des „blauen Mädchens


Sahar Khodayari

Quelle.Iran Journal
Sahar Khodayari, ein weiblicher iranischer Fußballfan, ist am Montag eine Woche nach ihrer Selbstverbrennung in einem Teheraner Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen.

Khodayari hatte am 12. März versucht, als Mann verkleidet das Stadionverbot für Frauen zu umgehen, um das Fußballspiel ihrer Lieblingsmannschaft Esteghlal in der asiatischen Champions League gegen Al-Ain aus den Vereinigten Arabischen Emiraten in Teheran zu sehen. Die 29-Jährige fiel der Security jedoch auf und wurde am Eingang des Azadi-Stadions festgenommen. Sie musste zwei Tage in Untersuchungshaft verbringen und kam dann zunächst gegen eine Kaution von 50 Millionen Tuman, umgerechnet 5.000 Euro, frei.

Die Justiz leitete gegen Khodayari ein Verfahren wegen Beleidigung der öffentlichen Ordnung und Widerstand gegen die Polizei ein. Am 2. September erfuhr sie nach ihrer ersten Anhörung, dass ihr bis zu sechs Monate Haftstrafe drohten. Nach dem Verlassen des Revolutionsgerichts in Teheran übergoss sich die junge Frau mit Benzin und zündete sich an.

Khodayari wird in den sozialen Netzwerken nach der Farbe ihrer Lieblingsmannschaft Esteghlal als „blaues Mädchen“ bezeichnet. Unter dem Hashtag „Blaues Mädchen“ prangern nun Tausende Iraner*innen das Zutrittsverbot für Frauen in Sportstadien als „mittelalterliche und menschenrechtsfeindliche“ Maßnahme an und fordern deren Aufhebung. Die Abgeordnete Parvaneh Salahshouri schrieb auf Twitter: „Wo Männer die Grundrechte von Frauen missachten und Frauen diese Unterdrückung offenbar unterstützen, sind alle an der Selbstverbrennung von Sahar mitschuldig.“

Auch prominente Sportler äußern ihre Trauer um Khodayari. Der ehemalige Fußballspieler Ali Daei postete auf Instagram ein blau gefärbtes Foto, auf dem ein Mädchen zu sehen ist, das einen Ball in der Hand hält und mitten in einem Stadion in Flammen steht.
Quelle.Iran Journal

http://iranjournal.org/news/iran-wut-tod-blaues-maedchen
vom 10.09.2019
Es fällt auf, dass die Webseite Iran Journal den persischen Begriff „doxtar“ mit Mädchen übersetzt, obwohl es sich laut eigenen Angaben des Artikels um eine 29-jährige Frau handelt. Dahinter steht noch immer die sexistische Verwendung des Begriffs „doxtar“ für Jungfrau, die in Deutschland nicht mehr üblich ist.

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Iran: Friseursalon unter Beschuss

Wie berichtet, haben 14 iranische Bürgerrechtler, die im Iran leben, den Übergang von der islamischen Diktatur zu einem demokratischen System gefordert. Einer der 14 ist der Gewerkschaftsaktivist Dschawad La°l-Mohammadi. Am gestrigen Sonntag haben nun Kräfte, die im Auftrag der Machthaber stehen, den Friseursalon seiner Ehefrau unter Beschuss genommen und im Kugelhagel die Glastür zerstört.

https://news.gooya.com/2019/07/post-28572.php
vom 29. Juli 2019
°awamele hokumati, arayeshgahe hamsare jawade la°l-mohammadi, soxanguye 14 fa°°ale madani daxele keshwar-ra be golule bastand

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Iran: Staatliches Vorgehen gegen Straßenkinder

Über 2000 iranische Staatsbürger, die im Iran leben, haben eine Erklärung unterschrieben, in der sie gegen das staatliche Vorgehen gegen Straßenkinder protestieren. Wie sie schreiben, ist der staatliche Kampf gegen die Straßenkinder keineswegs ein großartiges Sozialprojekt. Die eingesammelten Kinder werden dann an Orten festgehalten, deren Bedingungen iranischen Gefängnissen gleichen. Auch schiebt der iranische Staat afghanische Kinder direkt nach Afghanistan ab, ohne sich um die Rechte von Flüchtlingen zu scheren.

https://www.rahekargar.net/press_releases/2019-07-21_1007_kodakyari.pdf
bayaniye-ye shabake yari °aleyhe tarhe jam°-awariye kudakan

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Iran: 14 Unterschriften, die das Regime erschüttern


Mohammad Nuri-Zad und Mohammad Mahdawi-Far
Wie berichtet, haben 14 bürgerliche Aktivisten, die im Iran leben, eine Erklärung veröffentlicht, in der sie das Prinzip der Herrschaft des Rechtsgelehrten (Velayate Faqih) als religiöse Diktatur bezeichnen und eine demokratische Verfassung anstelle des derzeitigen Grundgesetzes fordern. Dass das Regime dies als Herausforderung betrachtet, war abzusehen. Der Sprecher der „Gruppe der 14″, Dschawad La°l-Mohammadi, hat jetzt eine Erklärung veröffentlicht, aus der die Reaktion der Behörden hervorgeht. 2 der 14 Unterzeichnenden sind schon in Haft, namentlich Mohammad Mahdawi-Far und Mohammad Nuri-Zad. Von den Unterzeichnern haben Abbas Wahediyan Shahrudi und seine Frau vom Geheimdienst und dessen Mittelsmännern SMS-Mitteilungen drohenden Inhalts erhalten, Mohammad Hossein Sepehri und seine Familie wurden gegen Mitternacht in ihrer Wohnung von Messerstechern aufgesucht und bedroht, Reza Mehregan wurde verprügelt, Ahmadi Ragheb wurde ohne Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften festgenommen und später wieder freigelassen.

https://news.gooya.com/2019/07/post-28109.php
vom 15. Juli 2019
bayaniye-ye jawad la°l mohammadi, soxangu-ye goruh-e bayaniye-ye 14 tan az iran

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Iran: Sitzstreik einer politischen Gefangenen vor dem Büro des Gefängnisdirektors


Sepide Qalyan

Sepide Qalyan sitzt seit einiger Zeit im Qaretschak-Gefängnis von Waramin in Haft. Sie wurde in Zusammenhang mit den Arbeiterprotesten von Haft-Tape verhaftet. Am Sonntag, den 7. Juli, hat sie aus Protest gegen die Misshandlung von zwei Mitgefangenen (Neda Nadschi und Atefe Rangris), gegen die häufige Unterbrechung der Wasserversorgung und das Fehlen eines Kühlungssystems in den Zellen einen Sitzstreik vor dem Büro des Gefängnisdirektors eröffnet.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=186145
vom 17. Tir 1398 (8. Juli 2019)
tahassone sepide qalyan moqabele daftare modiriyate zendane qarechak

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Der Islamischen Republik Iran wird gekündigt


Nein zur Islamischen Republik

Im Iran lebende Bürgerrechtler haben bislang in der Regel den Weg gewählt, auf die mangelnde Einhaltung vorhandener Gesetze hinzuweisen und das Grundgesetz als Basis für verschiedene politische Forderungen zu wählen. Die sogenannten Reformer im Iran waren ohnehin stets Befürworter der Beibehaltung der Islamischen Verfassung. Jetzt ist es zu einem Bruch gekommen. 14 BürgerrechtlerInnen haben namentlich eine Erklärung unterschrieben, in der sie die Islamische Republik Iran und die Herrschaft des Rechtsgelehrten als die eigentliche Wurzel des Übels darstellen. Im Iran ist das riskant und kann bis hin zur Todesstrafe führen. Die 14 Personen sind meist Angehörige von politischen Gefangenen, die zu verschiedenen Zeiten Opfer staatlicher Hinrichtungen unter der Islamischen Republik waren.

Die 14 Unterzeichner bezeichnen die Islamische Republik Iran als ein System, das auf tyrannischen Gesetzen beruht. Sie bezeichnen das iranische Grundgesetz und das Amt des „Rechtsgelehrten“ (Waliye Faqih) als Symbol der Korruption. Mit Waliye Faqih ist das Amt des Religiösen Führers gemeint, der letztlich jegliche Entscheidung einer anderen Institution aufheben kann, wenn er sie als den göttlichen Gesetzen zuwiderlaufend betrachtet.

Sie fordern die Regierungen der Welt auf, die Führer der Islamischen Republik Iran, namentlich Seyyed Ali Chamene‘i, die Befehlshaber der Revolutionswächter (Pasdaran) und diejenigen Vertreter im Parlament, die dort die Positionen von Ali Chamene‘i vertreten, nicht als Vertreter des iranischen Volks zu betrachten und die Beziehungen zu diesen Personen vollständig abzubrechen.

Es versteht sich, dass die Machthaber mit allen Mitteln gegen die Unterzeichner dieser Erklärung vorgehen werden. Die eigentliche spannende Frage ist, inwieweit diese Erklärung unter der iranischen Bevölkerung Rückhalt findet.

https://www.ipetitions.com/petition/no-to-islamic-republic-of-iran-support-the
No to Islamic Republic of Iran!

http://www.tribuneiran.org/%D8%A8%DB%8C%D8%A7%D9%86%DB%8C%D9%87-%DB%8C-%D8%AF%D9%88%D9%85-%DB%B1%DB%B4-%DA%A9%D9%86%D8%B4%DA%AF%D8%B1-%D9%85%D8%AF%D9%86%DB%8C-%D9%88-%D8%B3%DB%8C%D8%A7%D8%B3%DB%8C-%D8%AF%D8%A7%D8%AE%D9%84/
vom 30. Juni 2019
bayaniyeye dowome 14 koneshgare madani wa siyasi daxele keshwar – na be jomhuriye eslami

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Iran: Inhaftierte Journalistin in Hungerstreik getreten


Nazanin Zaghari-Ratcliffe

Nazanin Zaghari-Ratcliffe ist eine britisch-iranische Journalistin mit doppelter Staatsangehörigkeit. Vor drei Jahren war sie bei einem Besuch im Iran verhaftet und wegen „Spionage“ zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Am 15. Juni, dem Geburtstag ihrer Tochter, ist sie erneut in den Hungerstreik getreten, um gegen ihre ungerechte Inhaftierung zu protestieren.

http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/79874/
vom 15.06.2019
nazanin zagheri e°tesabe ghaza karde ast

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Iran: Ausschreitungen nach tödlichen Polizeischüssen

Gestern kam es in der iranischen Stadt Zahedan, Provinz Sistan/Belutschistan zu Ausschreitungen, nachdem zuvor ein junger Mann von der Polizei erschossen worden war.

Ausschreitungen in Zahedan, Iran

Die Schüsse fielen bei einer Fahrzeugkontrolle. Der junge Mann sollte anhalten, fuhr aber weiter. Nach den Schüssen erlag er auf dem Weg ins Krankenhaus seinen Verletzungen.

Die wütende Menschenmenge, etwa 70 Personen, versammelte sich vor dem Gouverneursgebäude in Zahedan und protestierte gegen die tödlichen Schüsse. Es wurden Autoreifen und Fahrzeuge von Sicherheitskräften angezündet. Es kam zu 30 Festnahmen.

Video der Ausschreitungen

Der Tathergang wurde im Wesentlichen von der Polizei bestätigt. Sie gab an, dass das Kennzeichen des Fahrzeugs zu unleserlich war und sie deshalb das Auto anhielten. Aus anderen Quellen war zu hören, dass der junge Mann nicht anhalten wollte, weil er keinen Führerschein besaß.

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