In der iranischen Hafenstadt Buschehr waren gestern abend zum Abschluss des Wahlkampfs massive Übergriffe der „Ordnungskräfte“ auf den Wahlstab des Kandidaten Hassan Rouhani gekommen. Der von Jugendlichen und Studenten gebildete Wahlstab in der Sangi-Straße in Buschehr war um 23 Uhr noch von zahlreichen Anhängern umlagert, als Sondereinheiten die auf der Straße Wartenden attackierten und verprügelten. Als die Angegriffenen im Wahlbüro Zuflucht suchten, drangen die Beamten auch ins Wahlbüro ein und schlugen ihre Opfer dort weiter. Die Leiter des Wahlkampfbüros appellierten an die Anwesenden, Ruhe zu bewahren und wählen zu gehen.
Die Menge zog darauf in die umliegenden Straßen und rief Parolen wie „Nieder mit dem Diktator“. Es ist deutlich, dass die Anhänger eines Reformkurses die Wahlkampfveranstaltungen nutzten, um ihre Forderungen zu erheben. Es ist ebenso deutlich, dass die vom Wächterrat ausgewählten Kuschelkandidaten nicht den Mund aufkriegen, die Übergriffe gegen die Anhänger zu verurteilen, oder gar mit Konsequenzen drohen.
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Am Samstag, den 1. Juni 2013, fand eine Wahlkampfveranstaltung von Hassan Rouhani in der Hosseinije von Dschamaran in Teheran statt. Das Wahlkampfkomitee von Jugendlichen, die Unterstützer von Hassan Rouhani sind, hatte dazu eingeladen. Da es in diesem Wahlkampf keinerlei Kandidaten gibt, die oppositionelle Ideen vertreten, haben Anhänger der Grünen Bewegung diese Veranstaltung genutzt, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Sie hoben Plakate von Mirhossein Mussawi hoch, dem bekanntesten Oppositionskandidaten der letzten Präsidentschaftswahlen (2009), der bis heute unter Hausarrest steht, und forderten die Freilassung der politischen Gefangenen. Die Anwesenden riefen diverse Parolen („Tod dem Diktator“) und sangen auch ein bekanntes iranisches Lied „Seyyare dabestani“, das alle Schüler kennen. Sie verließen am Schluss friedlich die Veranstaltung. Nicht friedlich waren dagegen die sogenannten Sicherheitskräfte, die an die 60 Besucher verhafteten und auch die Leiter des Jugendkomitees zur Unterstützung von Hassan Rouhani mit ins Ewin-Gefängnis nahmen.
Soweit zur Freiheit des Wahlkampfs von Kandidaten, die ganz auf der Linie des Regimes liegen und vom Wächterrat bestätigt wurden…
General Ahmadi Moqaddam, Chef der iranischen Sicherheitskräfte, erklärte am vergangenen Dienstag, den 28. Mai 2013, dass „zur Gewährung der Sicherheit der Wahlen“ (gemeint sind die Präsidentschaftswahlen) 300.000 Angehörige der Sicherheitsorgane eingesetzt werden, weitere 50.000 dienen der Verstärkung.
Bei diesen Wahlen dürfen die Kandidaten nicht einmal mehr selbst festlegen, wann und wo sie Wahlkundgebungen abhalten. Vielmehr verlangt das Innenministerium von ihnen, dass sie dafür einen Antrag stellen und eine Erlaubnis abwarten müssen.
Auch dieses zeigt deutlich, dass mit „Sicherheit der Wahlen“ nicht die Sicherheit der Bevölkerung gemeint ist, sondern die Sicherheit der Herrschenden vor Protesten.

Zentralgefängnis von Sahedan (Provinz Sistan und Balutschistan)
Die politischen Gefangenen des Zentralgefängnisses von Sahedan haben eine Erklärung veröffentlicht, in der sie die derzeit stattfindende Hinrichtungswelle in den iranischen Gefängnissen verurteilten und ein Einschreiten der UNO forderten.
In der Provinz Kerman (Zentraliran) im Gebiet Sar-Tscheschme ist eine große Firma mit dem Abbau und der Verhüttung von Kupfererzen beschäftigt. Die Firma Mojt‘ama‘e Mess-e Chatunabad ist in staatlicher Hand. Sie baut das Erz ab und verhüttet es in anderen Werken. Seit über zwei Jahren fordern die Arbeiter dieser Firma – es sind insgesamt 2400 – ihre Rechte ein (bezüglich der Lohnzahlungen u.a. Forderungen), werden aber von der Firmenleitung nur mit Versprechen hingehalten. Deshalb haben 300 Arbeiter in Vertretung der gesamten Belegschaft am vergangenen Freitag, den 26.04.2013, den Zugang zur Kupferschmelze besetzt, so dass kein Fahrzeug ein- oder ausfahren kann und die Produktion stillgelegt ist.
Vergangene Nacht erschien eine Sondereinheit der Polizei, um den Blockadestreik aufzulösen. Die Blockade vor den Fabriktoren konnte sie zwar aufbrechen, aber jetzt haben die Arbeiter in der Fabrik einen Sitzstreik eröffnet. Der Kampf geht weiter.
In der kurdischen Stadt Sanandadsch versammelten sich am vergangenen Donnerstag, den 25.04.2013, die Taxifahrer mit ihren Autos vor dem Stadtrat von Sanandadsch, um gegen die hohen Benzinpreise zu protestieren. Als die „Sicherheitskräfte“ die Demonstranten beleidigten, verschärfte sich die Lage. Als es der Polizei nicht gelang, die Demonstration aufzulösen, holte sie einen Kran, um die Taxis damit aus dem Weg zu räumen. Das brachte die Taxifahrer erst recht in Rage, und es kam zu einer Auseinandersetzung. Die Staatsorgane machten Filmaufnahmen von den Demonstranten, was die Gefahr birgt, dass sie später verhaftet werden.
Wir hatten schon davon berichtet, dass ein Gericht in der kurdischen Stadt Mariwan (Iran) drei Männer dazu verurteilt hatte, in kurdischen Frauenkleidern durch die Stadt geführt zu werden. Bei einem der Dreien wurde das Urteil auch rasch vollstreckt, hier ein Kurzfilm von dieser Art des „Strafvollzugs“. Es fällt auf, wie viele Polizeiautos im Konvoi mitfahren. Es fällt auch auf, dass der Mann, der den Verurteilten auf dem offenen Polizeiwagen festhält, eine schwarze Gesichtsmaske trägt. Vermutlich befürchtet er, dass er von Anhängern der bewaffneten Opposition erschossen wird, wenn seine Identität erkannt wird. Das sagt auch etwas über die Verhältnisse vor Ort aus.
Verschiedentlich wurden auch Gerüchte laut, dass die Verurteilung nicht wegen „Familienstreitigkeiten“ erfolgt sei, sondern aus politischen Gründen. Dies wird von Quellen vor Ort aktiver kurdischer Parteien (Komele und Demokratische Partei Kurdistans/Iran) nicht bestätigt. Es ist wohl eher so, dass das Regime dachte, dass die Verurteilten in ihrem Umkreis keinen so guten Ruf genießen und dass es auf diesem Weg Sympathien unter der Bevölkerung gewinnen könnte, immerhin ist Vorwahlkampf. Aber der Schuss ging nach hinten los, auf Facebook haben sich inzwischen schon über 15000 Männer mit den Opfern solidarisiert, indem sie kurdische Frauenkleidung anzogen und sich so ablichten ließen. Wären die Verurteilten politisch aktiv gewesen, hätte man wohl noch mit wesentlich massiveren Protesten auf den Straßen rechnen müssen.
Aus Chusestan kommt die Meldung, dass dort in den letzten fünf Wochen 188 Aktivisten arabischer Volkszugehörigkeit in den Städten Ahwas, Schadgan und Hamidije verhaftet wurden. Auch an anderen Orten sei es zu Festnahmen, teilweise sogar von Minderjährigen, gekommen, die aber gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt wurden. Die Festnahmen stehen wohl in Zusammenhang mit dem Jahrestag der arabischen Proteste im Iran vom Frühjahr 2005, die erst nach längerer Zeit unter Einbeziehung von bewaffneten Einheiten, die an anderen Orten im Iran stationiert waren, niedergeschlagen werden konnten. Die diesjährigen Repressalien sind sehr umfangreich, selbst Computer, deren Inhalt die Behörden als „verdächtig“ einstufen, werden beschlagnahmt.
Wie die kurdische Nachrichtenagentur Kurdia (Iran) berichtet, gehört die Vergewaltigung nach wie vor zu den Methoden der Islamischen Republik Iran, um politische Gegner, Männer wie Frauen, zu brechen.
Es kommt immer wieder vor, dass Menschen, die aus dem Gefängnis entlassen wurden, danach Selbstmord verüben.
So war Hanane Farhadi, Studentin der Politikwissenschaften, die aus Eslamabad-e Gharb in der kurdischen Region Kermanschah stammt, über zwei Monate lang vom iranischen Geheimdienst in Haft gehalten worden. Nach ihrer Freilassung brachte sie sich um. Nach dem Tod von Hanane Farhadi setzte der iranische Geheimdienst die Familie der Toten unter Druck, sie dürfe diese Nachricht nicht veröffentlichen. Es zeugt vom Mut der Familie, dass sie der Nachrichtenagentur Kurdia erlaubte, über den Vorfall trotzdem zu berichten.
Am Mittwoch, den 11. Esfand 1389 (2. März 2011) setzte sich die 23-jährige Schadiye Basami aus dem Dorf Bissaran im Bezirk Schawro in der Region Sanandadsch in Brand, nachdem sie von einem Angehörigen der Pasdaran (Revolutionswächter) namens J. Tschaweschi vergewaltigt worden war. Sie starb an den Verletzungen.
In der vergangenen Woche zündete sich Parwin Ghaffari, die ehemalige stellvertretende Rektorin der Freien Islamischen Hochschule von Teheran, aus Protest gegen die entehrende Behandlung in Haft an, nachdem sie unter Hinterlegung von 50 Millionen Tuman auf freien Fuß gesetzt worden war. Parwin Ghaffari, Schriftstellerin und Dichterin, hatte sich im Monat Farwardin (März/April) 2011 mit dem Richter des Familiensondergerichts gestritten und war wegen mangelnder Ehrbezeugung und Beleidigung von Chamene‘i verhaftet worden. Aufgrund der schweren Brandverletzung schwebt sie noch immer in Lebensgefahr.
Die Agentur Kurdia weist darauf hin, dass auch Männer in Haft von den Beamten vergewaltigt werden. So zitiert sie den Fall von Peyman Kawossi Scharif, der aus dem Kreis Kangawar (Region Kermanschah) stammt. Peyman Kawossi Scharif erklärte selbst: „Eine Woche nach den Präsidentschaftswahlen von 2009 wurde ich in Teheran verhaftet, anschließend wurde ich vergewaltigt. Die Beamten sagten: Wir haben das mit dir gemacht, damit du in Zukunft immer mit gesenktem Kopf unter die Menschen kommst und dich entschließt, dich selbst umzubringen.“
Im Flüchtlingslager im bayrischen Hof (an der Saale) hat sich der 28-jährige Asylsuchende Hamed Sami‘i am Freitag, den 8. März 2013, durch eine Überdosis an Tabletten das Leben genommen. Zwanzig Monate waren vergangen, ohne dass die Asylbehörden irgendeine Antwort auf seinen Asylantrag gegeben hätten, wie seine Freunde gegenüber der Deutschen Welle erklärten. Hamed Sami‘i war einer von 15 Iranern, die in Hof auf die Entscheidung der deutschen Behörden warten. Laut Angaben seiner Freunde haben sich die Sozialbehörden von Hof (Bayern) geweigert, die Kosten für die Überführung seiner Leiche in den Iran zu übernehmen.
In der Region Isfahan kam es am Freitag, den 22. Februar 2013, zu Protesten von Bauern, die unter der Trockenheit leiden. Sie haben deshalb eine Wasserleitung, die Wasser von Isfahan nach Yasd befördert, beschädigt. Darauf griffen die staatlichen Kräfte ein und verhafteten mehrere Bauern. Als Reaktion hierauf zogen über 5000 Bauern zum Haftort und forderten die Freilassung ihrer Kollegen. Als Beamte des Geheimdienstes die Bauern filmen wollten, wehrten sich die Bauern und hinderten sie daran. Es gelang ihnen schließlich, die Kollegen freizubekommen. Die Sicherheitsorgane von Isfahan beschlossen darauf, in den Fluss, der für die Bauern der umliegenden Region zur Bewässerung wichtig ist, mehr Wasser einzuleiten, um künftige Proteste zu vermeiden.
Die Gonabadi-Derwische haben in Schahrekord einen Versammlungsort. Die iranische Regierung versucht schon seit längerem im ganzen Land, die Versammlungsorte dieser Derwische zu schließen, weil diese nicht auf ihrer Seite stehen. Dazu ist jeder Vorwand willkommen. So behaupteten die Behörden in Schahrekord, der Versammlungsort liege in einem Wohngebiet und sei illegal. Die Derwische bestreiten dies und erklären, dass dieser Versammlungsort mit amtlicher Erlaubnis eingerichet wurde. Da aber an der Absicht der Regierung, den Ort zu schließen und das Gebäude abzureißen, kein Zweifel bestand, riefen die Derwische – Männer und Frauen – ihre Glaubensbrüder aus der Region herbei. Als dann die Polizei anrückte, um den Ort zu räumen und das Gebäude zu zerstören, waren laut Berichten 3000 bis 4000 Derwische anwesend, die der Polizei Widerstand leisteten, wie auch in beiligendem Film zu sehen ist. Die weiß gekleidete Frau ist ebenfalls Derwischin. Der Polizei gelang es zwar nicht, den Ort zu räumen und das Haus zu zerstören, später nahm sie aber dreißig Protestierende fest.
Die Erdölraffinerien im Iran sind militarisierte Betriebe die unter der Kontrolle der Pasdaran stehen. Der Erdölminister selbst ist ebenfalls ein Pasdar (Revolutionswächter). Kürzlich wurden in der Erdölraffinerie von Bandar-Abbas drei Angestellte verhaftet, die die Forderungen der Arbeitenden vertraten. Sie wurden in Haft körperlich und seelisch gefoltert. Ihnen wird vorgeworfen, den „religiösen Führer beleidigt“ und „gegen die Sicherheit des Landes verstoßen“ zu haben. Sie sollen demnächst vor Gericht gestellt werden. Jetzt haben ihre Kollegen davor gewarnt, dass sie streiken werden, wenn die drei nicht freigelassen werden.
Nasser Scha‘bani ist der stellvertretende Rektor der Imam-Hossein-Universität in Teheran. Diese Universität wird von den Pasdaran betrieben. Nasser Scha‘bani ist nicht nur Dozent an dieser Uni, sondern an erster Stelle einer der obersten Befehlshaber der Pasdaran.
Am 13. Januar 2013 (25. Dey 1391) hat er der iranischen Zeitung „Qanun“ (Das Gesetz) ein Interview gegeben, das zeigt, was für eine Stimmung derzeit im Iran herrscht. Es zeigt auch, dass die Machthaber ahnen, was auf sie zukommt, und sich vorbereiten.

Im Jahr 2009 war vor allem die Mittelschicht an den Protesten gegen den Wahlbetrug beteiligt – das nächste Mal ist es die Unterschicht. Es werden viel mehr und sie werden gegen das gesamte System sein.

Wird man in den nächsten Monaten im Iran wieder solche Szenen sehen wie am 20. Juni 2009?
Hier einige Zitate aus dem Interview des Pasdar-Dozenten:
Die Unruhen werden in der Provinz beginnen
„“Unsere Vorstellung ist die, dass die Unruhen diesmal in den Kreisstädten und nicht in Teheran beginnen.“ Der Pasdar-Kommandant Nasser Scha‘bani führt dies auf die miserablen Lebensbedingungen zurück: „Es ist möglich, dass Probleme des Unterhalts einen großen Einflus haben und dass die arbeitende und am meisten beeinträchtigte Schicht an den künftigen Problemen teilnimmt.“
Er fährt fort: „Aber wir haben Erfahrung, wie wir damit umgehen. (…)“ Die Erfahrung bezieht sich auf die Niederschlagung der Proteste nach der Wahlfälschung von 2009. Er rühmt sich dann damit, wie elegant sie (die Pasdaran) anlässlich der Proteste im Basar während des Preisanstiegs des Dollars die Probleme des Basars angegangen seien. Gemeint ist damit der Angriff der Pasdaran auf den Basar, durch den die Proteste rasch niedergeschlagen wurde.
Neue Protestwelle zu erwarten
Der Pasdar-Dozent zeigt, dass sich die Waffenträger intensiv mit der politischen Entwicklung im Land auseinandersetzen: „Unsere heutige Analyse besagt, dass die Probleme der Lebenshaltung, die auf verschiedene Faktoren wie der schlechten Verwaltung des Landes, des Embargos u.a. zurückzuführen sind, auf die Zunahme der Unzufriedenheit Einfluss haben. Es ist nicht abwegig anzunehmen, dass die wirtschaftliche Basis ebenfalls bereit ist, so dass die Politischen dies bei den Wahlen ausnutzen wollen.“
Auch dieser Pasdar-Kommandant verbindet das Schicksal des Regimes mit der Lage in Syrien und im Irak, wie man aus folgenden Worten heraushören kann.
„Wenn die Lage im Iran, in Syrien und im Irak noch zwei Monate anhält, wird der Westen uns zur Zusammenarbeit auffordern.“
Die Pasdaran ziehen die rote Linie für die kommenden Wahlen
Welche Rolle die Pasdaran bei den kommenden Präsidentschaftswahlen spielen, zeigen seine Worte recht unverhüllt:
„Derzeit machen wir die Kandidaten mit den Roten Linien vertraut,“ (gemeint: die sie nicht übertreten dürfen)
„Das ist die Erfahrung, die wir aus der vorigen Verschwörung gezogen haben.“ (Verschwörung: die amtliche Bezeichnung für die Proteste gegen die Wahlfälschung von 2009).
„Inzwischen hat auch der unterlegene Gegner die Erfahrung gemacht, dass er es mit dem System zu tun kriegt, und wir haben ebenfalls unsere Erfahrung.“
Interessant ist, dass bis jetzt noch niemand offiziell erklärt hat, als Kandidat zu den nächsten Präsidentschaftswahlen antreten zu wollen. Offensichtlich wissen die Pasdaran schon, wer überhaupt in Frage kommt…
Mitten im Kampf tauscht man nicht den Sattel
Indirekt kritisiert der Pasdar-Kommandant Ahmadineschad, als er auf die Absetzung der Gesundheitsministerin durch den Präsidenten zu sprechen kommt. Er meint dazu: „Mitten im Kampf tauscht man nicht den Sattel.“
Chusestan: Die Zeichen stehen auf Sturm
Nasser Scha‘bani gehört zu denen, die bei einem erfolgreichen Sturz des Regimes viel zu verlieren haben, und er hört die Zeichen der Zeit. Die Stimmung brodelt, und selbst im handverlesenen Parlament ist der Protest nicht mehr zu überhören. So hat der Abgeordnete von Ahwas (Chusestan) in einer Rede vor dem Parlament die iranische Regierung in einer kämpferischen Rede direkt angegriffen. Er fragt, wieso die Wasserleitung noch immer nicht fertig ist, die der Bevölkerung von Chusestan Trinkwasser aus dem Karun-Fluss bringen soll? Er fragt, ob der Präsident bereit wäre, auch nur einen Schluck von dem „Trinkwasser“ zu trinken, mit dem die Bevölkerung von Ahwas derzeit leben muss. Er fragt die Minister, ob sie bereit wären, auch nur einen Augenblick unter den Bedingungen zu leben, unter denen die Bevölkerung in den vielen verarmten Städten der Region überleben muss. Er bezeichnet die Arbeitslosenstatistik für die Region direkt als verlogen und fragt, warum bei der Vergabe von Arbeitsplätzen die Einheimischen benachteiligt werden. Er fragt, wieso die ganzen Arbeitsplätze nur nach Beziehungen vergeben werden. Er bezeichnet das Erdöl als ein schwarzes Unglück, das der Bevölkerung dieser ölreichen Region nur Schaden gebracht hat. Man muss kein Persisch verstehen, um zu hören, dass dieser Abgeordnete eine Stimme des Protests ist – eine Stimme des Volkes in Chusestan, wie er selbst sagt. Das sind übrigens mehrheitlich Araber, die sich zunehmend organisieren und die sich das Regime mit seinen politischen Hinrichtungen gegen die Proteste zum Feind gemacht hat.
Auch die turksprachigen Aseris haben das Regime satt
Auch die Art, wie das Regime die Nöte der Erdbebenopfer im aserbaidschanischen Iran ignoriert hat und statt dessen lieber diejenigen vor Gericht stellt, die ehrenamtlich in die Region gegangen sind, um den Opfern zu helfen, führt zu einer Entfremdung von der Zentralregierung. Ähnlich steht es auch um die Austrocknung des Urumije-Sees. Außer der Niederschlagung der Proteste hat die Regierung nichts getan.
Wie diverse Pasdaran-Generäle bemerken, hat sich in Tabris eine Stimmung breit gemacht, in der bevorzugt diejenigen bedient werden, die Aseri sprechen, und in Teheran, wo ebenfalls ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung Aseri spricht, wird der Gruß „Yashasin“ (Es lebe…) inzwischen mit „Yashasin Aserbaidschan“ beantwortet – es lebe der Aserbaidschan!
Krieg in Kurdistan
Die gleiche Politik der Gewalt ist auch gegenüber den Kurden zu beobachten. Das Regime hat keine Hemmungen, Menschen zu erschießen, die für ihren Unterhalt Gebrauchtwaren auf dem Rücken über die grüne Grenze zwischen Irak und Iran transportieren. Schmuggel ist schließlich ein Privileg der Pasdaran (die Schmuggel-Brüder, die Ahmadineschad sie einmal treffend öffentlich bezeichnet hat), und nichts für die notleidende Bevölkerung.
Krieg in Balutschistan
Gegenüber den Balutschen kennt das Regime auch nicht viel anderes als die Politik der Hinrichtung. Sie schickt Militär in die Region, das versucht, sich möglichst in den Kasernen zu verstecken, denn auf dem Land ist es für Vertreter des Regimes gefährlich.
Was bleibt da vom Iran noch übrig?
Der Dichter mit dem Pseudonym „Bidaad“ hat kürzlich auf einer Dichterlesung das treffende Bild von einem Regime geprägt, dessen Vertreter sich an ein aus Brettern zusammengezimmertes Boot klammern, das auf einem Strom aus Blut fließt. Sein eindrücklicher Vortrag ist unter diesem Link zu sehen und zu hören. Er beendete seinen Vortrag mit dem Aufruf ans Volk: „Erhebt euch!“

Dieser Student traut sich was
Im Iran ist wieder Vorwahlzeit, Mitte 2013 steht wieder eine Präsidentenwahl an. Und wie gehabt, lockert das Regime die Schrauben etwas, um den Eindruck zu erwecken, die Wähler hätten eine Freiheit der Wahl. An der Universität Teheran fand am Dienstag, den 18. Dezember 2012, eine Diskussionsrunde statt, die die Studenten-Bassidschi-Milizen organisiert hatten. Die Diskussion verlief aber anders als die Organisatoren sich das wohl gewünscht hatten.
Nachdem der Vorredner, ein Bassidschi, behauptet hatte, niemand sei wegen seiner Überzeugung im Gefängnis, ging der Folgeredner aufs Ganze.
Er erklärte, dass eine Organisation, die ihr Budget von den Militärs (hier sind auch die Pasdaran mit einbezogen) beziehe, nicht behaupten könne, sie sei eine Studentenvertretung. Die Studentenbewegung im Iran sei stets mit den anderen aktiven Gruppen verbündet gewesen, mit der Arbeiterbewegung, der Frauenbewegung, den Umweltschützern, mit allen denen, die die Gesellschaft ändern und verbessern wollten. Die Bassidschis dagegen seien nur dazu da, das bestehende Regime am Leben zu erhalten.
Er sagte weiter, dass es nicht stimme, dass niemand wegen seiner Überzeugung in Haft sei. Doktor Faribors Ra‘isdana, seines Zeichens Wirtschaftswissenschaftler, sei zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden, weil er die jetzige Wirtschaftspolitik kritisierte. Dr. Faribors Ra‘isdana sei deshalb jetzt im Ewin-Gefängnis. Und wenn jemand Madschid Tawakkoli, einen Studentenaktivisten, dafür kritisiere, dass er versucht habe, im Tschador zu fliehen, und dies als Schande bezeichne, so könne man dazu nur anmerken: Wer das Tragen des Tschadors, das Tragen von Frauenkleidern als Schande bezeichne, sei nur einer von denen, die das System des Machismo und die Vorherrschaft der Männer am Leben erhalten wolle. Der Redner bekam heftigen Beifall, natürlich ausgenommen jene, die wohl Bassidschis sind.
Es ist nicht auszuschließen, dass der Redner später verhaftet wird.

