Archiv der Kategorie 'Protest'

Sitzstreik einer iranischen Rechtsanwältin gegen Berufsverbot

Nasrin Sotudeh, Menschenrechtsanwältin im Iran, hat mit einem Sitzstreik vor einem Justizgebäude in Teheran begonnen


Nasrin Sotudeh mit einem Plakat auf dem steht: „Recht aus Berufsausübung – Recht auf eine andere Meinung“

Die bekannte Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotudeh protestiert mit dieser Aktion gegen das Berufsverbot, das ein islamisches Gericht vor kurzem gegen sie erlassen hat. Sie darf nicht mehr als Anwältin arbeiten.

Nasrin Sotudeh vertritt seit vielen Jahren politische Gefangene und musste selbst immer wieder Anfeindungen wegen dieser Tätigkeit hinnehmen. Zuletzt musste sie eine dreijährige Gefängnisstrafe absitzen.

Frau Sotudeh hat angekündigt, dass sie jeden Tag wiederkommen werde um vor dem Justizgebäude zu protestieren.

Inzwischen hat auch die im englischen Exil lebende Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi diesbezüglich einen Protestbrief an die iranische Judikative geschrieben. Shirin Ebadi wird übrigens am Dienstag, den 28.10.2014 von 19:30 – 21:30 Uhr im Konstanzer Konzil sprechen.

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Iranische Sozialpolitik

Wie die iranische Nachrichtenagentur ISNA berichtet, haben Bewohner des Armenviertels Seytun im Nordosten von Teheran vor der staatlichen Rundfunk- und Fernsehgesellschaft „Seda wa Sima“ gegen die Zerstörung ihrer Häuser protestiert. Die Menschen leben zum Teil schon seit 29 Jahren dort, manche haben eine Besitzurkunde, viele nicht. Jetzt hat die Stadtverwaltung von Teheran begonnen, die Häuser zu demolieren und ihre persönliche Habe zu zerstören. So werden die Menschen obdachlos.

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Bafq (Iran): Streik und Proteste gehen weiter


Die Proteste gegen die Inhaftierung streikender Arbeiter und ihrer Unterstützer in Bafq gehen weiter. Jetzt haben Streikende und Angehörige von einigen der Inhaftierten einen Sitzstreik vor der obersten Behörde der Stadt Bafq eröffnet, wie auf dem Foto zu sehen sind. Auch fünf Mitglieder des Stadtrats sind dabei. Es wird sich zeigen, wie die übergeordneten Behörden auf diesen recht geschlossenen Widerstand reagieren.

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Islamische Republik ist kein Leben

Am heutigen Dienstag, den 8.7.2014, ist ein 36-jähriger Mann auf einen Funkmast in Teheran gestiegen und hat gedroht sich umzubringen


„Lügen“, „Unterdrückung“ und „Armut“

Er hatte dabei einen gelben Umhang an, auf dem die Worte : „Lügen“, „Unterdrückung“ und „Armut“ geschrieben standen. Es versammelte sich schnell eine Menge Schaulustiger, die die Szene mit Smartphones aufnahmen.

Die herbeigerufene Feuerwehr schickte mit einem Kran einen Feuerwehrmann bis zu dem jungen Mann hinauf. Sie verhandelten dort in großer Höhe so lange, bis er freiwillig wieder herunterstieg. Unten angekommen wurde der Mann von Sicherheitskräften festgenommen.

Ein iranischer Rechtsmediziner hat am 11.4.2014 bekannt gegeben, dass in den vergangenen neun Monaten täglich elf Iraninnener oder Iraner im Iran Selbstmord begangen haben. Insgesamt belief sich die Zahl auf 3125 Menschen. Davon waren 982 Frauen und 2143 Männer. Als wichtigste Ursachen hatte er Armut, gesellschaftliche Unterdrückung, keine Hoffnung für die Zukunft und Depressionen genannt.

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Iran: Mehdi Chas‘ali auf der Intensivstation


Mehdi Chas‘ali im Krankenhaus

Der iranische Weblogger und Regimekritiker Mehdi Chas‘ali war vor einer Woche zum siebten Mal inhaftiert worden. Er wurde zusammen mit Berufskillern in den gleichen Trakt eingesperrt. Aus Protest gegen die Inhaftierung verweigerte er die Aufnahme von Flüssigkeit. Vom letzten Freitag auf den Samstag verschlechterte sich sein Zustand so sehr, dass er ins Imam-Chomeini-Krankenhaus von Teheran verlegt wurde. Dort wurde unter anderem festgestellt, dass er am Vortag einen Herzinfarkt erlitten hatte. Der Arzt ordnete an, ihn auf die Intensivstation zu verlegen. Sein Sohn, der ihn im Krankenhaus besuchte, berichtet, dass sein Vater in einer Woche 18 kg Gewicht verloren habe.

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Teheran: „Sittenstreife“ attackiert Sicherheitsdienst der Uni

Vergangene Woche kam es an der Kunsthochschule in Teheran zu einem Konflikt zwischen dem Sicherheitsdienst der Universität (Harassat-e Daneschgah), der letztlich dem Geheimdienstministerium untersteht, und einer Sittenstreife, die der Polizei, also dem Innenministerium untersteht.
Die Sittenstreife wollte eine Studentin, die nach ihrer Auffassung nicht ausreichend verschleiert war, auf dem Gelände der Universität verfolgen. Der Sicherheitsdienst der Universität versuchte, die Streife daran zu hindern, da sie auf dem Gelände der Universität nichts verloren hat. Darauf zückten die Beamten der „Sittenstreife“ den Pfeffergasspray und attackierten damit die Beamten des Sicherheitsdienstes.
Der Vorfall zeigt, dass die neue Regierung Rouhani den Rektor der Universität und auch den Sicherheitsdienst durch neue Leute ersetzen konnten, die nicht die Unterdrückungspolitik der Vorgänger fortsetzen wollen. Er zeigt aber auch, dass die Regierung Rouhani offensichtlich auf die Polizeiorgane keinen Zugriff hat – hier sind noch andere an der Macht, egal was die Wahlen ergaben.

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Iran: Mehdi Chas‘ali im Todestrakt

Mehdi Chas‘ali, Sohn eines Ajatollahs und ein bekannter Kritiker der iranischen Machthaber, der eine eigene Webseite betreibt, wurde jetzt auf einer Reise nach Masandaran zum siebten Mal verhaftet. Er wurde ins Gefängnis von Radscha‘i-Schahr (in Karadsch) gebracht und dort in den Todestrakt gesperrt, also in den Bereich, in dem die Gefangenen auf ihre Hinrichtung warten. Angeblich wurde er auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft von Isfahan verhaftet, die ihm vorwirft, die „öffentliche Ordnung“ zu stören und die „Verantwortlichen“ beleidigt zu haben.
Getroffene Hunde bellen!

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Iran: 5 Jahre nach dem Mord


Neda Agha-Soltan

Neda Agha-Soltan gehört zu den ersten und bekanntesten Opfern der Repression, die nach dem Wahlbetrug und den Massenprotesten im Juni 2009 einsetzte. Damals hatte der Religiöse Führer Ajatollah Chamene‘i seinen Kandidaten Ahmadineschad zum Sieger erklären lassen, obwohl Mirhossein Mussawi die Mehrheit der Stimmen erhalten hatte. Die Wähler wussten es besser und gingen auf die Straße. Über ein Jahr dauerte es, bis die Staatsgewalt den Protest zum Verstummen gebracht hatte. Die Täter von damals sind auch heute noch an der Macht und nie vor Gericht gestellt worden. So verwundert es nicht, dass sie auch jetzt, fünf Jahre nach dem Mord an der friedlichen Demonstrantin Neda Agha-Soltan, jegliche Gedenkfeier an das Opfer verhindern wollen und können. Die Trauergemeinde, die sich am Freitag, den 21. Juni 2014, auf dem Friedhof Beheschte Sahra bei Teheran versammelt hatte, konnte die Feier nicht abhalten, zwei Teilnehmer wurden von den sogenannten Sicherheitskräften festgenommen.
Auch dieses Detail zeigt, dass die „Sicherheitsorgane“ dem Befehl des Führers gehorchen, nicht irgend einem Innenminister.

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Iran: Freiheit auf leisen Sohlen

Massih Alineschad, Reformist, ehemaliger Parlamentsabgeordneter, Journalist, schreibt jetzt im Exil.
Schon früher veröffentlichten Iranerinnen Fotos von sich selbst in privater Umgebung, auf denen sie kein Kopftuch trugen, auf Facebook.
Mitunter tauchen auch Filme von unverschleierten oder singenden Frauen auf youtube oder Facebook auf, es gab sogar Filme, in denen Frauen in einer leeren Moschee singen – ein Tabubruch.
Später hat Massih Alineschad eine Facebook-Seite unter dem Titel „Azadi-haye yavashaki-ye zanane irani“ (Die heimlichen Freiheiten der Iranerinnen) eröffnet und Iranerinnen aufgefordert, in der Öffentlichkeit Fotos oder Filme aufzunehmen, auf denen sie ohne Kopftuch zu sehen sind, und diese Fotos an diese Facebook-Seite zu schicken.
https://www.facebook.com/media/set/?set=a.859102224103873.1073741828.858832800797482&type=1

Diese Aktion fand unter Iranerinnen gewaltigen Anklang.
Es ist interessant zu sehen, mit welchen Bemerkungen Iranerinnen auf dieser Seite ihre Fotos veröffentlichten:


„Ich bin Mutter, ich bin Großmutter, und ich bin eine Frau. Aber an erster Stelle bin ich Mensch. Die Wahl, welches Kleidungsstück ich trage, ist eines der einfachsten natürlichen Rechte jedes Menschen.“


„Heute habe ich beschlossen, zum ersten Mal ohne Kopfverhüllung in einem Geschäft einzukaufen. Der geeignetste Ort, der mir dazu einfiel, war ein Blumenladen. Kaum sah mich der Verkäufer, sagte er: „Werte Frau, was tun Sie da? Als erstes werden die mir den Laden schließen.“ Darauf wickelte ich das Kopftuch um die Blumen und ging aus dem Laden. Ohne Kopftuch. Der Verkäufer rief mir noch nach: „Mit dem Kopftuch da werden ihnen die Blumen rasch verwelken!“


Meine beste Freundin und ich im Blumengarten von Isfahan


Freiheit auf leisen Sohlen in Buscher (Südiran)


Freiheit in Sari (Nordiran)


„Ich bin eine Mutter. Mein Verständnis von Freiheit ist, wenn ich eine freie Meinung haben und äußern kann“


„Ich mag es, wenn der Wind durch meine Haare streicht“


„Meine Freiheit im Vogelgarten in Teheran“


„Auf der Überführung in Nordostteheran. Ich möchte kein Kopftuch tragen, weil ich von meiner Mutter ohne Kopftuch geboren wurde.“

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Iran: Die Hunde haben das Verbrechen gewittert

1988 geht als das Jahr des großen Gefangenenmassakers in die iranische Geschichte ein. Damals wurde auf Geheiß von Ajatollah Chomeini eine Todeskommission gebildet, die zu entscheiden hatte, wer hingerichtet werden sollte. Es genügte, mit Nein auf die Frage zu antworten, ob man die Islamische Republik akzeptiere, um hingerichtet zu werden. Die Mitglieder der Todeskommission sind noch heute einflussreiche Personen im Iran. So wundert es nicht, dass das Gefangenenmassaker bis heute nicht aufgeklärt wurde.
Aber das heißt nicht, dass die Öffentlichkeit nichts erfahren hat. Nach dem großen Massaker in den Gefängnissen versuchte das Regime das zu tun, was alle Mörder tun: Spuren des Verbrechens zu beseitigen, und das heißt: die Leichen zu beseitigen. In einem abgelegenen Ort östlich von Teheran, wo ein wüstenhaftes Klima herrscht, ließ die Regierung mit Baggern eine tiefe Grube ausheben, in die die Leichen geworfen wurden. Den Angehörigen der Opfer, es waren Tausende, wurde nichts mitgeteilt.
Aber die Bauern in der Umgebung stellten fest, dass die Hunde sich an einem Ort in der Wüste versammelten und dort die Erde aufwühlten. Iranische Hunde sind keine gut gefütterten Tiere wie in Deutschland, wenn sie Fleisch wittern, lassen sie sich das nicht entgehen. Und so kamen die Leichen zum Vorschein. Keiner weiß genau, wer wo begraben ist, aber die Nachricht sprach sich rum, und so begannen die Mütter und Geschwister der Ermordeten, dort Blumen niederzulegen und Trauerfeier abzuhalten. Das Regime verbot es, dann duldete sie dies, aber es bemühte sich, die Sache unter Verschluss zu halten. Aber die Mütter schwiegen nicht und organisierten sich als die „Mütter von Chawaran“, so heißt die Gegend, wo die Leichen verscharrt wurden. Die Mütter von Chawaran schrieben an viele internationale Organisationen, um auf das Verbrechen aufmerksam zu machen und es nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
In Westeuropa hält sich die Begeisterung der Regierenden in Grenzen, die Mütter zu unterstützen, aber es gibt Länder, die vor nicht so langer Zeit eine Diktatur erlebt haben, wie Südkorea. Und dort gibt es die „May 18 Memorial Foundation“ (Stiftung zum Gedächtnis an den 18. Mai), die an das Massaker vom 18. Mai 1980 unter Diktator Chun Doo-hwan erinnert, der damals friedlich protestierende Bürger der Stadt Gwangju niedermetzeln ließ. Die Stiftung verleiht jährlich den „Gwangju Prize for Human Rights“ (Gwangdschu-Preis für Menschenrechte), z.B. 50.000 US-Dollar im Jahr 2011. Dieses Jahr hat die Stiftung den Preis an die Mütter von Chawaran sowie an einen Mann aus Bangladesch verliehen.
Ein ermutigendes Zeichen.

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Iran: Freiraum zwischen den Fronten?

Das Lager der Herrschenden im Iran ist nach wie vor gespalten. Auf einer Seite Ajatollah Chamene‘i und seine Anhänger, namentlich die bewaffneten Organe der Pasdaran, auf der andern die sogenannten Reformisten wie Hassan Rouhani, Ex-Präsident Chatami und Ajatollah Rafsandschani. Chamene‘i und Co. vertrauen auf die Macht der Waffen und der Gefängnisse, aber mit ihrer Wirtschaftspolitik, die sie unter dem vorigen Präsidenten Ahmadineschad vorangetrieben haben, haben sie die Lebensgrundlage für die Mehrheit der Iraner zerstört. Die Gefahr, dass diese Mehrheit eines Tages zurückschlägt und das ganze Regime wegfegt, nimmt zu. Das sehen die sogenannten Reformisten, die wie Chamene‘i anhänger der islamistischen Verfassung sind, aber die befürchten, dass sie eines Tages allesamt entmachtet werden, wenn es so weiter geht. Wenn dieses Lager überleben will, muss es das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen. Und das tun sie, sie wissen gut genug, wie.

Wer den Holocaust leugnet, schadet dem Image des Iran
So erklärte der iranische Außenminiser Mohammad Sarif, den die Fundamentalisten im Parlament zur Sprache stellen wollten, weil er mit dem Westen über die atomare Abrüstung verhandelte, nicht nur, dass alles, was er tue, mit dem Religiösen Führer abgesprochen sei. Nein, er legte noch eins drauf. So betonte er, solange er Außenminister sei, werde er nicht zu lassen, dass man den Zionisten Trümpfe in die Hände spiele, indem man den Holocaust leugne und gar eine Konferenz einberufe, auf der die Leugner des Holocausts sprechen. So etwas schade dem Image des Irans. Das war eine volle Breitseite gegen die Rhetorik in den acht Amtsjahren des vorigen Präsidenten Ahmadineschad.

Wissenschaft ist nicht islamisch, jüdisch oder christlich – sie ist global
Der heutige Präsident Hassan Rouhani fand einen anderen Weg, sich vom Religiösen Führer zu distanzieren. Während dieser von „islamischer Wissenschaft“ sprach, erklärte Rouhani: Wissenschaft kennt kein islamisch, jüdisch oder christlich. Wissenschaft ist global und sie hat weltweit anerkannte Prinzipien.
Die Ohrfeige saß.

Wir haben kein Recht, die Wohnungen und Autos der Menschen abzuhören
Der nächste im Reigen war Ajatollah Rafsandschani. Er erklärte, es verstoße gegen die islamischen Sitten, wenn sich das Geheimdienstministerium und die diversen Organe in die privaten Angelegenheiten der Menschen einmische: „Wir haben kein Recht, uns ins Privatleben der Bevölkerung einzumischen. Wir haben kein Recht, die Geheimnisse der Menschen auszukundschaften, und erst recht nicht, sie auch noch öffentlich zu machen. Wir haben kein Recht, im Namen der Sicherheit solche Fehler zu begehen. Wir haben kein Recht, die Wohnungen und Autos der Menschen abzuhören. Das alles verstößt gegen die Sitten und Moral. Und es ist eine Sünde, in Abwesenheit des Betroffenen schlecht über ihn zu reden und ihn in Verruf zu bringen.“

Löwe und Sonne in der alten iranischen Fahne – eine neue Deutung
Ali Yunessi, heute Berater des iranischen Präsidenten, war unter Chatami Geheimdienstminister, erklärte: „Die dreifarbige Fahne des Irans hat eine sehr alte Vergangenheit. Sie ist ein nationales Symbol. Manche glauben, dass der Löwe und die Sonne in der Mitte der iranischen Fahne (gemeint: zur Schahzeit!) ein Symbol des Schahs sind. Aber dem ist nicht so! Der Löwe ist ein Symbol für Ali (den ersten Imam der Schiiten) und die Sonne ist ein Symbol für den Propheten Muhammad. Natürlich habe ich auch Respekt für den „Roten Halbmond“.“ Mit letzterem Ausdruck bezog sich Ali Yunessi auf das heutige Symbol in der iranischen Fahne, das dem des Roten Halbmonds entspricht, ein Analog zum Roten Kreuz. Das war starker Tobak für die Fundamentalisten, aber das Interessante ist, dass bislang keiner der genannten Personen verhaftet, überfallen oder unter Hausarrest gestellt wurde. Mit anderen Worten, die Fundamentalisten können sich derzeit solche Methoden nicht leisten, und das wissen die Anhänger jener Geistlichkeit, die den Erhalt des islamistischen Regimes über den kurzfristigen Erhalt der Privilegien stellen.

Freiraum für die Zivilgesellschaft?
Wenn diese Beispiele ein Indiz dafür sind, dass derzeit ein Freiraum existiert, sollte auch die Zivilgesellschaft davon profitieren können. Nicht mit Revolutionen und großen Demonstrationen, sondern mit der gezielten Bildung von Interessengruppen, die im kleinen, aber überall im ganzen Land ihre Interessen einfordern und jeweils die Grenzen des Möglichen ausloten, ohne ins Gefängnis zu kommen. Das können Frauengruppen sein, das können Bauern sein, das können Angehörige der ethnischen und religiösen Minderheiten sein oder einfach Sportgruppen oder einheimische Touristen. Dass es keine absolute Sicherheit dabei gibt, zeigt das jüngste Beispiel der Verhaftung einer gemischten Reisegruppe männlicher und weiblicher Jugendlicher aus dem Norden Teherans, die mit dem Bus in den Zentraliran fahren wollten. Sie sind gescheitert, aber wichtig ist, dass solche Versuche immer wieder unternommen werden. Wer jetzt den längeren Atem hat, muss nicht bei der Stunde Null anfangen, wenn das Regime zusammenbricht. Denn eins ist klar. Eine ruinierte Wirtschaft wird nicht durch einen Regimewechsel wie durch ein Wunder wieder aufleben. Dafür braucht es vor allem: Privatinitiative. Und genau das können die Bürger jetzt vor Ort lernen, wenn sie sich im Kleinen organisieren und versuchen, ihre Interessen beim Staat einzufordern. Dabei lernen sie: Organisation und Verhandlung, die Basis jeder Demokratie.

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Iran: Noch kochen die Proteste auf kleiner Flamme

Am Sonntag, den 11. Mai 2014, versammelten sich die Arbeit einer Seifenfabrik in Chorramschahr (bei Abadan, Südwestiran), um ihre nicht ausgezahlten Löhne einzufordern. Zwei ihrer Kollegen sind in der letzten Zeit gestorben, weil sie das Geld für eine ärztliche Behandlung nicht hatten.
In Sanandadsch (Iranisch-Kurdistan) kam es am 6. Mai zu einem Protest der Arbeiter der Firma Sahand-Asar, die seit fünf Monaten ihren Lohn nicht erhalten haben. Die Arbeiter protestierten auch gegen die Entlassung von 30 ihrer Kollegen.
Ebenfalls in Sandandadsch kam es zu Protesten von temporären Arbeitern der Baufirma Katusch, die seit drei Monaten ihre Löhne nicht erhalten haben.
In Dschiroft (südlich von Schiras) versammelten sich Bauern vor der Polizeibehörde, um gegen die niedrigen Preise für landwirtschaftliche Produkte zu protestieren. Dabei schütteten sie ihre Ernte auf die Straße. Die Preise werden im Iran von den Lokalbehörden reglementiert.
Am 10. Mai versammelten sich die pensionierten Arbeiter der Eisengießerei von Isfahan vor der Pensionskasse dieser Firma, um ihre ausstehenden Pensionen einzufordern.
In Behbahan (südlich von Kerman) protestierten die LKW-Besitzer gegen die Erhöhung der Benzinpreise und streikten.
Bis jetzt sind dies nur kleine Einzelmeldungen, aber für die iranische Regierung sind sie ein Signal, dass die Bevölkerung auf eine Lösung der Wirtschaftskrise wartet. Noch üben sich die Menschen in Geduld.

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Iran: Studenten gegen Zensur und Überwachung

2400 Studentinnen und Studenten der Allame-Tabatabai-Hochschule haben einen Brief an den Rektor der Hochschule mit Kopie an den Kultusminister des Irans gesand.
In ihrem Brief protestieren sie gegen die Vorzensur von Studentenzeitungen, was gegen einen Beschluss des Hohen Rats der Kulturrevolution verstoße. Dieser Hohe Rot wurde nach der Revolution von 1979 gebildet und ist für die Lehrpläne zuständig.
Die Studenten fordern außerdem mehr Lehrkräfte an der Hochschule, eine Beendigung der Diskriminierung von studierenden Frauen, und sie fordern die Abschaffung der Überwachungskameras, die im Hochschulbereich installiert wurden.

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Iran: Staatlicher Überfall im Gefängnis kommt vors Parlament

Wie berichtet, wurden am Donnerstag, den 17. April 2014, die politischen Gefangenen des Traktes 350 im Ewin-Gefängnis Opfer einer Razzia, bei der über 100 Beamte eingesetzt waren – Gefängnisbeamte, Geheimdienstbeamte und Revolutionswächter (Pasdaran). Über 30 Gefangene sollen dabei verletzt worden sein, davon 8 schwer, über 30 Gefangene wurden mit verbundenen Augen verlegt.
Am Sonntag, den 20. April 2014 versammelten sich darauf die Angehörigen der Gefangenen vor dem iranischen Parlament in Teheran, um gegen die Gewalttaten zu protestieren. Der Justizminister, Mostafa Purmohammadi, unter Ahmadineschad Innenminister, spielte wie üblich das Geschehen herunter und sprach von nur zwei leichten Verletzungen. Der Parlamentsabgeordnete Ali Mottahari versprach den Angehörigen, sich um die Sache zu kümmern. Eine Gruppe von Abgeordneten hat den Vorsitzenden der Parlamentskommission für Nationale Sicherheit und Außenpolitik aufgefordert, den Gefängnisdirektor von Ewin sowie den Direktor für das Gefängniswesen ins Parlament vorzuladen, damit sie Rede und Antwort zu den Ereignissen stehen.

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Studentische Anhänger der Grünen Bewegung demonstrieren gegen Said Dschalili

Am gestrigen Montag, 14.4.2014, hatten Bassidschi und radikale Gruppen unter den Studenten der Amir Kabir-Universität in Teheran ein Fest für die Atomenergie organisiert. Die Veranstaltung wurde mit Parolen und Gesängen von studentischen Anhängern der Grünen Bewegung gestört und konnte erst mit 45 Minuten Verspätung beginnen.

Als Hauptredner trat Said Dschalili auf, ehemaliger iranischer Chefunterhändler bei den 5+1 Atomenergiegesprächen unter Prädident Ahmadinejad. Dschalili war außerdem bei den letzten Präsidentschaftswahlen angetreten, allerdings – trotz Unterstützung durch den Religiösen Führer Chamene’i – mit nur 5 Mio. Wählern dem jetzigen Präsidenten Rouhani unterlegen, der 18 Mio. Stimmen auf sich vereinigen konnte.

Zu Beginn der Veranstaltung hatten sich die Anhänger von Dschalili ganz vorne an der Bühne versammelt. Sie riefen unterstützende Parolen für Dschalili und machten sich für den Ausbau und die Weiterentwicklung der Atomenergie stark.

Im hinteren Bereich des Vortragssales versammelten sich die Anhänger der Grünen Bewegung und versuchten durch Skandieren von Parolen und das Absingen von Liedern die Veranstaltung zu stören. Sie riefen unter anderem „Ya Hussein, Mir Hussein“ (Mir Hussein Mussawi ist der im Jahr 2009 um seinen Wahlsieg betrogene Kandidat der Grünen Bewegung, der zur Zeit unter Hausarrest steht), „Mussawi, Karrubi azad bayad gardante“, (Mussawi und Karrubi sollen frei gelassen werden), „Marg bar Dictator“ (Tod dem Diktator). Auch wurde das populäre Lied „Yare Dabestani“ (Mein Freund in der Grundschule) gesungen. Die von ihnen ebenfalls gerufenen Parolen „Salam bar Chatami, dorud bar Rouhani“ und „Rouhani, Rouhani, hemayatat mikonim“ drückten die Unterstützung der StudentInnen für die Politik des Präsidenten Rouhani aus.

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