Archiv der Kategorie 'Protest'

Isfahan: Polizei gegen Arbeiter der Polyacryl-Fabrik


Am Sonntag (im Iran Arbeitstag!), den 8. Januar 2017, versammelten sich die Arbeiter der Polyacryl-Fabrik von Isfahan vor der Regionalverwaltung, damit sich diese mit ihren Forderungen befasst. Es geht unter anderem darum, dass sie seit 6 Monaten ihren Lohn nicht erhalten haben. Als sie dort ignoriert wurden, zogen sie auf den zentralen Revolutionsplatz in Isfahan und wollten von dort weiter zum Geschäftsgebäude der Firma. In diesem Moment wurde die Polizei gegen sie eingesetzt, die den Protestmarsch mit Gewalt auseinandertrieb.

http://www.irankargar.com/index.php/news/iran-laborers-news/item/4633-iran-polyacrylamide-workers-protest-marches-and-clashes-with-security-forces-in-isfahan
vom 19. Dey 1395 (8. Januar 2017)
iran – rahpeyma’iye e°teraziye kargarane poli akril dar esfahan wa dargiri ba niruhaye intezami

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Pädagogische Hochschule Teheran: Protest gegen Studiengebühren


Vergangenen Dienstag fand an der Pädagogischen Hochschule in Teheran eine Kundgebung von Studierenden gegen die laufende Erhöhung der Gebühren statt, die in Zusammenhang mit dem Studium erhoben werden. Im Fall einer nicht erfolgreichen Prüfung sind die Kosten für eine zweite Prüfung inzwischen so hoch geworden, dass ein Teil der Studierenden das Studium abbrechen muss.

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=122526
vom 14. Dey 1395 (3. Januar 2017)
tajammo°e daneshjuyane tarbiyate modarres dar e°teraz be puli shodane doruse jobrani

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Iran: Vom Sinn der Strafe

Wer sich mit dem Sinn von staatlichen Strafen beschäftigt, wird schnell feststellen, dass die Todesstrafe nichts dazu beiträgt, dass die Menschen in einem Lande sicherer Leben, und dass Gericht und Gefängnis auch nicht unbedingt das Mittel der Wahl sind, unerwünschte Verhaltensweisen zu verhindern. Es gab Zeiten und Länder, in denen Alkohol verboten war, und trotzdem getrunken wurde, und gleiches gilt auch für andere Drogen der Neuzeit.
Im Iran sind Razzien gegen Jugendliche, die Alkohol trinken, oder Paare, die ohne Trauung zusammenleben, so häufig, dass sie meist nicht in den iranischen Medien veröffentlicht werden. Wieweit diese Razzien somit zur Abschreckung beitragen können, ist zweifelhaft. Wie kann mich etwas abschrecken, wovon ich nichts erfahren habe?

Die Wirkung von Strafe
Man kann natürlich auch schauen, wie die Strafen auf die Betroffenen wirken. In peykeiran ist jetzt ein Erlebnisbericht einer jungen Frau veröffentlicht, die von den Bassidschis mit Alkohol erwischt wurde, darauf verprügelt und gedemütigt wurde, indem man sie zwang, die Klos in der Bassidschi-Station zu putzen, die dann auf die Polizeiwache ging, um sich über die Misshandlung zu beschweren, was die Polizei gar nicht interessierte, die erkundigte sich nur nach der Herkunft des Alkohols, dann hatte sie eine 5-Minuten-Gerichtsverhandlung, auf der der Richter sie nur mit den Worten abwürgte – Halt’s Maul – (xafe shou), und dann erhielt sie eine saftige Geldstrafe und ein Urteil über 20 Peitschenhiebe.

Verletzung der Normen als Protest
Bei so viel Ungerechtigkeit sollte keiner erwarten, dass Jugendliche sich „bekehren“. Strafe erzeugt das Gefühl von Ohnmacht, Wut und Hass auf das System. In diesem Sinne erzieht die Islamische Republik die nächste Generation. Und es kann leicht passieren, dass diese Menschen die verbotene Handlung nun erst recht wiederholen, als Protest.

Quelle
http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=120155
vom 30. Aban 1395 (20. November 2016)
revayate hokme shalaq dar iran: sade-louh hastand agar fekr konand darse °ebrat shod, mashrub hala neshane
e°teraze man ast

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Chorramabad (Iran): Tödlicher Müll


Protestkundgebung in Chorramabad

Am Montag, den 7. November 2016, verwandelten sich die Straßen in Chorramabad (Region Lurestan) aufgrund starker Regenfälle in Sturzbäche. Hinzu kam, dass der Müll einer Großbaustelle am Bulvar Shoura in Chorramabad das Wasser aufstaute, so dass eine Studentin, die mit dem Auto fliehen wollte, dabei ertrank. Die Reaktion des Bürgermeisters: Sie ist selber schuld, sie hätte halt nicht diese Straße benutzen sollen.
Angesichts dieses Zynismus gingen am Folgetag Studenten und Einwohner von Chorramabad auf die Straße, um gegen diesen Todesfall zu protestieren, der durch die Nachlässigkeit und Ignoranz der Stadtverwaltung verursacht wurde.

Quelle
http://www.akhbar-rooz.com/article.jsp?essayId=76521
vom 18. Aban 1395 (8. November 2016)

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Iran: Geballte Opposition gegen Unrechtsjustiz


Narges Mohammadi

In der vergangenen Woche haben sich eine größere Zahl bekannter iranischer Oppositioneller in der Wohnung von Keywan Samimi versammelt, der selbst lange Jahre als politischer Gefangener in Haft war. Unter den Teilnehmern befand sich unter anderem auch Lotfollah Meythami, einer der Begründer der Revolutionswächter, der später in die Reihen der Kritiker des Regimes übergewechselt ist, alle Privilegien verloren hat und jetzt die Zeitschrift Tscheschm-Andas (Perspektive) herausgibt, in der auch Narges Mohammadi immer wieder veröffentlicht hat.


Die Teilnehmer besprachen, wie sie – auch auf juristischen Wegen – gegen das Willkürurteil von 16 Jahren Gefängnis für Narges Mohammadi vorgehen kommen. Es sind viele Menschen mit politischer und Gefängniserfahrung dabei, die wissen, wie man in diesem Land kämpft. Angesichts der eingeleiteten Demontage des Oberhaupts der Justiz – Ajatollah Sadeq Laridschani, der mit einem Kontoguthaben von umgerechnet 250 Millionen Euro zu den großen Dieben des Landes gerechnet werden darf, kann es durchaus sein, dass sie Erfolg haben, das Urteil gegen Narges Mohammadi zu kippen.


das Gesicht der wahren Opposition im Iran

http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/65809/
vom 7. November 2016
e°teraz be hokme sangin baraye narges mohammadi

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Iran: Massenkundgebung für Kyros II.


Kundgebung am Grab von Kyros II.

Eigentlich ist Kyros II, der unter anderem Babylonien eroberte und in der Bibel als eine Art Befreier der Juden aus der babylonischen Gefangenenschaft dargestellt wird, kein Grund, heute für ihn auf die Straße zu gehen. Der Mann ist seit 2500 Jahren tot. Trotzdem haben sich am 7. Aban (28. Oktober) etwa 15.000 bis 20.000 Iranerinnen und Iraner an seiner Gedenkstätte in Pasargad versammelt, vielleicht die gleiche Zahl blieb unterwegs im Verkehr oder in den polizeilichen Kontrollen stecken.


ein anderes Photo von derselben Kundgebung

Auf der Kundgebung wurden sowohl nationalistische Parolen wie „Kurush pedare mast, Iran watane mast“ (Kurusch ist unser Vater, der Iran ist unsere Heimat) wie auch religionskritische: „Azadiye andishe, ba rish-o-pashm nemishe“ (Gedankenfreiheit gibts nicht mit Bart und Wolle – Anspielung auf die wuchernde Bärtigkeit der fundamentalistischen Geistlichen) ausgerufen, der Dichter Halu trug ein Gedicht vor, in dem er die Menge aufforderte, sich nicht von der Erinnerung an die Geschichte lähmen zu lassen, sondern daraus Mut zum Handeln zu schöpfen. Prompt wurde er verhaftet und von den bewaffneten Staatsorganen krankenhausreif geprügelt, wie sein Sohn später bekannt gab.

Der Dichter Halu, von der Polizei verhaftet und verprügelt

http://news.gooya.com/politics/archives/2016/10/219408.php
vom 8. Aban 1395 (29. Oktober 2016)
tajamo°e hazaran nafar dar atrafe aramgahe kurush
http://news.gooya.com/politics/archives/2016/10/219414.php
vom 8. Aban 1395 (29. Oktober 2016)
niruhaye amniyati mohammadreza °ali-payam (halu)-ra bazdasht karde wa ura kotak zadand

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Iran: Verkehrsunfälle werden zum Politikum

Nicht nur, dass die iranischen Mollas und ihre Verbündeten, die Revolutionswächter (Pasdaran), die iranische Erdölindustrie verlottern ließen, so dass sie jetzt Investitionen in Höhe von 200 Milliarden US-Dollar benötigt, um wieder auf die Beine zu kommen, das erdölreiche Land ist nicht einmal in der Lage, das Benzin für den eigenen Verbrauch herzustellen. Und schlimmer noch: Die Autos, die im Lande fahren, sind auf ein so miserabel in Stand gehaltenes Verkehrsnetz angewiesen, dass Verkehrstote häufig sind. Wir hatten schon über Proteste der Bevölkerung von Mariwan über den tödlichen Tanklastwagenverkehr aus dem Irak berichtet, vor kurzem fand in einer anderen kurdischen Stadt des Irans ein Protest statt. Mit einer Menschenkette vom Ortsausgang in Piranschahr bis zum Beginn des Industriegebiets von Piranschahr protestierten die Einwohner gegen die schlechten Straßenverhältnisse, die laufend zu Unfällen führt. Das Motto der Kundgebung: Man qorbaniye ayande hastam – Ich bin das nächste Opfer.

http://www.radiofarda.com/a/b1-khoshnam-on-demo-in-sardasht/28074707.html
vom 6. Aban 1395 (27. Oktober 2016)

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Iran: Gedenken an die Massenproteste des Jahres 2009

Der Rechtsanwalt Mohammad Ali Najafi aus Shazan (Zentraliran) wurde festgenommen, weil er am Dienstag, den 11.10.2016 mit einer politischen Aussage auf die Straße gegangen ist. Auf sein grünes Hemd hatte er in roten Lettern geschrieben: „Ashura 88“


Mohammad Ali Najafi

Dies verweist auf den Gedenktag zu Ehren von Imam Hussein (Ashuratag) der jedes Jahr von Schiiten im Iran offiziell gefeiert wird. Am Ashuratag des Jahres 1388 (iranischer Kalender), ein paar Monate nach dem Betrug bei den iranischen Präsidentschaftswahlen kamen Millionen Menschen zum Protest auf die Straße. Man nannte das die „Grüne Bewegung“.

Angesichts der starken Repression des Staates, der versuchte, den Protesten Herr zu werden, wurden gerade diese offiziellen Gedenktage zu Tagen des Widerstands. Am Ashuratag musste nicht gearbeitet werden, niemand konnte einem verbieten, auf die Straßen zu kommen und die Sicherheitskräfte konnten nicht unterscheiden, wer aus religiösen Gründen und wer aus politischen Gründen auf die Straße kam.

Mohammad Ali Najafi war im Jahr 2009 auch bei den Protesten dabei und war damals festgenommen worden. Diese Woche wollte er mit seiner Aktion an den Protesttag erinnern. Dafür wurde er am Dienstag wieder festgenommen. Er hätte gegen Kaution entlassen werden können, allerdings wurde sie mit 200 Mio. Tuman (ca. 50.000 Euro) so hoch angesetzt, dass er oder seine Familie das Geld nicht aufbringen können. Er muss also in Haft bleiben.

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Ajatollah Montaseri: Gegen den Schnüffelstaat


Ajatollah Montaseri spricht

Am Mittwoch, den 28.09.2016, ist im Internet ein weiteres Video einer Rede von Ajatollah Montaseri aufgetaucht, der einst der Nachfolger von Ajatollah Chomeini als religiöser Führer werden sollte und wegen seiner Kritik am Gefängnismassaker von 1988 entmachtet und unter Hausarrest gestellt wurde, bis er 2009 verstarb. In diesem Video kritisiert Ajatollah Montaseri die Einmischung sogenannter Revolutionäre ins Privatleben der Menschen. Es sei falsch, in die Wohnungen einzudringen und zu schauen, ob dort eine Flasche Alkohol im Schrank stehe oder eine Musikkassette zu finden sei. Wenn sich jemand an der Öffentlichkeit betrinke, sei das ein Grund, einzuschreiten, aber in der Privatsphäre der Menschen habe der Staat nichts verloren. Wer so vorgehe, schaffe dem Islam Feinde, statt Menschen für die Religion zu gewinnen.
Recht hat er, der gute Mann, auch nach seinem Tode.

Quelle:
http://news.gooya.com/didaniha/archives/2016/09/218059.php
vom 28.09.2016

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Iran: Studentenproteste


An drei Universitäten in Teheran, der Schahid-Beheschti-Universität, der Amir-Kabir-Universität und der Scharif-Universität fanden an am 25. September Protestkundgebungen der Studierenden statt. Die Proteste richteten sich zum einen dagegen, dass die Studierenden 1 Million Tuman bezahlen sollen, wenn sie das 5. Semester nicht erfolgreich abschließen. Ein weiterer Kritikpunkt war die Lage in den Studentenwohnheimen, die massiv überbelegt wurden. Das heißt, die Wohnungen, die noch belegt sind, werden zusätzlich an neu eintreffende Studenten vom Land vergeben, so dass diese dann de facto auf der Straße landen.

Quelle:
http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=117099
vom 4. Mehr 1395 (25. September 2016)

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Freiheit für Abdolfattah Soltani: 5000 Iranerinnen und Iraner unterschreiben


Rechtsanwalt Abdolfattah Soltani

Über 5000 iranische Staatsangehörige haben einen Brief an Ajatollah Ameli Laridschani, den obersten Chef der iranischen Justiz, unterschrieben, in dem sie die Freilassung des Rechtsanwalts und Menschenrechtsaktivisten Abdolfattah Soltani fordern. In der Petition wird darauf hingewiesen, dass der Anwalt schon über die Hälfte seiner Haftstrafe verbüßt hat und demnach auf Bewährung aus der Haft entlassen werden kann. Weiter wird auf den schlechten Gesundheitszustand des Gefangenen verwiesen, der eine angemessene ärztliche Behandlung benötigt. Mehr noch als alles andere betonen die Unterzeichnenden, dass die gerichtliche Überprüfung des Urteils schon seit drei Jahren bei der Obersten Justizbehörde des Landes zur Bearbeitung vorliegt, damit diese den Fall an das zuständige Gericht überweist. Das heißt indirekt, dass die Oberste Justizbehörde auf diesem Weg verhindert, dass das Fehlurteil korrigiert werden kann.

http://www.akhbar-rooz.com/article.jsp?essayId=75710
vom 29. Schahriwar 1395 (19. September 2016)
bish az panj hezar nafar xastare azadiye °abdolfattah soltani shodand

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Iran: Vor Erdölfirma: Sitzstreik bei 50°C


Mas‘ud Ken‘ani

Am 30. August meldete die iranische Webseite peykeiran.com, dass der 40-jährige Mas‘ud Ken‘ani in Ahwas vor dem Gebäude der staatlichen Erdölbohrfirma Sherkat-e Melli-ye Haffari-ye Iran (Nationale Bohrgesellschaft des Irans) sein Zelt aufgeschlagen hat, um im Namen der Arbeitslosen und Kranken der Stadt den iranischen Erdölminister zu sprechen, der nach Ahwas zu Besuch kommt. Ahwas ist ein Zentrum der iranischen Erdölproduktion.

Brot und Luft zum Atmen
Über dem Zelteingang hat Mas‘ud Ken‘ani ein Plakat aufgehängt: „Na:n o nafas“ – Brot und Luft zum Atmen, heißt die Forderung. Als er sein Zelt vor der Erdölfirma aufschlug, kamen die Verantwortlichen der Firma zu ihm und fragten: „Wer gibt dir das Recht, hier zu protestieren?“ Worauf er sie fragte: „Und wer gibt euch das Recht, die Bürger krank zu machen? Wer gibt euch das Recht, die Umwelt kaputt zu machen?“

Erdölförderung in einer Millionenstadt
Die staatliche Erdölbohrfirma fördert an mehreren Stellen in (!) der Millionenstadt Ahwas Erdöl. Die Folgen für die Qualität der Luft, mit Schäden an Pflanzen und Menschen, sind beachtlich. So berichtet Mas‘ud Ken‘ani, dass vier Mitglieder seiner Familie an Asthma leiden. Er steht zwar allein da, aber er sagt, dass andere, die von Arbeitslosigkeit und Gesundheitsschäden betroffen sind, ihn gebeten hätten, ihre Forderungen an den Erdölminister zu überreichen. Und die heißt: Das Ministerium soll für die Schäden Verantwortung tragen, die seine Produktion an der Umwelt und an der Gesundheit der Menschen anrichtet.

Auch die Dattelpalmen mögen keine Abgase
Mas‘ud Ken‘ani, ein Naturfreund, besucht regelmäßig die Gebiete in der Region Ahwas, wo Palmen wachsen. Was er dort sieht, ist beunruhigend. Auch die Palmen gehen ein. Wer übernimmt die Verwantwortung? fragt er.

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=115378
vom 9. Schahriwar 1395 (30. August 2016)
e°tera:z-e shahrwand-e ahwa:zi be wazir-e naft / „naft: na:n o nafas-ra: gereft“

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Iran: Ausschreitungen um Bergsee Chaghakhur in Boldaji

In der Kleinstadt Boldaji (11.000 EinwohnerInnen) ist es heute, den 19.7.2016 zu heftigen Auschreitungen gekommen bei denen es Tote und Verletzte gab. Hintergrund ist ein Konflikt um die geplante Wasserentnahme aus einem naturnahen Bergsee namens Chaghakhur.

Der See hat eine Fläche von 2300 Hektar, besitzt aber nur eine geringe Wassertiefe (max. 3 Meter). Er liegt auf halber Berghöhe auf einer Alm und wird im Sommer von Nomaden frequentiert, die dort ihre Herden grasen lassen. Wie auf den Fotos zu sehen ist, liegt der See in einer idyllischen, naturnahen Landschaft ohne menschliche Ansiedlungen. Er ist bedeutend für die die Vogelmigration und einige seltene Pflanzenarten.

Aus diesem See soll Wasser für Städte in hunderten Kilometer Entfernung entnommen werden. Die lokale Bevölkerung ist natürlich dagegen und wehrt sich gegen die heute angelaufenen Baumaßnahmen. Nachdem juristische Interventionen erfolglos waren kam es zu Protesten und Schießereien sowohl in der Kleinstadt Boldaji und an den Baustellen.

In Boldaji konzentrierten sich die Proteste vor dem Gerichtsgebäude. Es kam zu Ausschreitungen seitens der lokalen Bevölkerung, die u.a. mit Steinen warf und zu Schüssen seitens der Polizei. Es gab mindestens einen Toten und ca. 30 Verletzte.

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Iran: Polizei erschiesst Zivilisten und die Menschen protestieren wütend

In dem kleinen Ort Nakhl Taghi in der Nähe der Hafenstadt Asaluyeh (Südiran) hat die Polizei vorgestern, am Mittwoch, den 6. Juli 2016 einen Menschen auf offener Straße erschossen. Er wurde fälschlicherweise des Schmuggelns verdächtigt. Noch am gleichen Tag kam es zu heftigen Ausschreitungen gegen die Polizei und den iranischen Staat.

Laut der Website gooya news wurde Chalil Bagheri, ein junger Mann aus Nakhl Taghi, erschossen, kurz nachdem er etwas von seinem Boot geholt hat und auf seinem Motorrad davon gefahren ist. Angeblich hat die Polizei hinter ihm hergerufen, dass er anhalten soll, was er nicht tat. Daraufhin hat sie geschossen und ihn getötet. Es ist nicht bekannt, was Nakhl Taghi transportiert hat, es könnte alles mögliche gewesen sein.

Obwohl die Polizei nicht wissen konnte, ob er ein Schmuggler ist, ist sie wie selbstverständlich davon ausgegangen. Die Staatsanwaltschaft von Asaluyeh hat heute, Freitag, den 8.7.2016 erklärt, dass kein Schmuggel vorlag.

Bewohner von Nakhl Taghi lieferten sich noch am gleichen Tag heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei. Es kam zu Straßenkämpfen bei der u.a. ein Polizeifahrzeug ausbrannte. Des weiteren wurde die Polizeistation in Brand gesetzt. Die Kämpfe dauerten bis in die Nacht. Die Polizei musste aus Nachbarorten zusätzliche Kräfte anfordern, um die Situation in den Griff zu bekommen.

Die Menschen in Nakhl Taghi sind sehr arm und haben kaum eine Möglichkeit ihren Lebenunterhalt zu verdienen. Männer und Frauen schmuggeln oft Waren mit ihren kleinen Booten zwischen vorgelagerten Inseln und der Hafenstadt Asaluyeh. Es ist ihre einzige Verdienstmöglichkeit.

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Iran: Student kritisiert Religiösen Führer persönlich

Verfassungsfeindliche Justiz, Hausarrest und Korruption

Am 2. Juli 2016 kritisierte Mohammad-Ali Kam-Firusi, ein Doktorand der Universität Teheran, die iranische Justiz und den Hausarrest gegen die Präsidentschaftskandidaten von 2009 persönlich vor den Augen des Religiösen Führers. Er war zusammen mit über 1000 Studenten zum Empfang beim Religiösen Führer eingeladen worden.
Mohammad-Ali Kam-Firusi warf der Justiz vor, sie schwinge sich selbst zum Gesetzgeber auf und ignoriere das iranische Grundgesetz, wenn sie an der Universität die Zulassung diverser Gruppen verbiete, denen zu Unrecht bestimmte Etiketten angeheftet würden. Die Folge sei, dass das, was an solchen Empfängen zur Sprache komme, längst nicht das ganze Spektrum abdecke, was die Interessen der Studenten betreffe.

Mohammad-Ali Kam-Firusi

Er kritisierte auch, dass Versammlungen und Forderungen der Studenten, die ihre Studienbedingungen betreffen, kriminalisiert würden und die Sicherheitsorgane außerhalb der Uni die Studenten sogar bedrohten. Dabei sollten die Unis ein Hort der Freiheit und des freien Denkens sein.
Der Student wies auch auf den Widerspruch zwischen den Zielen der Revolution hin, die einen wirtschaftlichen Ausgleich anstrebte, und der Tatsache, dass heute eine ausufernde Korruption auf der einen Seite herrsche, während Arbeiter ausgepeitscht würden.
Verklausuliert sprach er auch den Hausarrest gegen Mirhossein Mussawi, Mehdi Karrubi und Sahra Rahnaward an, als er von illegalen Beschränkungen sprach, denen früher politische Persönlichkeiten ausgesetzt seien, die zudem in den Medien verleumdet würden, ohne dass sie sich dagegen wehren könnten.

Die Antwort des Führers

Nach den Worten der Studenten ging Ajatollah Chamene’i, der sehr wohl verstanden hatte, worauf der Student anspielt, auf den Hausarrest ein, aber nicht auf die anderen Kritikpunkte: „Meine Position bezüglich der Verschwörung von 2009 (gemeint sind die Millionenproteste gegen die Wahlfälschung auf Betreiben Chamene’is) ist klar. In diesem Punkt bin ich empfindlich, und das ist auch mein Maßstab. Es geht darum, nicht diejenigen zu verteidigen, die die Anführer der Verschwörung waren oder sie missbrauchten und bis heute kein bisschen Reue zeigten.“
Mit anderen Worten: Der Student hat die Opfer des Hausarrests verteidigt, also ist er ein Feind, also brauche ich auf die übrige Kritik auch nicht zu antworten. Was mit diesem neu gekürten „Feind“ passiert, wird die Zukunft weisen.

http://www.dw.com/fa-ir/%D8%A7%D9%86%D8%AA%D9%82%D8%A7%D8%AF-%DB%8C%DA%A9-%D8%AF%D8%A7%D9%86%D8%B4%D8%AC%D9%88-%D8%AF%D8%B1-%D8%AD%D8%B6%D9%88%D8%B1-%D8%AE%D8%A7%D9%85%D9%86%D9%87%D8%A7%DB%8C-%D8%A8%D9%87-%D8%AF%D8%B3%D8%AA%DA%AF%D8%A7%D9%87-%D9%82%D8%B6%D8%A7-%D9%88-%D8%AD%D8%B5%D8%B1-%D8%AE%D8%A7%D9%86%DA%AF%DB%8C/a-19374862
Deutsche Welle vom 03.07.2016
enteqade yek daneshju dar hozure xamene’i be dastgahe qad.a wa hasre xanegi

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