Bilder aus dem Dorf „Dargas 49″ in der Erdölprovinz Hormosgan







Dieser Weblog wird seit dem Jahr 2004 ehrenamtlich von acht Personen deutscher und iranischer Herkunft betrieben. Wir verteidigen die Menschenrechte, unterstützen Politische Gefangene und berichten regelmäßig über die aktuelle politische, wirtschaftliche und kulturelle Situation im Iran.
Bilder aus dem Dorf „Dargas 49″ in der Erdölprovinz Hormosgan







Über das in Zusammenhang mit der Abschaffung von Subventionen eingeführte „Freundschaftsgeld“ (Yarane), also eine Art von Sozialhilfe für diejenigen, die die Machthaber als bedürftig einstufen, werden immer neue Einzelheiten bekannt.
So beklagt Dr. Iradsch Chosrouniya, der Präsident der Vereinigung der iranischen Internisten, dass seit der Einführung des „Yarane“ viele Ärzte nicht mehr die Kosten für ihre Praxis decken können und deshalb dazu übergegangen seien, ihr Geld auf Baustellen, mit dem Handyverkauf oder als Touristenführer zu verdienen.
Dr. Chosrouniya erklärte gegenüber der iranischen Nachrichtenagentur Mehr: „Seit der Einführung des Gesetzes zur Zuteilung des „Freundschaftsgelds“ sind die Kosten im Gesundheitssektor so gestiegen, dass ein Teil der Ärzte die Kosten für den Unterhalt der Praxis nicht mehr aufbringen können. So sind zwar die Tarife für die diversen ärztlichen Dienstleistungen um 5 bis 6 Prozent, zum Teil um 10 Prozent angehoben worden, dabei aber weit hinter der Inflationsrate zurückgeblieben.
Der Präsident der Facharztvereinigung meinte, dass nur etwa 10 Prozent der iranischen Ärzte reich seien, weiteren 40 Prozent gehe es recht gut, aber von denen, die keine eigene Praxis besitzen, sei die Hälfte arm wie eine Kirchenmaus.
Dr. Chosrouniya kritisierte auch, dass es im Iran zwar 60.000 Allgemeinärzte gebe, aber nur 10.000 von ihnen in Vollzeit als Ärzte arbeiteten. Chirurgen, die schon 60 Jahre alt seien, seien immer noch gezwungen, im Krankenhaus Nachtschicht zu machen, um seinen Unterhalt zu sichern. (Im Iran liegt das Rentenalter bei 60 Jahren!).

Islam-Studenten
Die Theologie-Studenten von Qom trauen sich nicht mehr, in ihrer geistlichen Kleidung auf die Straße zu gehen. Dies berichtet die Webseite xodnewis unter Berufung auf den Weblog eines Theologie-Studenten aus Qom. Demnach zieht es die Mehrheit der Studierenden vor, nicht mehr mit diesem Kleidungsstück auf die Straße zu gehen, und bringt dafür alle mögliche Ausreden vor.

Die Webseite Xodnewis
Der Theologen-Weblogger schreibt weiter: „Seit der Gründung der Islamischen Republik setzt die Gesellschaft die Geistlichkeit und das politische System gleich, weshalb die Mängel des politischen Systems auch der Geistlichkeit zugeschrieben werden.“ Der Student beklagt sich im weiteren: „Während die Studenten nicht die geringste Verbindung zu den Organen des Regimes haben, müssen sie sich unter dem Volk u.a. den Vorwurf der Veruntreuung (von Geldern) anhören, was ihnen schwer zu schaffen macht. Sie sollen Rede und Antwort stehen, wenn die Milch teuer wird. Sie müssen alle möglichen Anspielungen und hasserfüllten Blicke von einem Teil der Bevölkerung erdulden. Aus diesem Grund hat ein Teil der Studenten keine Lust, die Kleidung der Geistlichen zu tragen, um sich diese Probleme zu ersparen. Um die Kleidung nicht tragen zu müssen, bringen diese Studenten verschiedene Ausreden vor, zum Beispiel: „Die Bekleidung der Geistlichkeit behindert einen“ oder „Wir sind es nicht würdig, diese Kleidung zu tragen“. Manche erklären auch, dass die religiöse Werbung wirksamer ist, wenn man in Zivil tätig ist, wieder andere sagen, sie seien in die religiöse Lehranstalt eingetreten, um den Islam kennenzulernen, aber nicht, um für ihn zu werben, so dass sie auch nicht gezwungen seien, diese Kleidung zu tragen.

gekürzte Bildschirmkopie aus dem Text des Theologen-Webloggers
Wie der Abgeordnete von Sarawan im iranischen Parlament, Abdulasis Dschamschidsehi, der zugleich Mitglied im Gesundheitsausschuss des Parlaments ist, gegenüber der Zeitung Chorassan erklärt, sind in den letzten zwei Monaten die Preise für Medikamente im Schnitt um 8 bis 10 Prozent gestiegen, die von Importmedikamenten sogar um 40 Prozent. Die Importe sind durch den fallenden Wert der iranischen Währung teurer geworden, die Preise für im Iran produzierte Medikamenten sind durch den Anstieg der Preise für Gas, Wasser, Strom und Löhne (?) ebenfalls angestiegen.
Für Kranke und ihre Angehörigen ist das eine schlechte Nachricht.
Der Abgeordnete kritisierte außerdem, dass bei der Abschaffung der Subventionen vor zehn Monaten und der Einführung des „Freundschaftsgelds“ (Yarane) erklärt worden sei, dass ein Teil der eingesparten Subventionen ans Gesundheitsministerium überwiesen würden. Das sei nicht geschehen.
Vor etwa einem Jahr wurde im Iran die Einführung der „Freundschaftshilfe“ (Yarane) als Ersatz für die generelle Subvention diverser Waren (Benzin, Brot etc.) begonnen. Die „Freundschaftshilfe“ wurde als monatliche Unterstützungszahlung (also eine Art Sozialhilfe) für den ärmeren Teil der iranischen Bevölkerung angekündigt und sollte die Unzufriedenheit abfedern, die nach den absehbaren Preiserhöhungen zu erwarten war. Der voraussichtliche Kreis der Nutznießer wurde mehrmals enger gezogen, weil das iranische Budget, das vor allem auf den Erdöleinnahmen beruht, von denen ein Teil ohnehin in den Taschen der Mächtigen verschwindet, nicht ausreichte, die angekündigten Leistungen zu finanzieren.

„Freundschaftshilfe“ (Yarane)
Obiger Ausschnitt einer Webseite des iranischen Energieministeriums zur Zuteilung der „Freundschaftshilfe“ im Bereich Wasser und Strom gibt einen Eindruck von den schönen Worten, an denen bei der Einführung der „Freundschaftshilfe“ nicht gespart wurde:
„Mit Bekanntmachung durch den Präsidenten der Republik hat der Vollzug des Gesetzes zur Zuteilung der „Freundschaftshilfen“ im Lande begonnen. Mit dem heutigen Tag hat das Land mit gleichmäßigen Schritt den Weg zur Reform der Wirtschaftsstruktur in Angriff genommen, um diese goldene Gelegenheit zu nutzen und einen Schritt nach vorne auf diesem Weg zu machen, dessen strahlende Zukunft gesichert ist. (…)“
Parlamentarische Anfrage endet mit Ohrfeigen
Am Dienstag, den 27. Dezember 2011, wurde im iranischen Parlament eine Anfrage zum Thema „Freundschaftshilfe“ behandelt. Es ging um den Vorwurf, dass diese Hilfe an die Firmen im Gas-, Strom- und Wassersektor nicht ausgezahlt werde. Am Vortag hatte der Abgeordnete Mohammad Dehqan kritisiert, dass der Vollzug des Gesetzes über die Zuteilung der „Freundschaftshilfe“ zahlreiche Projekte aus dem Gas-, Wasser- und Stromsektor empfindlich gestört habe und viele Firmen aus diesem Sektor nicht nur den Forderungen ihrer Gläubiger (z.B. Lieferanten) nicht mehr nachkommen können, sondern auch Schwierigkeiten haben, den Lohn ihres Personals auszubezahlen.
Um mehr über die Auszahlung der staatlichen „Freundschaftshilfe“ zu erfahren, war der Direktor der Organisation für die Zuteilung der Freundschaftshilfe (Saseman-e Hadafmandi-ye Yarane-ha) Behrus Moradi, vom Parlament eingeladen worden. Er erklärte bei der Anhörung am Dienstag, dass die Organisation für die Zuteilung der Freundschaftshilfe das Gesetz ausführe und es keinen Grund für Erläuterungen gebe. Die Organisation für die Zuteilung der Freundschaftshilfe führe das aus, was Paragraph 12 des Gesetzes vorsehe.

Behrus Moradi, Direktor der „Freundschaftshilfe“-Behörde
Behrus Moradi, der nicht sehr auskunftsfreudige Direktor dieser „Sozialhilfe“-Behörde, rastete schließlich aus, als Hossein Hosseini, der Abgeordnete von Feriman, Zahlen über die „Freundschaftshilfe“ vortrug. „Was ist das für eine Gassen-und-Basar-Statistik, was Sie da vortragen?“ rief Behrus Moradi aus.
Der erboste Abgeordnete wollte ihm eine Ohrfeige verabreichen, traf ihn aber im Nacken, ritzte seine Haut und es floss Blut. Behrus Moradi gab darauf dem Abgeordneten Hossein Hosseini eine Ohrfeige und die anderen Parlamentarier hatten Mühe, die Streithähne auseinander zu bringen. Wie im Kindergarten üblich, kam es auch noch zum Streit darüber, wer angefangen hat.
Behrus Moradi, der an Hochdruck leidet und außerdem ein Medikament einnimmt, dass die Blutgerinnung behindert, musste von einem anwesenden Abgeordneten, der im Zivilleben Herzspezialist ist, verarztet werden.
Zum Schluss trafen sich Behrus Moradi und Hossein Hosseini beim Präsidium des Parlaments, wo sich Hossein bei Behrus entschuldigte und sich die beiden versöhnten, wie die iranischen Medien berichten.
Der Parlamentspräsident Ali Laridschani soll im übrigen in einem Brief über einen Bericht der Parlamentskommission zur Wirtschaftsreform bezüglich der Ausführung des Gesetzes zur Zuteilung der „Freundschaftshilfen“ befürwortet haben, dass die Sache an die Justiz überstellt wird.
Kommentar:
Dass ein Behördenchef einen Abgeordneten schlägt oder zurückschlägt – je nach Version, zeigt deutlich, mit was für Leuten Präsident Ahmadineschad seine Behörden besetzt hat und was für Typen im Parlament sitzen. Und dass derjenige, der über die Zuteilung staatlicher Leistungen entscheidet, wie Behrus Moradi, von diesen Leistungen etwas für sich abzweigt, wäre bei den iranischen Verhältnissen keine Überraschung. Beachtlich ist, dass die Auseinandersetzung unter den Machthabern so weit gediehen ist, dass Korruptionsfälle ins Parlament und in die Medien getragen werden. Das verstummt dann wieder, wenn Ajatollah Chamene‘i ein Machtwort spricht, und geht wenig später von neuem los.
Seit 33 Jahren leben die Menschen im Iran in einem islamischen Paradies. Das Paradies hat mittlerweile 75 Millionen Einwohner. Hier eine kleine Auflistung der paradiesischen Zustände. Wir sind uns bewusst, dass die Liste nicht vollständig ist.
Maschhad gehört mit 2,5 Millionen Einwohnern im Jahr 2006 zu den großen Städten Irans. Es hat eine besondere Ausstrahlung für die Iraner, weil dort einer der 12 Imame, Imam Resa, begraben liegt, so dass Jahr für Jahr mehrere Hunderttausend Menschen an sein Grab pilgern. Eine so fromme Stadt zeichnet sich bestimmt durch eine fromme Lebensweise ihrer Einwohner aus, sollte man meinen, aber die jüngsten Zahlen des Staatsanwalts von Maschhad, der sowohl für allgemeine Kriminalität als auch für „politische Kriminalität“ zuständig ist, sprechen eine andere Sprache.
So sitzen derzeit 13.000 Gefangene in den Gefängnissen von Maschhad, viele wegen Diebstahls oder Drogendelikten, denn Afghanistan ist nicht weit. Bedrückend sind auch die Umstände der Haft: Es gibt 3000 Haftplätze für diese 13.000 Gefangenen. Zum Vergleich: Berlin mit 3,5 Millionen Einwohnern hat eine Gefangenenzahl von ca. 5.500.
Das „Islamische Modell“, dessen sich die islamischen Geistlichen im Iran stets rühmen, führt also keineswegs zu rühmlichen Ergebnissen. Daran dürfte auch die Wirtschaftspolitik einen Teil der Verantwortung tragen, denn bislang war die iranische Regierung darin Meister, Arbeitsplätze zu vernichten statt neue zu schaffen.
An der Amir-Kabir-Universität in Teheran fand eine Kundgebung von über 1000 Studenten statt. Sie forderten die Absetzung des Rektors der Universität, der für die katastrophalen Zustände im Studentenwohnheim verantwortlich ist. Eine Studentin, die eigentlich ein Zimmer im Wohnheim hatte, fand dort keinen Platz. Die Verwaltung hatte 90 Wohnplätze an 130 Studenten vergeben. So machte sich die Studentin auf die Suche nach einem Platz, wo sie nachts schlafen konnte. Im Gebetshaus des Wohnheims war auch alles belegt, so dass sie schließlich in den Keller des Gebetshauses ging, um dort zu schlafen. Anscheinend waren die dort verlaufenden Abwasserrohre undicht, ein Lüftungssystem gab es auch nicht, so dass die Studentin wohl aufgrund der ausgetretenen Gase eine Vergiftung erlitt, der sie im Krankenhaus erlag. Die Universitätsverwaltung hatte daraufhin gar behauptet, die Studentin habe Selbstmordabsichten gehabt, was ihre Freundinnen alle verneinen.
Deshalb forderten die über 1000 versammelten Studenten, dass der Rektor zurücktreten müsse. Der Rektor ließ zwar die Türen zu seinem Amtssitz verrammeln, aber den Studenten gelang es, die Tür aufzubrechen.

Auf diesem Bild sieht man einen kleinen Jungen und einen Mann, die als Dieb bzw. als Einbrecher betitelt werden. Die Staatsorgane haben sie gefasst und stellen sie mit umgehängten Schildern an den Pranger. Sogar im staatlichen iranischen Fernsehen werden solche Bilder gezeigt.
Die großen Diebe dagegen, ob Chamenei, Ahmadineschad oder die diebischen Banker, die sich jetzt in Luxusvillen ins Ausland absetzen, werden nicht angetastet.
Wie man sieht, gilt das deutsche Sprichwort auch im Iran:
Die Kleinen hängt man, und die Großen lässt man laufen.

Zeitalter der Aufklärung im Dunkeln
Während die iranischen Machthaber seit langer Zeit die Herstellung von Atombomben betreiben und Atomkraftwerke bauen lassen, angeblich, um die Bevölkerung mit Energie zu versorgen, ist auch über 30 Jahre nach der Revolution längst nicht überall für Licht und Strom gesorgt. Die Schülerinnen und Schüler dieser Grundschule in Masdschede Soleiman (Provinz Chusestan), einer erdölreichen Gegend, klagen darüber, dass sie im Dunkel des Raums nicht erkennen können, was der Lehrer an die Tafel schreibt, dass es im Winter kalt im Raum ist, weil es keine Heizung gibt, und dass ihr Klassenzimmer de facto ein Schafsstall ist.
Link zum Film

die künftigen Wähler der islamischen Republik schauen rein

Letzte Woche wurde diese Aufnahme von zwei kranken Personen gemacht, die im Khomeini – Krankenhaus von Teheran behandelt worden waren.
Sie konnten die Behandlungskosten nicht mehr bezahlen und auch ihre Familien kamen nicht dafür auf. Das Krankenhaus warf sie daher kurzerhand auf die Straße. Eine Ambulanz transportierte sie an den Stadtrand von Teheran und liess sie dort ohne Versorgung zurück.
Der eine der beiden hat ein gebrochenes Bein, der andere hat Verbrennungen.
Anmerkung: Obwohl das islamische Modell viel versprochen hat und bis heute behauptet wird, dass es allen Leuten in diesem System gut gehe, obwohl der Iran über nicht unerhebliche Einnahmen über den Erdölsektor verfügt, gibt es bis heute keine Krankenversicherung für die Armen.
Dies ist keine Demonstration, sondern Armut. Die Behörden in Alwand (Region Qaswin) hatten bekannt gegeben, dass sie an diesem Ort verbilligtes Hühnerfleisch verteilen würden, etwas, was sich offensichtlich viele Menschen nicht mehr leisten können. Der Ansturm ist enorm. Und das in einem Land, wo jedes Jahr Milliarden von US-Dollars auf den Konten der Machthaber verschwinden…
In einem Land, in dem selbst das Filmen und Fotografieren mit Gefängnis bestraft wird, wenn das Gezeigte den Herrschern nicht gefällt, in dem jede Zeitung, jede Partei und jede Gewerkschaft von heute auf morgen verboten werden kann, in dem die Regierung im Namen des Islam die abartigsten Kleidervorschriften durchprügelt, ist selbst das Unpolitischste Ausdruck von Widerstand.
Wenn Bertold Brecht noch dichtete:
Wirklich, wir leben in finsteren Zeiten,
wo ein Gespräch über Bäume
fast ein Verbrechen ist,
weil es ein Schweigen
über so viele Untaten
einschließt
so ist in einem totalitären Regime die Botschaft ganz anders zu lesen. Wer über Bäume redet, obwohl die Herrschenden lieber über Kleidervorschriften, über amerikanische Spione und über Atomkraftwerke reden, der unterläuft schon ihren Machtanspruch.
Und so kam eine Gruppe von Menschen auf eine geniale Idee. Sie organisierten eine
„Versammlung der Lockenköpfe im Nationalpark (Parke Mellat) in Teheran“.
Schauen Sie selbst, hier der Link zu einem Video dieser Versammlung.
Da nicht auszuschließen ist, dass das Regime das Video von der Seite nehmen lässt, haben wir einige Szenen abkopiert.
Masjed Soleyman (Masdsched Soleyman), ist eine Ölstadt der ersten Stunde im Iran. Sie liegt in der südlichen Provinz Khuzestan (Chusestan) und entstand, als vor rund 100 Jahren die Anglo-Persian Oil Company in dieser Gegend nach Erdöl suchte.

Ölförderung bei Masjed Soleyman, zu Beginn des letzten Jahrhunderts




