Archiv der Kategorie 'Soziales'

TierschützerInnen im Iran


Auch im Iran hat sich inzwischen eine Tierschutzbewegung gebildet. Die BürgerInnen protestieren dagegen, dass streunende Hund mit Giftspritzen getötet werden, so dass sie qualvoll verenden. Sie fordern, dass die Tiere entweder kastriert werden oder an Tierschutzvereine abgegeben werden. Um keiner politischen Umtriebe verdächtigt zu werden, drücken sie sich auf ihren Plakaten vorsichtig aus. So schreiben sie: „Alles sind Gottes Schöpfungen“. Oder: „Das Gebot der Religion ist die Barmherzigkeit.“
Hoffen wir, dass es ihnen nicht ergeht wie in Österreich, wo einigen Tierschützern gar die „Bildung einer kriminellen Vereinigung“ vorgeworfen wurde.

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Iran:Bilder


Torkaman Sahra

Torkaman Sahra

Torkaman Sahra

Torkaman Sahra

Torkaman Sahra


Orumiye -Noruzbazar

Orumiye -Noruzbazar

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Hamedan

Hamedan

Hamedan

Hamedan

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Tabu-Bruch im Iran: Ehe ohne Trauschein

Während die iranische Geistlichkeit mit allen Mitteln bis hin zur ideologischen Rechtfertigung der Säureattentate versucht, die Frauen aus dem öffentlichen Leben zu verbannen, hat sich unter der jungen Generation, die die Mehrheit der Bevölkerung darstellt, eine neue Lebensform entwickelt. Obwohl das islamistische Regime vorsieht, dass Männer bis zur vier Frauen haben dürfen und außerdem eine unbegrenzte Zahl von „Ehefrauen auf Zeit“ – sei es für eine Stunde oder ein Jahr oder länger, entscheiden sich immer mehr jüngere Iraner und Iranerinnen zu einer anderen Lösung, die auch uns nicht fremd ist. Sie leben einfach zusammen. Ohne Papier. Ajatollah Golpayegani wetterte kürzlich, das sei völlig gegen die islamischen Sitten, wenn das so weitergehe, werde der Iran nur noch aus unehelichen Kindern bestehen.
Diese Lebensform ist inzwischen keine Erscheinung von ein paar Hundert oder Tausend, sondern von Hunderttausenden. Da Schwangerschaften in diesem Zusammenhang allerdings sehr problematisch sind, weil die rechtliche Lage der Kinder äußerst ungünstig ist, führt dies dazu, dass viele Frauen die Pille benutzen oder eine Abtreibung in Anspruch nehmen. Das wiederum hat zu einem drastischen Anstieg der Preise für Abtreibungen geführt.

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Pflegenotstand im Iran

In Teheran fand am Sonntag, den 14. Dezember 2014, eine Kundgebung des Pflegepersonals vor der Vertretung des Staatspräsidenten statt, an der rund 700 Personen teilnahmen. Sie forderten Löhne, die ihnen ein Überleben ermöglichen. Die Kosten im iranischen Gesundheitssystem sind zwar drastisch gestiegen, das Pflegepersonal hat davon aber nicht profitiert. Seit sieben Jahren ist ein Gesetz in Kraft, das ihre wirtschaftliche Lage verbessern soll – angewandt wird es aber nicht. Der Gesundheitsminister hat am 1. Dezember 2014 bekannt gegeben, dass die Löhne für die Pflegekräfte erhöht werden sollen und ihr Mindestlohn jetzt 1,8 Millionen Tuman betragen soll. Das sind umgerechnet 400 Euro. Laut Angaben der iranischen Zentralbank liegt die Armutsgrenze im Iran bei 2 Millionen Tuman, das heißt auch mit diesem neu verkündeten Mindestlohn bleiben die Krankenschwester und Pfleger unter dieser Grenze. An der Kundgebung wollte auch Pflegepersonal aus den iranischen Regionen Masandaran, Gilan und Isfahan teilnehmen. Sie wurden aber von einer staatlichen Institution, deren Name in den iranischen Medien nicht genannt wurde, gewarnt und unter Druck gesetzt, so dass sie nicht nach Teheran fuhren.
Die Folge der miserablen Bezahlung kombiniert mit dem Anstieg der Kosten im Gesundheitssystem ist, dass die Bevölkerung, die nicht zwischen Ärzten und Pflegern unterscheidet, ihren Zorn an den Pflegern auslässt, was die Arbeitsmotivation nicht erhöht, sondern dazu führt, dass jährlich Tausende von Pflegern und Krankenschwestern aus dem Dienst ausscheiden und ihr Glück im Ausland versuchen. Die Arbeit verteilt sich dann auf die Dagebliebenen, ohne Lohnausgleich.

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Teheran: Säureanschlag auf Krankenhausdirektor

Doktor Anwari, Direktor des Sia‘iyan-Krankenhauses in Teheran, wurde am Samstag nachts (29.11.2014) auf dem Heimweg von zwei Motorradfahrern attackiert, die ihm Säure ins Auge und ins Gesicht spritzen. Er wurde darauf zur Behandlung in ein Krankenhaus eingewiesen.
Die beiden Angriffer waren Bassidschi-Studenten, die ohne Qualifikationen zum Studium zugelassen werden. Doktor Anwari unterrichtet nebenberuflich auch Medizin, und die beiden Bassidschi-Studenten hatten von ihm trotz schlechter Leistungen eine gute Benotung verlangt. Doktor Anwari hatte dies abgelehnt, mit der Begründung, dass sie ihr Fach nicht beherrschten und später dann als Ärzte Menschen behandeln sollen.
Die beiden Bassidschi-Studenten bedrohten ihn darauf, und wie man sieht, haben sie ihre Drohung auch umgesetzt. Die beiden Studenten wurden auch festgenommen, aber man wird sehen, ob sie straffrei ausgehen oder nicht.

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Iran: Tod eines Popstars


Die ersten Menschen versammeln sich vor dem Krankenhaus nach dem Tod von Mortesa Pascha‘i

Vergangene Woche ist der iranische Popmusiker Mortesa Pascha‘i im Alter von 30 Jahren an Bauchkrebs gestorben. Es war kein verbotener Sänger, auch im staatlichen Fernsehen durfte er mitunter auftreten, auch wenn das Regime generell nicht viel von Popmusik hält. Seine Lieder waren eher traurig, aber sehr beliebt.


Der Sarg kommt in den Menschenmassen nicht mehr weiter, junge Gesichter, sie machen Handyfotos

Das führte dazu, dass schon kurz nach Bekanntwerden seines Todes in Teheran, Maschhad, Qaswin, Schiras, Isfahan, Hamedan, Kermanschah, Ahwas, Sandschan, Yasd und Semnan sowie in vielen kleineren Städten Menschen mit Kerzen auf die Straßen gingen und einige seiner Lieder sangen. Im Gegensatz zu dem, was sonst bei Trauerfeiern üblich ist, klatschten sie mancherorts dabei auch in die Hände. An manchen Orten reagierte die Polizei verständnisvoll und ließ die Menge gewähren, an anderen, wie Maschhad, schritt sie ein und verhaftete eine Anzahl von Trauernden.


Keine Kundgebung – alles Trauernde!

Es waren so viele Menschen auf die Straßen gekommen, dass am jeweiligen Ort der Verkehr zum Erliegen kam. Klar ist, dass nicht das Regime hierzu aufgerufen hatte. Auch die Angehörigen des Verstorbenen hatten die Bevölkerung per Radio aufgerufen, nach Hause zu gehen und keine Parolen zu rufen.


Poster, von Hand ausgedruckt

Woher kamen die Menschen dann? Nun – Internet und SMS sind im Iran schon so stark vertreten, dass der Informationsfluss auf diesem Weg nicht mehr in der Hand der Regierung liegt, das einzige, was sie tun kann, ist die Geschwindigkeit des Internets herabzusetzen. Auffällig war auch, dass die Menschen überall Fotos von Mortesa Pascha‘i in der Hand hielten. Auch dies ein Zeichen, dass genügend Menschen zu Hause einen kleinen Drucker besitzen, so dass keine staatlich kontrollierte Drucker das unterbinden kann.

Es kam so weit, dass der Tote in der Nacht begraben wurde, weil der Totenzug sonst gar nicht auf der Straße vorangekommen wäre.
Die Staatsanwaltschaft von Qaswin und andere Machtorgane sprachen natürlich gleich davon, dass diese Trauerfeiern vom bösen Ausland angezettelt worden seien.


Beerdigung bei Nacht

Aber Faktum ist, dass der Staat wie auch die Opposition im Inland und Ausland von diesem Ausmaß an Sympathie für den Sänger überrascht waren.
Viele Zeitungen im Iran schrieben, dass dieses spontane Auftreten der Menschenmengen nicht nur überraschend war, sondern auch einen Grund zum Nachdenken bietet.
In „Tabnak“ erschien am 16. November 2014 ein interessanter Artikel unter dem Titel „Ramzgosha‘i-ye ruznameha az tawajjoh-e bi-sabeqe-ye jame°e be dar-gozasht-e xanande-ye jawan“ („Die Zeitungen lüften das Geheimnis der unvergleichlichen Anteilnahme der Gesellschaft am Tod eines jungen Sängers“).

Wir kennen unser Volk nicht
Tabnak weist darauf hin, dass diese spontanen Kundgebungen sowohl für die „Elite“ (gemeint sind die Machthaber) wie auch für die politischen Parteien völlig überraschend kamen. Überraschend, weil sie das Volk nicht mehr kennen. Ihre Ideen und Vorbilder haben sich weit von dem entfernt, was die heutige Generation beschäftigt. So ist es kein Wunder, dass auch viele der Trauernden unter 30 waren. Ohne Namen zu nennen, schreibt Tabnak, dass diese Generation nichts mehr mit den Gedanken der Ajatollahs am Hut hat, aber auch die traditionellen Parteien, die Monarchisten, die Kommunisten u.s.w. prägen ihr Denken nicht mehr. Diese Generation ist sich selbst Vorbild. Mortesa Pascha‘i war einer der Ihren. Die Reaktion auf seinen Tod war keine Kundgebung, es geht nicht um den Sturz irgendeines Regimes, Mortesa Pascha‘i war ein Sänger, der ihre Gefühle angesprochen hat. Und diese Gefühle haben sie jetzt auf die Straße getragen.


Es gibt einen, der nicht mehr ist…

Die verbrannte Generation
Nasle suxte – Die verbrannte Generation, so nennt Tabnak diese Jugend, die in ihren besten Jahren die vollen Schläge der Wirtschaftskrise, die kulturelle Enge, die sozialen Probleme durchmachen muss und sich mit Zähnen und Klauen wehren muss, um am Leben zu bleiben. Die Elite hat sie bislang schlicht und einfach ignoriert. Jetzt ist sie aus dem Staub aufgetaucht, unter dem sie begraben war. Auferstanden von den Toten.

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Iranische Sozialpolitik

Wie die iranische Nachrichtenagentur ISNA berichtet, haben Bewohner des Armenviertels Seytun im Nordosten von Teheran vor der staatlichen Rundfunk- und Fernsehgesellschaft „Seda wa Sima“ gegen die Zerstörung ihrer Häuser protestiert. Die Menschen leben zum Teil schon seit 29 Jahren dort, manche haben eine Besitzurkunde, viele nicht. Jetzt hat die Stadtverwaltung von Teheran begonnen, die Häuser zu demolieren und ihre persönliche Habe zu zerstören. So werden die Menschen obdachlos.

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Iran in den Fängen der Schwarzen Hand

Seit einiger Zeit treten namentlich in Teheran Straßenkünstler unter dem Namen ‚Black Hand‘ an die Öffentlichkeit. Sie nutzen die Hauswände ähnlich wie die Grafitti-Maler, wobei ihre Kunst oft eine klare Botschaft vermittelt.

Berühmt geworden ist ihr Plakat mit einer jungen Iranerin, die in den Farben der iranischen Fahne gekleidet ist und eine Spüli-Flasche wie den Siegespokal bei den Fußballweltmeisterschaften in die Höhe hält. Ihr Gesichtsausdruck ist dabei eine Mischung von Empörung und Verachtung.
Das Plakat spielt darauf an, dass die iranischen Sittenwächtern den Frauen verboten, gemeinsam mit den Männern in der Öffentlichkeit bei der Übertragung der Fußball zuzuschauen. Die Frauen sollen brav zu Hause bleiben… Dass frau da sauer wird, versteht sich.
Sauer werden auch die Sittenwächter, die jeden Morgen die geklebten Plakate übersprühen, aber dabei überfordert sind, so dass sich die Bevölkerung schon darüber amüsiert, was sie beim Übersprühen übersehen haben.


Ein anderes Plakat lautet: „Genug gekämpft, jetzt weiter mit Diplomatie!“ Das muss nicht unbedingt auf die Atomverhandlungen gemünzt sein, sondern ist wohl eher eine Aufforderung an die Bevölkerung, den Staat unterschwellig zu unterlaufen, so dass die Repression ins Leere läuft.


Am Schluss sei noch ein drittes Plakat vorgestellt:
Ein Schild mit der Aufschrift: Übergang für Behinderte, dahinter ein Sprühbild von einem Skater.

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Islamische Republik ist kein Leben

Am heutigen Dienstag, den 8.7.2014, ist ein 36-jähriger Mann auf einen Funkmast in Teheran gestiegen und hat gedroht sich umzubringen


„Lügen“, „Unterdrückung“ und „Armut“

Er hatte dabei einen gelben Umhang an, auf dem die Worte : „Lügen“, „Unterdrückung“ und „Armut“ geschrieben standen. Es versammelte sich schnell eine Menge Schaulustiger, die die Szene mit Smartphones aufnahmen.

Die herbeigerufene Feuerwehr schickte mit einem Kran einen Feuerwehrmann bis zu dem jungen Mann hinauf. Sie verhandelten dort in großer Höhe so lange, bis er freiwillig wieder herunterstieg. Unten angekommen wurde der Mann von Sicherheitskräften festgenommen.

Ein iranischer Rechtsmediziner hat am 11.4.2014 bekannt gegeben, dass in den vergangenen neun Monaten täglich elf Iraninnener oder Iraner im Iran Selbstmord begangen haben. Insgesamt belief sich die Zahl auf 3125 Menschen. Davon waren 982 Frauen und 2143 Männer. Als wichtigste Ursachen hatte er Armut, gesellschaftliche Unterdrückung, keine Hoffnung für die Zukunft und Depressionen genannt.

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Iran: Public viewing – Feier einer Niederlage

Auch im Iran ist das Fußballfieber ausgebrochen. Und wie man sieht, ist auch dort das Anschauen von Direktübertragungen der Spiele in der Öffentlichkeit (public viewing) zu beobachten, diesmal ohne die in iranischen Stadien aufgezwungene Geschlechtertrennung.

Da die Iraner nicht unter überspannten Erwartungen leiden, war es für sie schon ein Grund zu feiern, als die iranische Mannschaft im Spiel mit der nigerianischen ein 1:1 erzielte, und auch die Niederlage gegen die argentinische Mannschaft mit 0:1 wurde wie ein Sieg gefeiert. Denn das Tor fiel in der 91. Minute und wurde von Messi geschossen, und der schießt schließlich auch bei ganz anderen Tore.

Die iranischen Behörden hatten zwar martialisch angekündigt, dass sie sich auf Unruhen während der Fußballspiele vorbereiten, ließen dann aber die feiernden Menschenmengen in Ruhe.

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Iran: Kampf ums Überleben


Auf dem Foto ist ein Blinder zu sehen, der sein tägliches Brot damit verdient, dass er den Passanten erlaubt, sich auf seiner Waage zu wiegen. Einmal abgesehen davon, dass das Sozialsystem im Iran offensichtlich nicht in der Lage ist, den Unterhalt von Menschen mit Behinderung zu sichern, zeigt das Foto außerdem, dass es den Menschen inzwischen so schlecht geht, dass nicht einmal der Blinde mehr vor Dieben sicher ist. Deshalb hat er die Waage an einer Kette befestigt.

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Iran: Nicht genug Geld um sich ein Ei zu kaufen

Für das kommende Haushaltsjahr hat die iranische Regierung zur Gewährleistung der Sozialhilfeleistungen eine Budgeterhöhung in Höhe von 50.000 Mrd. Toman veranschlagt.

Um diese Einnahmen zu erzeugen, stehen der Regierung bestimmte, eng begrenzte Möglichkeiten zur Verfügung: Dazu zählt die Erhöhung der Preise bei staatlich bereitgestellten Infrastrukturgütern wie Wasser, Strom, Gas, Benzin, Diesel, … . Sie darf dabei den Preis von einem Jahr auf das andere maximal um 38% erhöhen.

Dr. Abed Fatahi, der Abgeordnete der Stadt Urumiye, hat in einem Interview erklärt, dass es gesetzlich vorgeschrieben sei, dass die Regierung diese Preiserhöhung erst nach dem 22. März umsetzen kann. Dessen ungeachtet habe die Regierung Rouhani schon Mitte letzten Monats damit begonnen. Es sagte weiter, dass diese Erhöhung die Menschen unzufrieden mache und sie in diesem Fall die Regierung nicht mehr unterstützen würden.

Zur Verwirrung der Menschen trage bei, dass in vielen Haushalten zu Beginn des aktuellen Monats Gas-Rechnungen in doppelter Höhe eingegangen seien. Insbesondere so kurz vor dem iranischen Jahreswechsel und den Noruz-Feiertagen habe das der Stimmung im ganzen Land geschadet.

Weiter meinte Dr. Abed Fatahi, dass er im Parlament Mitglied der Fraktion Rouhani sei. Dennoch sei das der falsche Weg. Vielmehr sollten die Einnahmen über die Erhöhung des Erdölexports gesteigert werden. Er würde sich schämen, wenn er seiner Stadt von der Bevölkerung kritisiert würde, von Leuten, die nicht genug Geld hätten, sich auch nur ein Ei zu kaufen und daher keine Ahnung hätten, wie sie diese Preiserhöhungen jetzt finanzieren könnten.

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Sabol (Iran): Nomaden oder Obdachlose

Die iranische Nachrichtenagentur hat mit Angehörigen der Qasaqsehi gesprochen, die jetzt im Süden Irans als Nomaden leben.

Infolge eines Hochwassers waren sie obdachlos geworden und ziehen nun mit ihren Zelten und Habseligkeiten von Ort zu Ort. Ihren Unterhalt verdienen sie mit Eseln, die sie züchten. Das neunjährige Mädchen auf dem ersten Photo war in seiner Kindheit aufgrund der Armut der Eltern zum Arbeiten an Afghanen verkauft worden, lebt jetzt aber wieder mit seinen Angehörigen. Mit zehn soll es heiraten. Das ist früh, sagt das Mädchen, aber in ihrem Leben wird man früh alt.

Die Nomaden haben Bücher, aber sie kann sie nicht lesen, sagt sie mit Bedauern. Es ist ein karges Leben, nur das Fernsehen hat auch bei ihnen Einzug gehalten.

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Iran: Esspakete – Teil 2


Der Inhalt des Warenkorbs im Weiterverkauf

Wir hatten schon berichtet, dass die iranische Regierung einen „Warenkorb“ zur Verteilung an die Ärmsten eingeführt hat und auf gewisse Ähnlichkeiten zu den im deutschen Asylverfahren üblichen Esspaketen hingewiesen. Wie sich in der Fortsetzung zeigt, finden sich noch weitere Gemeinsamkeiten. So ist klar, dass dann, wenn der Staat über die Bedürfnisse entscheidet und sie in realsozialistischer Manier durch Verteilung zu befriedigen versucht, die „Begünstigten“, die etwas anderes benötigen, selbst eine Lösung suchen müssen. Und die besteht im Weiterverkauf der Ware. So kommen sie zu Geld, mit dem sie das kaufen können, was sie möchten. Solche Verlustgeschäfte machen auch Asylsuchende in Deutschland, die den Inhalt der Esspakete weiterverkaufen, zwar unter Preis, aber immerhin haben sie dann etwas Geld in der Tasche. Das ist das reale Wirtschaftsleben, das den staatlichen Planern aller Systeme seit je ein Dorn im Auge war.

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Iran: Von der Sozialhilfe zum Esspaket


Warten auf das Esspaket

Unter der Regierung von Präsident Ahmadineschad wurden im Iran zahlreiche staatliche Subventionen gestrichen und als Ersatz eine Art „Sozialhilfe“ namens „Yarane“ (Freundschaftsgeld) eingeführt. Dieses Geld wird auf das Konto derjenigen überwiesen, die der Staat als bedürftig einstuft. Angesichts der anhaltenden Verarmung der Bevölkerung hat die neue Regierung unter Präsident Rouhani ein neues Projekt ins Leben gerufen, das unter dem Namen „Sabade Kala“ (der Warenkorb) die Ärmsten erreichen soll.


Warten…

Der Warenkorb
Bevor wir uns der Frage zuwenden, wer Anspruch auf diesen Warenkorb erhält, der in Deutschland besser unter dem Namen „Esspaket“ bekannt ist, da er hierzulande vor allem gegenüber Flüchtlingen praktiziert wird und wurde, schauen wir uns einmal den Inhalt an.
Ein Esspaket enthält:

  • 2 gefrorene Hühnchen
  • 10 kg indischen Reis
  • 2 Päckchen Käse zu je 400 g
  • 24 Eier
  • 2 Flaschen zu je 810 g Speiseöl

und das alles liebevoll verpackt in Plastiktüten.

Aus den Reihen der iranischen Parlamentarier wurde schon die Frage aufgeworfen, wieso es indischen Reis gebe und keinen iranischen? Auf diesem Weg könne man zugleich die einheimische Landwirtschaft stärken.


Der Mann verteilt die Gutscheine für den „Warenkorb“

Und wer ist berechtigt?
Nach Angaben der Regierung sind die Arbeiter, die monatlich unter 500.000 Tuman verdienen, berechtigt, den Warenkorb, der vielleicht 200.000 Tuman wert ist, zu beziehen. Der Witz an der Sache: Nach staatlicher Gesetzgebung beträgt der Mindestlohn für Arbeiter 500.000 Tuman, das heißt, kein Arbeiter hätte das Recht, solche Esspakete zu beziehen. Das ist auch ein Kritikpunkt der iranischen Arbeitnehmervertreter. Faktum ist, dass die Arbeitsgesetzgebung nicht eingehalten wird, so dass von den angeblich 17 Millionen Arbeitern, die es im Iran geben soll, immerhin noch 5 Millionen Arbeiter angeblich in den Genuss dieser Pakete kommen sollen. Das sind die, die gar keine richtigen Arbeitsverträge besitzen und zum Teil gezwungen wurden, Blankopapiere statt eines Arbeitsvertrags zu unterschreiben. Da die bedürftigen Arbeiter zum Teil schon „Sozialhilfe“ in Form von Yarane beziehen, müssen alle, die ein Esspaket erhalten wollen, eine Bescheinigung der Bank über ihr Einkommen vorlegen. Das Resultat: Lange Warteschlangen vor den Banken, dann lange Warteschlangen vor den Verteilerpunkten der Esspakete.


Er hats geschafft!

Und die Bauern?
Zu Recht kritisieren Abgeordnete des iranischen Parlaments, dass die derzeit definierte Empfängergruppe zu klein ist. Nicht nur, dass sie einen Teil der bedürftigen Arbeiter ausschließt, die Bauern werden sogar völlig ignoriert. Da sie keine Lohnempfänger sind, haben sie auch keine Einkommensnachweise. Aber unter auch unter ihnen ist die Armut groß, da die Importpolitik seit Ahmadineschad die Landwirtschaft in den Bankrott getrieben hat. Und nach den iranischen Statistiken kämen 88% Prozent der Rentner nicht in den Genuss der Esspakete, weil auch sie über 500.000 Tuman im Monat beziehen.


und sie auch

Die 500.000 Tuman-Grenze
Nach dem aktuellen Wechselkurs bekäme man für die 500.000 Tuman 125 Euro.
Für 500.000 Tuman kann man im Iran 12 kg gutes Fleisch kaufen.
Die Miete für ein Zimmer in Teheran beträgt mindestens 250.000 Tuman.
Aufgrund dieser horrenden Preise müssen mindestens 60% der jungen erwachsenen Iraner weiter bei ihren Eltern wohnen, weil sie sich eine Wohnung nicht leisten können, zumal viele von ihnen arbeitslos sind. Selbst die Angestellten und Lehrer, die im Monat anderthalb Millionen Tuman verdienen, also das Dreifache des Mindestlohns, müssen in der zweiten Hälfte des Monats in den leeren Kühlschrank schauen, für mehr reicht auch ihr Einkommen nicht.
Wir sehen, dass man diejenigen, die mehr verdienen jedenfalls nicht unbedingt als wohlhabend bezeichnen kann.

Der Sinn der Esspakete
Es wäre falsch zu behaupten, die iranische Regierung hätte sich die Einführung der Esspakete beim deutschen Innenminister abgeguckt. Denn hierzulande dienen sie dazu, die unerwünschten Flüchtlinge rauszuekeln, im Iran dagegen sind sie dagegen begehrt, weil es den Menschen dreckig geht. Nicht ohne Grund bilden sich jetzt überall lange Schlangen. Nicht ohne Grund verlangen 40 Abgeordnete des iranischen Parlaments mit ihrer Unterschrift die Bildung einer Untersuchungskommission, die feststellen soll, wer in den Genuss dieser Pakete kommen darf und wer nicht. Natürlich gibt es auch gewisse Gemeinsamkeiten mit dem deutschen System. Wenn der Staat verteilt, machen diejenigen Geschäfte, denen der Staat den Auftrag dazu gibt. Wer will schon kontrollieren, ob das Speiseöl 810 g wiegt oder 790?
Für den Staat hat diese Verteilaktion, so viel Unruhe sie auch unter der Bevölkerung auslöst, einen Vorteil. Sie weckt Hoffnungen unter den Ärmsten, und wer hofft, will nichts riskieren. So, wie schon heute die Bezieher der Sozialhilfe „Yarane“ vorsichtig mit Protesten in der Öffentlichkeit sind, aus Angst, sie könnten damit diese Unterstützung beziehen. Nach dem Prinzip „Teile und herrsche“ ist dies aus der Sicht der Machthaber ein vernünftiges Programm, denn die Paketempfänger werden nicht mehr gegen sie auf die Straße gehen. So gelingt es den Regierenden, einen Keil zwischen den Armen zu treiben, zwischen denjenigen, die wenig haben, und denen, die noch weniger haben.

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