Archiv der Kategorie 'Soziales'

Iran: Analphabetismus heute

In verschiedenen Webzeitungen wird darüber berichtet, dass in den südlichen iranischen Provinzen Sistan und Balutschistan sowie Chusistan die Zahl der Kinder, die die Schule nicht besuchen, steigt. Was die Analphabetenrate angeht, folgen die Regionen West-Aserbaidschan und Ost-Aserbaidschan. Zuverlässige Zahlenangaben fehlen. Bekannt sind nur amtliche Angaben, dass im ganzen Land 1,43 Millionen Kinder zwischen 6 und 18 (Schulpflichtalter) derzeit die Schule nicht besuchen, das sind ein Viertel der Kinder im schulpflichtigen Alter. Das iranische Kultusministerium behauptet, dass der Unterschied zwischen Jungen und Mädchen gering sei und die Jungen 51%, die Mädchen 49% der Schüler ausmachten. Dies scheint nicht der Wirklichkeit zu entsprechen. Denn aus den südlichen Provinzen wird berichtet, dass bevorzugt die Töchter zu Hause behalten werden, damit sie zu Hause arbeiten, und es nach Ansicht der Eltern auch nicht schlimm ist, wenn die Töchter nicht lesen und schreiben können. Die hohe Arbeitslosigkeit im Iran führt zudem dazu, dass die Eltern den Arbeitsmöglichkeiten hinterher ziehen, also nicht mehr unbedingt einen dauerhaften Wohnsitz haben, was den Schulbesuch der Kinder erschwert, wenn der Staat nicht darauf eingerichtet ist.
Auffällig ist allerdings, dass der Analphabetismus in den Regionen besonders hoch ist, in denen die Muttersprache der Kinder nicht persisch ist, sondern Balutschi, Arabisch oder Aseri (Aserbaidschanisch). Möglicherweise verstecken sich hinter dem mangelndem Schulbesuch auch noch andere Faktoren, etwa die schulische Vernachlässigung der sogenannten Minderheiten, die im Iran zusammengenommen sogar die Mehrheit bilden.

Quelle:
http://www.radiozamaneh.com/250438

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Iran: Menschenkette um die Sozialversicherung

Vergangenen Freitag, den 20. November 2015, fand vor der iranischen Sozialversicherung in Teheran eine Kundgebung von über 5000 Teilnehmern statt, die eine Menschenkette um das Gebäude bildeten. Die Teilnehmer protestierten gegen das Ausufern von befristeten Arbeitsverträgen, die die Menschen aus der Sozialversicherung ausschließen. Außerdem verlangten sie, dass die Verschmelzung der bankrotten Krankenversicherung mit der Arbeitslosenversicherung rückgängig gemacht werden soll. Ein Sprecher der Protestierenden erklärte, für diese Maßnahme gebe es überhaupt keine gesetzliche Grundlage.
Quelle:
http://www.kaleme.com/1394/08/29/klm-230051/

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Iran: Sozialversicherung wirft 100.000 TeppichweberInnen raus

Wie Sirus Nasiri, Technischer Direktor und Leiter der Abteilung für die Einkünfte der „Organisation der Sozialversicherung“ (Saazemaan-e Ta‘min-e Ejtemaa‘i) am Sonntag, den 18.10.2015, gegenüber der iranischen Nachrichtenagentur Mehr erklärte, wurde 100.000 TeppichweberInnen und Personen, die Handarbeiten anfertigen, die Mitgliedschaft in der Sozialversicherung gestrichen. In 60.000 bis 70.000 Fällen sei dies wegen „fehlender Beschäftigung“ erfolgt, in den übrigen Fällen wegen „fehlender Einzahlung der Versicherungsbeiträge.
Insgesamt würden 65.000 Personen, die Handarbeiten anfertigen, und 429.000 TeppichweberInnen, von der Sozialversicherung erfasst. TeppichweberInnen zahlen 7% ihres Versicherungsbeitrags, der Staat zahlt 20% (und wer zahlt den Rest?).
Auch bei den Bauarbeitern sieht es mau aus: Wie Mohammad Hassan-Sada, Assistent der Sozialversicherung, am 14. Oktober erklärte, wurde die Versicherung von 14.000 Bauarbeitern, die „ein hohes Einkommen“ (??) hätten, gestrichen.
Die „Organisation der Sozialversicherung“ ist das größte Versicherungsunternehmen des Irans, von ihr wird fast die Hälfte der iranischen Bevölkerung erfasst.

Quelle:
http://www.etehadefedaian.org/%D8%A8%DB%8C%D9%85%D9%87-%DB%B1%DB%B0%DB%B0-%D9%87%D8%B2%D8%A7%D8%B1-%D9%82%D8%A7%D9%84%DB%8C%E2%80%8C%D8%A8%D8%A7%D9%81-%D8%A7%DB%8C%D8%B1%D8%A7%D9%86%DB%8C-%D9%82%D8%B7%D8%B9-%D8%B4%D8%AF

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Bilder aus dem iranischen Dorf Deras

Das Dorf Deras liegt im Landkreis Sabol, Region Sistan und Balutschistan, Iran.

Quelle:
http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=96472

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Teheran: 15.000 drogensüchtige Obdachlose

Der iranische Innenminister, der zugleich auch Generalsekretär des Stabs zur Bekämpfung der Drogensucht ist, hat kürzlich erklärt, dass allein in Teheran 15.000 Drogensüchtige auf der Straße leben, also obdachlos sind. Er wies in einer veröffentlichten Erklärung des Innenministeriums auch darauf hin, dass es in Teherans früher einmal Plätze zur Unterbringung und Behandlung von 400 Drogensüchtigen gab, jetzt sei die Zahl der Plätze auf 60.000 erhöht worden. Aus den Äußerungen gewinnt man den Eindruck, dass die 60.000 sich auf das gesamte Land bezieht. Denn in der Meldung heißt es weiter, dass derzeit 3000 Plätze in Behandlungszentren (marakez-e negahdari) (gemeint ist vermutlich: in Teheran) belegt seien, für weitere 3000 sei noch Platz, insgesamt würden die Plätze in Teheran auf 10.000 erhöht. Genaue Zeitangaben macht auch der Innenminister nicht.
Wie oberflächlich der Innenminister an die Sache herangeht, sieht man daran, dass er keine Angaben über die Arten der konsumierten Drogen noch über die Zahl der Abhängigen macht. Man vergleiche die dürftige Meldung mit folgendem Bericht auf EU-Ebene:
http://www.suchtmonitoring.ch/docs/library/europaische_beobachtungsstelle_fur_drogen_und_drogensucht_ebdd_9k1giovteohz.pdf

Quelle:
http://www.pyknet.net/1394/07shahrivar/23/page/motad.php

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Iran: Aus dem Leben von staatlich angesiedelten Nomaden

Die Fotos stammen aus der ländlichen Region nördlich von Schiras, dem Siedlungsgebiet von Nomadenstämmen.

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Iran: Der Aufstand der Massen


In totalitären Regimen ist es schwer, irgendeine Bewegung aufzubauen, die nicht zur Verhaftung führt. Deshalb sind die Iraner erfinderisch geworden, Möglichkeiten zu schaffen, zusammen zu kommen. Sei es zum Mülleinsammeln im Stadtpark, sei es zum Schutz der Hunde oder eben zum Sport. Tai-Chi hat jetzt auch im Iran eine zunehmende Zahl von Anhängern zu verzeichnen, wie dieser Auftritt im „Park des Wassers und Feuers“ (Park-e Ab o Atasch) in Teheran zeigt:

hier die Männer


hier die Frauen


und trotz islamischer Bekleidung so farbenfroh, dass sich jeder islamische Fundamentalist im Grabe umdrehen wird.

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TierschützerInnen im Iran


Auch im Iran hat sich inzwischen eine Tierschutzbewegung gebildet. Die BürgerInnen protestieren dagegen, dass streunende Hund mit Giftspritzen getötet werden, so dass sie qualvoll verenden. Sie fordern, dass die Tiere entweder kastriert werden oder an Tierschutzvereine abgegeben werden. Um keiner politischen Umtriebe verdächtigt zu werden, drücken sie sich auf ihren Plakaten vorsichtig aus. So schreiben sie: „Alles sind Gottes Schöpfungen“. Oder: „Das Gebot der Religion ist die Barmherzigkeit.“
Hoffen wir, dass es ihnen nicht ergeht wie in Österreich, wo einigen Tierschützern gar die „Bildung einer kriminellen Vereinigung“ vorgeworfen wurde.

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Iran:Bilder


Torkaman Sahra

Torkaman Sahra

Torkaman Sahra

Torkaman Sahra

Torkaman Sahra


Orumiye -Noruzbazar

Orumiye -Noruzbazar

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Hamedan

Hamedan

Hamedan

Hamedan

Hamedan

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Tabu-Bruch im Iran: Ehe ohne Trauschein

Während die iranische Geistlichkeit mit allen Mitteln bis hin zur ideologischen Rechtfertigung der Säureattentate versucht, die Frauen aus dem öffentlichen Leben zu verbannen, hat sich unter der jungen Generation, die die Mehrheit der Bevölkerung darstellt, eine neue Lebensform entwickelt. Obwohl das islamistische Regime vorsieht, dass Männer bis zur vier Frauen haben dürfen und außerdem eine unbegrenzte Zahl von „Ehefrauen auf Zeit“ – sei es für eine Stunde oder ein Jahr oder länger, entscheiden sich immer mehr jüngere Iraner und Iranerinnen zu einer anderen Lösung, die auch uns nicht fremd ist. Sie leben einfach zusammen. Ohne Papier. Ajatollah Golpayegani wetterte kürzlich, das sei völlig gegen die islamischen Sitten, wenn das so weitergehe, werde der Iran nur noch aus unehelichen Kindern bestehen.
Diese Lebensform ist inzwischen keine Erscheinung von ein paar Hundert oder Tausend, sondern von Hunderttausenden. Da Schwangerschaften in diesem Zusammenhang allerdings sehr problematisch sind, weil die rechtliche Lage der Kinder äußerst ungünstig ist, führt dies dazu, dass viele Frauen die Pille benutzen oder eine Abtreibung in Anspruch nehmen. Das wiederum hat zu einem drastischen Anstieg der Preise für Abtreibungen geführt.

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Pflegenotstand im Iran

In Teheran fand am Sonntag, den 14. Dezember 2014, eine Kundgebung des Pflegepersonals vor der Vertretung des Staatspräsidenten statt, an der rund 700 Personen teilnahmen. Sie forderten Löhne, die ihnen ein Überleben ermöglichen. Die Kosten im iranischen Gesundheitssystem sind zwar drastisch gestiegen, das Pflegepersonal hat davon aber nicht profitiert. Seit sieben Jahren ist ein Gesetz in Kraft, das ihre wirtschaftliche Lage verbessern soll – angewandt wird es aber nicht. Der Gesundheitsminister hat am 1. Dezember 2014 bekannt gegeben, dass die Löhne für die Pflegekräfte erhöht werden sollen und ihr Mindestlohn jetzt 1,8 Millionen Tuman betragen soll. Das sind umgerechnet 400 Euro. Laut Angaben der iranischen Zentralbank liegt die Armutsgrenze im Iran bei 2 Millionen Tuman, das heißt auch mit diesem neu verkündeten Mindestlohn bleiben die Krankenschwester und Pfleger unter dieser Grenze. An der Kundgebung wollte auch Pflegepersonal aus den iranischen Regionen Masandaran, Gilan und Isfahan teilnehmen. Sie wurden aber von einer staatlichen Institution, deren Name in den iranischen Medien nicht genannt wurde, gewarnt und unter Druck gesetzt, so dass sie nicht nach Teheran fuhren.
Die Folge der miserablen Bezahlung kombiniert mit dem Anstieg der Kosten im Gesundheitssystem ist, dass die Bevölkerung, die nicht zwischen Ärzten und Pflegern unterscheidet, ihren Zorn an den Pflegern auslässt, was die Arbeitsmotivation nicht erhöht, sondern dazu führt, dass jährlich Tausende von Pflegern und Krankenschwestern aus dem Dienst ausscheiden und ihr Glück im Ausland versuchen. Die Arbeit verteilt sich dann auf die Dagebliebenen, ohne Lohnausgleich.

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Teheran: Säureanschlag auf Krankenhausdirektor

Doktor Anwari, Direktor des Sia‘iyan-Krankenhauses in Teheran, wurde am Samstag nachts (29.11.2014) auf dem Heimweg von zwei Motorradfahrern attackiert, die ihm Säure ins Auge und ins Gesicht spritzen. Er wurde darauf zur Behandlung in ein Krankenhaus eingewiesen.
Die beiden Angriffer waren Bassidschi-Studenten, die ohne Qualifikationen zum Studium zugelassen werden. Doktor Anwari unterrichtet nebenberuflich auch Medizin, und die beiden Bassidschi-Studenten hatten von ihm trotz schlechter Leistungen eine gute Benotung verlangt. Doktor Anwari hatte dies abgelehnt, mit der Begründung, dass sie ihr Fach nicht beherrschten und später dann als Ärzte Menschen behandeln sollen.
Die beiden Bassidschi-Studenten bedrohten ihn darauf, und wie man sieht, haben sie ihre Drohung auch umgesetzt. Die beiden Studenten wurden auch festgenommen, aber man wird sehen, ob sie straffrei ausgehen oder nicht.

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Iran: Tod eines Popstars


Die ersten Menschen versammeln sich vor dem Krankenhaus nach dem Tod von Mortesa Pascha‘i

Vergangene Woche ist der iranische Popmusiker Mortesa Pascha‘i im Alter von 30 Jahren an Bauchkrebs gestorben. Es war kein verbotener Sänger, auch im staatlichen Fernsehen durfte er mitunter auftreten, auch wenn das Regime generell nicht viel von Popmusik hält. Seine Lieder waren eher traurig, aber sehr beliebt.


Der Sarg kommt in den Menschenmassen nicht mehr weiter, junge Gesichter, sie machen Handyfotos

Das führte dazu, dass schon kurz nach Bekanntwerden seines Todes in Teheran, Maschhad, Qaswin, Schiras, Isfahan, Hamedan, Kermanschah, Ahwas, Sandschan, Yasd und Semnan sowie in vielen kleineren Städten Menschen mit Kerzen auf die Straßen gingen und einige seiner Lieder sangen. Im Gegensatz zu dem, was sonst bei Trauerfeiern üblich ist, klatschten sie mancherorts dabei auch in die Hände. An manchen Orten reagierte die Polizei verständnisvoll und ließ die Menge gewähren, an anderen, wie Maschhad, schritt sie ein und verhaftete eine Anzahl von Trauernden.


Keine Kundgebung – alles Trauernde!

Es waren so viele Menschen auf die Straßen gekommen, dass am jeweiligen Ort der Verkehr zum Erliegen kam. Klar ist, dass nicht das Regime hierzu aufgerufen hatte. Auch die Angehörigen des Verstorbenen hatten die Bevölkerung per Radio aufgerufen, nach Hause zu gehen und keine Parolen zu rufen.


Poster, von Hand ausgedruckt

Woher kamen die Menschen dann? Nun – Internet und SMS sind im Iran schon so stark vertreten, dass der Informationsfluss auf diesem Weg nicht mehr in der Hand der Regierung liegt, das einzige, was sie tun kann, ist die Geschwindigkeit des Internets herabzusetzen. Auffällig war auch, dass die Menschen überall Fotos von Mortesa Pascha‘i in der Hand hielten. Auch dies ein Zeichen, dass genügend Menschen zu Hause einen kleinen Drucker besitzen, so dass keine staatlich kontrollierte Drucker das unterbinden kann.

Es kam so weit, dass der Tote in der Nacht begraben wurde, weil der Totenzug sonst gar nicht auf der Straße vorangekommen wäre.
Die Staatsanwaltschaft von Qaswin und andere Machtorgane sprachen natürlich gleich davon, dass diese Trauerfeiern vom bösen Ausland angezettelt worden seien.


Beerdigung bei Nacht

Aber Faktum ist, dass der Staat wie auch die Opposition im Inland und Ausland von diesem Ausmaß an Sympathie für den Sänger überrascht waren.
Viele Zeitungen im Iran schrieben, dass dieses spontane Auftreten der Menschenmengen nicht nur überraschend war, sondern auch einen Grund zum Nachdenken bietet.
In „Tabnak“ erschien am 16. November 2014 ein interessanter Artikel unter dem Titel „Ramzgosha‘i-ye ruznameha az tawajjoh-e bi-sabeqe-ye jame°e be dar-gozasht-e xanande-ye jawan“ („Die Zeitungen lüften das Geheimnis der unvergleichlichen Anteilnahme der Gesellschaft am Tod eines jungen Sängers“).

Wir kennen unser Volk nicht
Tabnak weist darauf hin, dass diese spontanen Kundgebungen sowohl für die „Elite“ (gemeint sind die Machthaber) wie auch für die politischen Parteien völlig überraschend kamen. Überraschend, weil sie das Volk nicht mehr kennen. Ihre Ideen und Vorbilder haben sich weit von dem entfernt, was die heutige Generation beschäftigt. So ist es kein Wunder, dass auch viele der Trauernden unter 30 waren. Ohne Namen zu nennen, schreibt Tabnak, dass diese Generation nichts mehr mit den Gedanken der Ajatollahs am Hut hat, aber auch die traditionellen Parteien, die Monarchisten, die Kommunisten u.s.w. prägen ihr Denken nicht mehr. Diese Generation ist sich selbst Vorbild. Mortesa Pascha‘i war einer der Ihren. Die Reaktion auf seinen Tod war keine Kundgebung, es geht nicht um den Sturz irgendeines Regimes, Mortesa Pascha‘i war ein Sänger, der ihre Gefühle angesprochen hat. Und diese Gefühle haben sie jetzt auf die Straße getragen.


Es gibt einen, der nicht mehr ist…

Die verbrannte Generation
Nasle suxte – Die verbrannte Generation, so nennt Tabnak diese Jugend, die in ihren besten Jahren die vollen Schläge der Wirtschaftskrise, die kulturelle Enge, die sozialen Probleme durchmachen muss und sich mit Zähnen und Klauen wehren muss, um am Leben zu bleiben. Die Elite hat sie bislang schlicht und einfach ignoriert. Jetzt ist sie aus dem Staub aufgetaucht, unter dem sie begraben war. Auferstanden von den Toten.

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Iranische Sozialpolitik

Wie die iranische Nachrichtenagentur ISNA berichtet, haben Bewohner des Armenviertels Seytun im Nordosten von Teheran vor der staatlichen Rundfunk- und Fernsehgesellschaft „Seda wa Sima“ gegen die Zerstörung ihrer Häuser protestiert. Die Menschen leben zum Teil schon seit 29 Jahren dort, manche haben eine Besitzurkunde, viele nicht. Jetzt hat die Stadtverwaltung von Teheran begonnen, die Häuser zu demolieren und ihre persönliche Habe zu zerstören. So werden die Menschen obdachlos.

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Iran in den Fängen der Schwarzen Hand

Seit einiger Zeit treten namentlich in Teheran Straßenkünstler unter dem Namen ‚Black Hand‘ an die Öffentlichkeit. Sie nutzen die Hauswände ähnlich wie die Grafitti-Maler, wobei ihre Kunst oft eine klare Botschaft vermittelt.

Berühmt geworden ist ihr Plakat mit einer jungen Iranerin, die in den Farben der iranischen Fahne gekleidet ist und eine Spüli-Flasche wie den Siegespokal bei den Fußballweltmeisterschaften in die Höhe hält. Ihr Gesichtsausdruck ist dabei eine Mischung von Empörung und Verachtung.
Das Plakat spielt darauf an, dass die iranischen Sittenwächtern den Frauen verboten, gemeinsam mit den Männern in der Öffentlichkeit bei der Übertragung der Fußball zuzuschauen. Die Frauen sollen brav zu Hause bleiben… Dass frau da sauer wird, versteht sich.
Sauer werden auch die Sittenwächter, die jeden Morgen die geklebten Plakate übersprühen, aber dabei überfordert sind, so dass sich die Bevölkerung schon darüber amüsiert, was sie beim Übersprühen übersehen haben.


Ein anderes Plakat lautet: „Genug gekämpft, jetzt weiter mit Diplomatie!“ Das muss nicht unbedingt auf die Atomverhandlungen gemünzt sein, sondern ist wohl eher eine Aufforderung an die Bevölkerung, den Staat unterschwellig zu unterlaufen, so dass die Repression ins Leere läuft.


Am Schluss sei noch ein drittes Plakat vorgestellt:
Ein Schild mit der Aufschrift: Übergang für Behinderte, dahinter ein Sprühbild von einem Skater.

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