Archiv der Kategorie 'Staatspräsident'

Irans Mollas: Vom Papier-Tiger zum Pappkameraden?

In verschiedenen iranischen Städten waren kürzlich seltsam anmutende Gedenkfeiern zu sehen. Am 1. Februar 2012 war der 33. Jahrestag der Ankunft von Ajatollah Chomeini aus seinem Pariser Exil. Jahr für Jahr wurde das mit Paraden und Reden gefeiert. Diesmal war es anders. Die Regierung Ahmadineschad ließ übergroße Pappbilder von Ajatollah Chomeini anfertigen und stellte mit diesen Pappbildern verschiedene Stationen der Ankunft von Ajatollah Chomeini dar.


Hier steigt er aus dem Flugzeug aus und wird von einer Ehrengarde empfangen. Die beiden Offiziere, die ihn damals stützten, wurden wenig später von Chomeinis Regime umgebracht.


Sprechblase: „Das stimmt. Damals, 1979, war der Empfang genau so. Nur, die Leute, die hinter ihm standen oder in der Nähe der Treppe standen, sind hingerichtet worden, mussten fliehen oder sind im Gefängnis.“


Hier sieht man den Papp-Chomeini in der Alawi-Oberschule (Dabirestan-e Alawi), wo er nach dem Besuch des Beheschte-Sahra-Friedhofs, des allerersten Ziels seiner Ankunft im Iran nach zehn Jahren Exil, Audienz hielt und diverse Politiker empfing. Auch diese Politiker überlebten diesen Empfang nicht lang. Frauen, wie auf dieser von der Regierung nachgestellten Szene zu sehen, waren damals natürlich nicht zugegen.

Nun wird im Iran das Wort Pappe (Moqawaa) nicht immer in schmeichelhaften Zusammenhängen verwendet. Wenn man sagen will, dass ein Kühlschrank nichts taugt, sagt man, er ist aus Pappe. Wenn ein schnell gebautes Hochhaus schlampig und mit schlechtem Material hochgezogen wurde, sagt man auch, das ist aus Pappe, das hält höchstens zehn Jahre. Und Ahmadineschad ließ den Ajatollah ausgerechnet aus Pappe anfertigen. Auch der „Papier-Tiger des Imperialismus“, von dem Mao Tse Tung einst sprach, ist ein geflügeltes Wort geblieben. Sprich – vor den Geistlichen muss man sich nicht fürchten. Wenn man sieht, wie beharrlich Ahmadineschad die Geistlichen als korrupt darstellt und sich als angeblich unbestechlich präsentiert, wenn man hört, wie Ahmadineschads Vertreter öffentlich erklärt, dass Massaker nach den Protesten gegen die gefälschten Präsidentschaftswahlen sei von Ajatollah Chamene‘i zu verantworten („Wir haben den Schießbefehl nicht erteilt“), und wenn man sieht, wie Ahmadineschad auf die nationalistische Karte gegenüber der religiösen Machtansprüche setzt, erscheint diese seltsame Art von Gedenkfeier mehr als geschickte Vorlage für den spöttischen Volksmund als eine ernst gemeinte Angelegenheit.

Und der Volksmund bedankt sich: Überall macht man Witze, bei denen die zahllosen Parolen des Ajatollah-Regimes dankbar recyclet werden.

Hieß es früher:
Ruh-e mani Chomeini, Bot-shekani, Chomeini!
Du bist meine Seele, Chomeini, du bist derjenige, der den Götzen (=Schah) zerschlägt, Chomeini!

So heißt es heute:
Ruh-e mani Moqawaa, Bot-shekani, Moqawaa!
Du bist meine Seele, Pappe, du bist derjenige, der den Götzen (=Schah) zerschlägt, Pappe!
Im Persischen reimt sich das schön.

Oder:
Taa chun dar rage maast, Chomeini rahbare maast!
Solange Blut in unseren Adern fließt, ist Chomeini unser Führer!

Heute:
Taa chun dar rage maast, Moqawaa rahbare maast!
Solange Blut in unseren Adern fließt, ist Pappe unser Führer!
(In Deutschland wäre daraus bestimmt Pappnase geworden…)

Oder der Witz:
Was ist der Unterschied zwischen einer Pappe, die iranischen Boden betritt, und Chomeini? Antwort: Keiner – beide fühlen nichts dabei.
(Dies spielt auf eine Episode im Flugzeug Paris-Teheran an, als ein Journalist Chomeini fragte, was er denn fühle, jetzt, wo er nach zehn Jahren im Exil wieder in den Iran zurückkehre. Chomeini antwortete damals: „Nichts.“)

Ajatollah Chamene‘i hat bislang nicht dagegen protestiert, Ajatollah Rafsandschani sehr wohl, und die Reformisten genauso. Denn Leute wie Mussawi, die von den „Goldenen Zeiten Chomeinis“ schwärmen, fühlen sich natürlich nicht sehr wohl, wenn jetzt ihr Heiliger zum Volksgespött wird.

Wie wir sehen, beherrscht Ahmadineschad sein politisches Handwerk – von der Wahlfälschung, zur Folter, zum politischen Mord und zum Militärputsch, aber im Gegensatz zu so manchen verkalkten Turbanträgern nutzt er auch den Spott geschickt für seine Zwecke.

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Iran: Fenster oder Drehtür?


Ali Mottahari

Ali Mottahari, Sohn des bekannten iranischen Geistlichen Ajatollah Mortesa Mottahari, ist derzeit ein Mitglied des iranischen Parlaments. Ali Mottahari gehört der fundamentalistischen Gruppe der Prinzipialisten an und ist zugleich auch der Bruder der Ehefrau des Parlamentspräsidenten Ali Laridschani. Um seine folgende Äußerung zu verstehen, muss man wissen, dass er nicht nur ein energischer Anhänger von Ajatollah Chamene‘i war – bis vor einem Monat hat er auch den bloßen Namen von Ajatollah Rafsandschani nicht erwähnt. Denn der ehemalige iranische Präsident Rafsandschani gilt als einer der indirekten Unterstützer der „Grünen Bewegung“ und ihrer bekanntesten Führer, namentlich von Mirhossein Mussawi und Mehdi Karubi, die beide noch unter Arrest stehen. Und diese Führer wurden vom Präsidentenwahlfälscher Ahmdineschad und seinem geistlichen Gehilfen Ajatollah Chamene‘i stets als „Sarane Fetne“ – „die Köpfe der Intrige“ denunziert, die mit der Grünen Bewegung den Iran ins Chaos stürzen wollten. Sogar Rafsandschanis Tochter wurde angegriffen und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.
Vor diesem Hintergrund sind die Worte von Ali Mottahari zu sehen:

„Und heute wird die jüngste politische Krise kein Ende finden, solange er (gemeint ist Ajatollah Rafsandschani) nicht auf die politische Bühne zurückkehrt und beispielsweise auch keine Freitagspredigt hält. Denn seine Ansichten sind gerecht und realistisch.“
Sowie: „Herr Haschemi (Rafsandschani) war vielleicht der erste, der Ahmadineschad durchschaute, die Gefahr spürte und die Art, wie er das Land führte, als gefährlich einstufte.“
Wie kommt Ali Mottahari dazu, seinen Gegner auf einmal in den höchsten Tönen zu loben? Und wie kommt es, dass Ali Mottahari nicht verhaftet wird, wenn er Ajatollah Chamene‘i kritisiert, andere aber sehr wohl?
Wir versuchen, eine Antwort auf diese überraschende Entwicklung zu geben.

Der Ajatollah und sein Präsident
Als Ajatollah Chamene‘i den Wahlbetrug von Mahmud Ahmadineschad bei den Präsidentschaftswahlen im Juni 2009 unterstützte und seinen Schützling gegen das demonstrierende Volk verteidigte, tat er das in der Hoffnung, mit dem Ausschluss der Reformisten aus dem Kreis der Macht einen engeren Zusammenhalt zwischen den Machthabern aufzubauen und seine Position gegenüber der Konkurrenz aus der Geistlichkeit zu festigen. Deshalb übte Ajatollah Chamene‘i keine Kritik an der gnadenlosen Unterdrückung der Proteste gegen den Wahlbetrug, mehr noch, sein Sohn Modschtaba Chamene‘i, der als Leiter des Sekretariats des Religiösen Führers direkt an den Schalthebeln der Macht saß, war einer der Organisatoren der grenzenlosen Staatsgewalt und einer der Verantwortlichen für die Schaffung des Folterzentrums Kahrisak.

Der Präsident und sein Ajatollah
Aber es kam anders als sich Ajatollah Chamene‘i das vorgestellt hatte. Mahmud Ahmadineschad durchsetzte die Verwaltung einschließlich der Geheimdienste mit seinen Leuten, brachte die Pasdaran und Bassidschis in führende Positionen, militarisierte den Staat und scheute sich schließlich nicht, auch die vertraulichen Gespräche des Religiösen Führers abhören zu lassen, was ihm ein enormes Insiderwissen verschaffte, mit dem er die religiöse Elite erpressen konnte. Mehr noch: Ahmadineschad versuchte, bei der Bevölkerung damit zu punkten, indem er die Korruption der Geistlichkeit anprangerte – seine eigene verschwieg er natürlich. Das hat zu einer Situation geführt, in der der Ajatollah nicht mehr die Macht hat, Ahmadineschad abzusetzen, obwohl er es jetzt gerne täte.

Wie werden wir den Präsidenten los?
Das ist die entscheidende Frage für die an der Macht verbliebenen Geistlichen. Die Armee, die Pasdaran und die Bassidschis können sie gegen Ahmadineschad nicht einsetzen, denn in diesen Organen hat er auch seine Anhänger. Politisch können sie ihm nichts anhaben – er setzt die Minister ein und ab, wie er will, wenn das Parlament ihn vorlädt, kommt er nicht, und auch die Justiz ist machtlos gegen ihn. Wer hätte schon die Macht, ihn vor Gericht zu laden? In diesem Gleichgewicht der Kräfte gibt es nur ein Gewicht, dass die Geistlichkeit gegen den Präsidenten in die Waage werfen kann. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung mit Ahmadineschad. Aber wer kann das Volk mobilisieren? Chamene‘i und seine Handlanger? Denen glaubt keiner mehr, und zu ihren „Feiertagen“ geht keiner mehr freiwillig und unbezahlt auf die Straße. Das ist die Stunde, in der sich die Fundamentalisten auf den alten Fuchs Rafsandschani besinnen, dessen Tochter eben diese Fundamentalisten wegen Handlungen „gegen die Sicherheit des Landes“ verurteilen ließen.

Zwischen den Zeilen
Wenn Ali Mottahari meint, dass die politische Krise kein Ende finden werde, solange Rafsandschani keine Freitagspredigt hält, mag man sich fragen – Was soll denn die Freitagspredigt eines Mannes lösen? In dieser kleinen Bemerkung verstecken sich mehrere Hinweise. So hat Ajatollah Rafsandschani vor seinem politischen Verstummen in seiner Freitagspredigt geäußert – als Antwort auf entsprechende Aufforderungen der versammelten Menge: „Wir müssen diejenigen trösten, denen Wunden zugefügt wurden (gemeint sind die Gefolterten und ihre Angehörigen), wir müssen die politischen Gefangenen freilassen (gemeint sind Reformisten wie Mussawi und Karubi) und wir müssen das Volk um Verzeihung bitten.“ Mit diesen Worten hat Ajatollah Rafsandschani einen positiven Eindruck unter vielen Gläubigen hinterlassen. Ajatollah Rafsandschani ist jetzt gefragt als einer, der das Volk auf die Seite der Fundamentalisten ziehen soll, damit sie Ahmadineschad loswerden.

Im U-Boot das Fenster öffnen?
Ajatollah Chamene‘i und sein Umkreis halten nichts von dieser Idee, denn sie haben Angst, dass es Rafsandschani zwar gelingen mag, die Massen zu mobilisieren, aber sie bezweifeln, dass er sie dann noch bändigen kann. Wenn Rafsandschani frei reden soll, wird er auch die Freilassung von Mussawi und Karubi fordern. Und wenn die beiden frei sind, werden sie ebenfalls politische Forderungen stellen und politischen Freiraum fordern. Und wenn die Bevölkerung wieder frische Luft spürt, dann wird sie ebenfalls ihre Forderungen stellen, und diese Forderungen sind das Ende der religiösen Diktatur. Aus diesem Grund will ein Teil der Fundamentalisten so weiter machen wie bisher, auch wenn ihre Macht im Staat sich immer mehr auflöst. Am Ende dieses Zauderns wird dann die Diktatur von Ahmadineschad stehen, gegen den sich die Geistlichen immer weniger durchsetzen können.
Die Alternative dazu ist der Vorschlag von Ali Mottahari. Diese Kreise vertrauen auf die geschickte Zunge und die List Rafsandschanis und hoffen, dass ihm die Kunst gelingt, mit Hilfe des Volks Ahmadineschad von der Macht zu vertreiben, ohne dass die Geistlichen dabei auch über Bord geworfen werden. Das Volk soll ein bisschen Feuer speien wie ein chinesischer Drache, aber danach wieder schweigen wie ein erloschenes Feuerzeug.
Das meint Ali Mottahari mit den Worten, die oben zitiert wurden.

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Ahmadi, zerschlag den Götzen! Wahlkampf im Iran

Am Freitag, den 30. Dezember 2011, fand in Teheran ein Treffen des Wahlstabs des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadineschad statt. Es handelt sich noch um seinen Wahlstab aus der Zeit der Präsidentschaftswahlen vom Juni 2009. Dass er überhaupt noch existiert, kommentierte die Zeitung Tehran Times mit der verwunderten Frage, ob denn mehr als nur zwei Amtsperioden für den Präsidenten vorgesehen seien? Nach der iranischen Verfassung kann der Präsident nicht für eine dritte Periode antreten. Der Wahlstab befasste sich in Gegenwart von Ahmadineschad mit verschiedenen Themen, so etwa, ob die Kampagne gegen Ahmdineschad, seine Regierung als „abweichlerisch“ zu bezeichnen, in der Bevölkerung ankomme, wie es um die Person von Esfandyar Rahim Mascha‘i stehe, ein enger Berater von Ahmadineschad, dessen Tochter mit Ahmadineschads Sohn verheiratet ist und der auch im Rahmen von Bestechungsskandalen in der Bevölkerung bekannt wurde.
Der Wahlstab hat wohl auch schon ein Wahlmotte entworfen:


Ahmadi, zerschlag den Götzen, zerschlag den großen Götzen.

Wer mit Götze gemeint ist, wird nicht gesagt, aber es dürfte sich auf den Religionsführer Ajatollah Chamene‘i handeln. Und da das Zerschlagen von Götzen ja auch ein Werk des Propheten war, scheinen die Wahlmanager wohl nochmal die Rolle Ahmadineschads als von Gott Inspiriertem aufwärmen zu wollen. Ahmadineschad hatte ja nach seiner Rede vor der UNO in New York behauptet, Lichterscheinungen gesehen zu haben, und es sei nicht die Deckenbeleuchtung gewesen…
Da die Abhaltung der Wahlen eine Aufgabe des Innenministeriums ist und dieses in der Hand von Ahmadineschad liegt, befürchten die Gegner Ahmadineschads (also die Prinzipialisten um Chamene‘i), dass er das Ministerium zur Manipulation der Wahlen benutzen wird.
Da sprechen sie wohl aus Erfahrung, bei den Präsidentschaftswahlen haben sie Ahmadineschad ja noch eifrig bei der Fälschung der Wahlergebnisse unterstützt.

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Iran: Versuchte Verhaftung von Ali Akbar Dschawanfekr


Die Regierungszeitung „Iran“ protestiert mit weißem Titel gegen den gestrigen Angriff der Justiz auf ihren Chef Dschawanfekr

Wie am Vortag berichtet, hatten Beamte der iranischen Justiz gestern versucht, den Medienberater des Präsidenten Ahmadineschad am Sitz der von ihm geführten Zeitung „Iran“ zu verhaften. 80 bewaffnete Beamte sollen dabei im Einsatz gewesen sein. Durch den Widerstand der Mitarbeiter der Zeitung und aus anderen Gründen wurde diese Verhaftung verhindert. Die gestrige Meldung, dass bei den Protesten gegen die Stürmung des Zeitungsgebäudes durch die Justizbeamten auch der Provinzgouverneur von Teheran, Mortesa Tamaddon, verletzt worden sei, hat sich als falsch herausgestellt. Laut neuesten Nachrichten hat er zwar die Verletzten „getröstet“, aber er selbst ging unversehrt aus diesem Gefecht hervor.
Anderen Quellen zufolge soll Präsident Ahmadineschad gedroht haben, er werde kommen und seinen Berater Ali Akbar Dschawanfekr persönlich befreien, wenn einer es wage, ihn festzunehmen. Die Justizbeamten traten den Rückzug an, bevor Ahmadineschad eingetroffen war.
Von den knapp 40 Journalisten und Zeitungsmitarbeitern, die den Justizbeamten Widerstand leisteten und abgeführt wurden, sind laut jüngsten Meldungen alle noch am selben Tag wieder freigelassen worden.

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Iran: Kampf um die Medienmacht

In den Zeiten von Fernsehen und Internet ist der Einfluss auf die Medien ein wichtiges Mittel, seine Macht abzusichern, egal ob es um Bertelsmann, Berlusconi oder den iranischen Präsidenten Ahmadineschad geht. Die Methoden der Auseinandersetzung unterscheiden sich freilich von Fall zu Fall.
Derzeit wird im Iran ein neues Kapitel im Machtkampf an der Spitze der Macht eröffnet. Heute erschienen Beamten der Justizverwaltung im Sitz der staatlichen iranischen Zeitung „Iran“, um Ali Akbar Dschawanfekr zu verhaften.


Ali Akbar Dschawanfekr
Ali Akbar Dschawanfekr ist nicht nur der entscheidende Mann an der Spitze dieser Zeitung, er ist zugleich auch der leitende Manager der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA und Medienberater von Präsident Ahmadineschad. Er sollte verhaftet werden, weil er zum einen ein Foto, das „gegen die islamischen Sitten“ verstößt, veröffentlicht habe, zum andern, weil er in einem Interview den Generalstaatsanwalt Esche‘i und den ehemaligen Außenminister Mottaki kritisiert habe. Aus diesem Grund war er vor 15 Tagen von einem Revolutionstribunal zu einem Jahr Haft verurteilt worden. Ohne eine Ladung erhalten zu halten – das behaupten zumindest die Anhänger des Medienberaters, kamen die Beamten ins Gebäude der Zeitung, um Ali Akbar Dschawanfekr zu verhaften. Dabei setzten sie auch Tränengas und Taser (eine Schusswaffe, deren Projektile Elektroschocks versetzen) ein. Anfänglich soll er mit angelegten Handschellen in seinem Arbeitszimmer eingesperrt gewesen sein, aber seine Anhänger verhinderten erfolgreich, dass er abgeführt wurde.


Provinzgouverneur Mortesa Tamaddon

Widerstand
Bei der versuchten Verhaftung rief Dschawanfekr laut: „Tod den Gegnern der Herrschaft des Rechtsgelehrten“, worauf eine größere Zahl seiner Anhänger, Journalisten wie auch außenstehende Personen, ebenfalls Parolen riefen und das Lied „Märtyrer, wo bist du?“ sangen. Sie forderten, Dschawanfekr dürfe nicht ohne Vorladung und nicht mit Handschellen verhaftet werden, das sei ehrenrührig. Es kam sogar zu Verletzten unter den anwesenden Anhängern des Medienmachers, über 30 Personen sollen festgenommen worden sein, darunter auch Journalisten. Ein Verletzter, dessen Namen bekannt wurde, ist interessanterweise der Provinzgouverneur von Teheran Mortesa Tamaddon. Dieser Mann ist u.a. der Chef der Polizeibehörde der Provinz Teheran! Er gehörte zu denjenigen, die der Verhaftung Dschawanfekrs durch Beamte der Justiz handfesten Widerstand entgegensetzte.

Ahmadineschad interveniert
Als Ahmadineschad von der versuchten Festnahme seines Medienberaters erfuhr, verließ er eine Sitzung, um sofort zu intervenieren und seinen Lügendoktor (zu Englisch „spin doctor“) aus der Klemme zu befreien. Er soll vor Ort erschienen sein und darauf gedrungen haben, dass Dschawanfekr nicht verhaftet wird. Offensichtlich erfolgreich, denn bis jetzt konnten die Justizbeamten ihn nicht abführen.


Ajatollah Mahdawi Kani, das Gesicht der Traditionalisten

Die Fronten hinter dem Rauchvorhang
An diesem Machtkampf sind drei Gruppen beteiligt: die traditionellen Fundamentalisten um Ajatollah Mahdawi Kani, hinter denen die traditionelle Geistlichkeit, die Basarhändler und die reichen religiösen Stiftungen stehen und die derzeit das Parlament und den Justizapparat in der Hand haben (geführt von zwei Laridschani-Brüdern). Außerdem die radikalen militaristischen Fundamentalisten um Ajatollah Mesbah Jasdi, die einen Teil der Pasdaran und des Sicherheitsapparats hinter sich haben, vor allem die Leute an der Spitze dieser Apparate. Auf der Gegenseite stehen Ahmadineschads Anhänger, die die Regierung und die Verwaltung des Landes bis hinunter auf die Lokalebene in der Hand haben, sowie die einfache Mitgliederbasis der Bassidschis und der Pasdaran, also die breite Masse des Sicherheitsapparats. Wollte man die drei Gruppen nach ihrer Wirtschaftsmacht einstufen, könnte man die Leute um Mahdawi Kani als die traditionelle Wirtschaftselite bezeichnen, diejenigen um Mesbah Jasdi als die frühen Aufsteiger nach der Revolution. Diejenigen, die hinter Ahmadineschad stehen, sind erst mit seiner Machtergreifung an die Futtertröge der Macht gelangt und konnten nur Dank seiner Unterstützung im Bankenapparat, im Erdölsektor oder in einträglichen staatlichen Posten – die Korruption lässt grüßen – zu wirtschaftlicher Macht gelangen.


Ajatollah Mesbah Jasdi, Ahmadineschads Ziehvater, geht auf Distanz zu seiner Kreatur

Es wird scharf geschossen
Wir sehen den Rauch, wir hören die Namen, aber was sind die Ziele? Gehen wir einen Schritt zurück. 2009, zu den Präsidentschaftswahlen, gab es neben Ahmadineschad zwei weitere Kandidaten: Karubi und Mirhossein Mussawi. Mussawi gewann in den Wahlen die Mehrheit der Stimmen. Aber Ajatollah Chamene‘i sorgte dafür, dass sich Ahmadineschad gegen die Volksmehrheit durchsetzte. Ahmadineschad, einmal in seiner zweiten Amtsperiode bestätigt, machte sich ans Werk. Er ließ im Amt des Religiösen Führers, also von Ajatollah Chamene‘i, Wanzen und Filmgeräte installieren, und bekam über den Stellvertreter des Geheimdienstministers sämtliche vertraulichen Gespräche aus dem Zirkel der Macht zugesteckt. Kopien diese Beweismittel ließ er zur Sicherheit auch ins Ausland schaffen. Als der Geheimdienstminister, ein Mann Chamene‘is, mitbekam, was sich hinter seinem Rücken abspielte, wollte er den Stellvertreter entlassen. Ahmadineschad erlaubte es nicht. Der Minister drohte darauf mit seinem Rücktritt, Ahmadineschad akzeptierte. Darauf intervenierte Chamene‘i, und der Minister kehrte noch am selben Tag in sein Amt zurück. Aber um welchen Preis?

Wenn ich 60% ausplaudere
Ahmadineschad erklärte jüngst öffentlich, wenn man ihn absägen wolle, solle man eins nicht vergessen. Es ging um den aktuellen Bankenskandal im Iran, wonach über das Bankensystem 3 Milliarden Dollar in die Taschen der Machthaber umgeleitet wurden. Ahmadineschad deutete an, dass dieser Transfer letztlich in die Taschen von Modschtaba Chamene‘i, des Sohns von Ajatollah Chamene‘i erfolgte. Und er erklärte: Jetzt sage ich nur 10% von dem, was ich weiß. Wenn ich 25% Prozent davon verraten würde, dann würden selbst Mauselöcher, in denen man sich verstecken könnte, eine kostbare Sache. Und wenn ich die übrigen 60% ausplaudern würde (Mathe scheint nicht seine Stärke), dann würde die Islamische Republik in ihren Grundfesten erschüttert. Mit seinem Plan, vom nahenden Imam Mahdi zu künden und damit die Rolle des Religiösen Führers zunichte zu machen, attackierte er direkt das symbolische Zentrum der Macht, das Amt des Religiösen Führers, also von Ajatollah Chamene‘i. Angesichts der heiklen Informationen, die Chamene‘i in der Hand des Präsidenten weiß, versucht er seine Stellung so gut es geht zu wahren und bemüht sich, die beiden anderen Flügel um Ajatollah Mesbah Jasdi und um Ajatollah Mahdawi Kani um sich zu scharen. Er weiß, wenn er zu hart gegen Ahmadineschad vorgeht, ist es um seine Macht geschehen. Also hält er die beiden anderen Fraktionen dazu an, Ahmadineschad in Ruhe zu lassen, er sei ja nur noch zwei Jahre in seinem Amt. Diese beiden Fraktionen sehen durchaus die Gefahr, die von Ahmadineschad für ihre Position ausgeht, zumal auch sie tief in diesem korrupten System integriert sind und sich ausrechnen können, dass sie nach dem Sturz des Religiösen Führers als nächste in der Ziellinie Ahmadineschads stehen werden.
Aber die Aussicht, dass Chamene‘i entmachtet wird, schreckt sie keineswegs. Im Gegenteil, dann würde der Weg frei für einen aus ihren beiden Fraktionen. Daher halten sie sich nicht an das Machtwort Chamene‘is, Ahmadineschad in Ruhe zu lassen, und versuchen über ihren Einfluss auf die Justiz, empfindliche Schläge gegen Ahmadineschad zu versetzen, indem sie der Reihe nach seine engsten Mitarbeiter verhaften. Der Angriff auf seinen Medienberater und den Chef der wichtigsten iranischen Nachrichtenagentur ist ein solcher Schlag. Wenn Chamene‘i über die Gegenreaktion von Ahmadineschad stürzt, wird die nächste Runde im Machtkampf eingeläutet. Dann werden sich die heute verbündeten Fraktionen gegenüber stehen. Und sie werden direkt mit ihrem dritten Gegner konfrontiert sein. Deshalb sprechen sie offen von zwei Verschwörungen: Der von 2009 – gemeint ist die Grüne Bewegung, und der Verschwörung der „Abweichler“, gemeint ist Ahmadineschad. Der Kampf gegen die „Abweichler“ werde wesentlich blutiger ausfallen als die Niederschlagung der „Verschwörung von 2009″, warnen sie, denn die „Abweichler“ seien bewaffnet. Und sie haben Recht. Der Provinzgouverneur Mortesa Tamaddon ist nur ein Beispiel dafür…

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Iran: Feuer unterm Dach


Der Religiöse Führer, Ajatollah Chamene‘i

Die gegenseitigen Angriffe der verschiedenen Fraktionen, die im Iran Macht ausüben und sich nur in einem einig sind, nämlich in der Unterdrückung der Bevölkerung, werden immer heftiger.

So musste kürzlich der Wirtschaftsminister vor dem Parlament antreten, das einen Misstrauensantrag gegen ihn einbringen wollte. Grund ist eine riesige Affäre, in die der Großteil des iranischen Bankensektors verwickelt ist. Es geht um die Veruntreuung von nicht weniger als drei Milliarden Dollar, die die Machthaber aus dem Bankensystem für private Zwecke abgezweigt haben. Der Wirtschaftsminister sollte für diese Veruntreuung ebenfalls zur Verantwortung gezogen werden. Darauf drohte Präsident Ahmadineschad vor dem Parlament, wenn es seinen Wirtschaftsminister absetze, werde er auspacken. Mit seinen Reden im Vorfeld deutete Ahmadineschad an, dass der Drahtzieher der Veruntreuungen Modschtaba Chamene‘i, der Sohn des Religiösen Führers, sei. Die Drohungen wirkten: Als der Wirtschaftsminister vor dem Parlament erschien, hatte der Parlamentspräsident Ali Laridschani bereits eine Botschaft des Religiösen Führers erhalten und begann, den Wirtschaftsminister zu verteidigen. Der Wirtschaftsminister überstand diese Parlamentssitzung unbeschadet, und damit war das Kabinett von Ahmadineschad noch einmal gerettet.

Die Affäre war damit freilich nicht beendet. Ahmadineschad versucht, sich als Vertreter des Volks zu profilieren und wettert gegen die Ungerechtigkeit der Justiz. Der stellvertretende Bankdirektor, der eine Aufsichtsfunktion ausübt, aber kein Entscheidungsträger ist, wurde in Haft genommen, nicht aber der Executive Director, der die Entscheidungen getroffen hat, die die Umleitung der 3 Milliarden Dollar in Privatkanäle ermöglichten. Ahmadineschad erklärte auf einer Inlandsreise, er wünsche, er wäre im Erdboden versunken, wenn er die Armut in den Dörfern sehe und daran denke, dass andere im Lande fast platzten, weil sie sich so voll gefressen hätten. Auch ein Seitenhieb auf Dschawad Laridschani fehlte nicht. Dieser hat in Varamin 700 Hektar Land an sich gerissen, das Stiftungen und Privatpersonen gehörte. Er, Ahmadineschad, habe sich darauf beim Leiter der Justiz – also Sadeq Laridschani – beschwert und verlangt, dass Dschawad Laridschani (ein Bruder von Sadeq und Ali) das Land zurückgebe, das den Privatpersonen gehöre. Die Justiz habe nicht reagiert.

Was die Kritik an seinem Kabinett angeht, dem 21 Minister angehören, gab Ahmadineschad den Schwarzen Peter an die Religiöse Führung zurück. Von den 21 Personen seien 11 auf einer Liste des Religiösen Führers gestanden, die er einsetzen musste, obwohl er von seinen Anhängern dafür kritisiert worden sei. Die Namen der 11 nennt er freilich nicht.
Auch die Breitseiten gegen seinen Stellvertreter Mascha‘i wehrte Ahmadineschad ab. Wer den Vorwurf erhebe, Mascha‘i habe Bestechungsgelder gezahlt, irre sich. Nicht Mascha‘i habe das Geld ausgegeben, sondern er selbst. Und wenn jemand wissen wolle, für wen das Geld bestimmt gewesen sei: Es gebe keinen einzigen Freitagsprediger, der nicht um finanzielle Unterstützung ersucht habe. Natürlich habe er sie unterstützt, da sei doch nichts Schlechtes daran. Das seien schließlich die Vertreter des Religiösen Führers.

Ahmadineschad verteidigte auch die Absetzung des Außenministers Mottaki. Der Mann sei um 9 Uhr gekommen und um 14 Uhr gegangen, und habe nur 4 Tage in der Woche gearbeitet. Mottaki antwortete darauf, von den 20 Absätzen, die die Rede Ahmadineschads umfasste, seien 24 Absätze Lügen…

Dass Ahmadineschad sich traut, so offensiv an die Öffentlichkeit zu gehen, hängt auch damit zusammen, dass er als Stellvertreter des Geheimdienstministers eine Person eingesetzt hatte, die dafür sorgte, dass sämtliche Gespräche des Religiösen Führers abgehört werden. Den Inhalt der Gespräche kennt Ahmadineschad, und damit kann er trumpfen.
Chamenei trat nun an die Öffentlichkeit und erklärte, dass die iranische Verfassung geändert werden müsse. Es wäre besser, wenn der Präsident vom Parlament gewählt würde und nicht vom Volk. Das zielt klar gegen die Position von Ahmadineschad und seines Teams, hätte aber gleichzeitig auch eine Konzentrierung der Macht in den Händen des Religiösen Führers zur Folge.

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Chamenei und Ahmadinejad fragen sich, wer wohl der Nächste ist: Assad oder sie?


Chamenei und Gaddafi


Ahmadinejad und Gaddafi


Gaddafi und Assad

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Schlammschlacht zwischen Ahmadinejad und Chamenei

Wie wir unter dem Titel „Islamisches Banking im Iran: das Vorbild des Großen Teufels“ berichtet haben, wurde kürzlich ein riesiger Bankenskandal im Iran öffentlich. Sieben Banken haben ca. 3 Mrd. Dollar veruntreut. Ahmadinejad und Chamenei sind ebenfalls in diesen Skandal verwickelt.

Über das Thema wird breit in verschiedenen iranischen Medien berichtet. Die Zeitungen, die Ahmadinejad nahe stehen, suchen die Schuldigen im Lager von Chamenei (ohne dessen Namen zu nennen) und umgekehrt. Noch nie wurde in der iranischen Bevölkerung derart breit über ein vergleichbares Thema diskutiert. Man diskutiert in allen Schichten, ob auf dem Land oder in der Stadt, ob auf der Straße oder im Parlament. Letzte Woche drohte Ahmadinejad in einem Interview, dass er bald Veruntreuungen von anderer Seite bekannt machen werde. Kategorisch schloss er aus, dass der Staat in irgendeiner Weise involviert sei.

Im iranischen Parlament wird dieses Thema täglich angeschnitten und rückhaltlose Aufklärung eingefordert. Gestern, den 2.10.2011, haben elf iranische Parlamentarier ihre Namen unter ein Schriftstück gesetzt, dass einer Großen Anfrage im Bundestag entspricht. Ahmadinejad soll sich hinsichtlich des aktuellen Korruptionsskandals rechtfertigen.

Auch Ajatollah Chamenei, der sich sonst gerne staatsmännisch und über den Dingen schwebend gibt, kam nicht umhin, sich in dieser Sache zu äußern. Anlässlich eines Vorbereitungstreffens für Organisatoren der Pilgerreise nach Mekka sprach er über diesen Korruptionsskandal und erinnerte, dass er schon früher stets vor Koruption gewarnt habe. Wenn man sich daran gehalten hätte, wäre laut Chamenei dieser Skandal nicht passiert.

Ein Zitat aus seiner Rede erscheint morgen in allen Zeitungen:

Ali Chamenei: „Die Judikative sollte die korrupten Personen unbarmherzig verfolgen“. (Anmerkung: Dieser Spruch wird ebenso ungehört verhallen wie der gleiche Satz, den er schon vor zehn Jahren zum Besten gab. Er ist für die einfachen, gläubigen Leute gedacht. Die genannten korrupten Personen haben nämlich beste Kontakte zu den Machthabern in Judikative, Geheimdiensten und Revolutionswächtern. )


Ali Chamenei vor Organisatoren der Pilgerreisen am 3.10.2011

Im Zusammenhang mit dieser Auseinandersetzung steht die Meldung, dass Mahmoud Khavari, Vorstandsvorsitzender und leitender Direktor der iranischen Nationalbank, eine einflußreiche Persönlichkeit, die Ahmadinejad nahe steht, sich vor einigen Tagen ins Ausland (Kanada) abgesetzt hat. Seine Bank war eine der sieben Banken, die im Namen des Korruptionsskandals genannt wurden.


Mahmoud Reza Khavari leitet eine Pro-Ahmadinejad-Demo nach dessen Wahlfälschung vom Juni 2009


Mahmoud Reza Khavari und sein neues Domizil in Kanada

Ein Bänker namens Ali Ansari, der Ajatollah Chamenei nahe steht, wird von der Gegenseite beschuldigt, in den Bankenskandal verwickelt zu sein. Das Photo unten zeigt sein imposantes Anwesen in Teheran.

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Ahmadineschad: leere Versprechen, wie üblich


Die wegen Spionage inhaftierten Bergsteiger Shane Bauer und Josh Fattal

Heute, den 19. September 2011, ist der iranische Präsident Ahmadineschad nach New York geflogen, um dort vor der UNO zu sprechen. Im Vorfeld hatte er verkündet, dass er die beiden US-Staatsbürger Shane Bauer und Josh Fattal mitbringen werde, die beim Bergsteigen verhaftet und als angebliche Spione zu je acht Jahren verurteilt worden waren. Ahmadineschad behauptete, die beiden seien jetzt freigelassen worden und würde bald bei ihren Familien in den USA eintreffen. Die US-Außenministerin hatte diese Ankündigung begrüßt und sie als gute Nachricht bezeichnet. Beim Abflug von Ahmadineschad waren die beiden Gefangenen allerdings nicht dabei. Der Anwalt der Gefangenen hatte erklärt, dass die beiden erst eine Kaution bezahlen müssten, vorher könne von einer Freilassung nicht die Rede sein. Ahmadineschads Konkurrenten im Staatsapparat ist zudem wenig daran gelegen, im Vorfeld der iranischen Parlamentswahlen Ahmadineschad den Trumpf dieser Freilassungen zu überlassen. Wenn schon, habe der religiöse Führer – Ajatollah Chamene‘i – über eine Freilassung zu entscheiden.
Innenpolitisch gewinnt Ahmadineschad aber auch so: Er steht als der Kompromissbereite dar, der von den fundamentalistischen Hardlinern an guten Werken gehindert wird.

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Welche Rolle spielen die iranischen Revolutionsgarden im Moment?

Gleich nach der Gründung der Islamischen Republik Iran wurde die Organisation der Revolutionswächter gegründet. In kurzer Zeit konnte sie sich über das ganze Land ausdehnen und Mitglieder oder Anhänger in jeder Stadt und jedem Dorf ausbilden. Um dem regulären unter dem Schah ausgebildeten Militär, dem nach der Revolution kein Vertrauen mehr entgegen gebracht wurde, eine Gegengewicht gegenüberzustellen, wurden die Pasdaran in vollem Umfang militärisch ausgerüstet. Selbst viele Linke sahen darin eine Notwendigkeit um sich von den imperialistischen Mächten (USA) unabhängig zu machen.


Truppenparade letzte Woche mit Religionsführer Chamene‘i sowie Aziz Jafari und anderen Befehlshabern der Pasdaran

Dann kam der Krieg gegen den Irak (1980 bis 1988). Im Verlauf dieses Krieges bauten die Revolutionswächter ihre Mannschaftsstärken stark aus und bildeten eigene Truppenteile bei Heer, Luftwaffe und Marine. Nach Kriegsende wurde bei den Mitgliedern gesiebt und nur die treuesten Anhänger konnten bleiben. Ihre Zahl schrumpfte von ca. 300.000 Mann im Jahr 1988 auf heute etwa 125.000.

Die Revolutionswächter drangen mit den Jahren in den Bereich der Wirtschaft vor. Im Jahr 2004 gelang ihnen mit dem Wahlsieg von Ahmadinejad, in das Feld der Politik einzudringen. Nach und nach kontrollierten sie immer größere Teile des Parlaments. Auch wenn der der iranischen Bevölkerung die Zusammenhänge klar waren, bemühten sich die Pasadran immer darum, im Hintergrund zu bleiben. Scheinbar vollkommen neutral und unbeteiligt positionierten sie ihre Anhänger in Politik und Wirtschaft. Er vor Kurzem ließen die Pasdaran ihre Maske fallen und traten auch in die Öffentlichkeit.

Hatten die Pasdaran mit dem Staatspräsidenten Ahmadinejad eben noch einen bedeutenden Vertreter an der Spitze des iranischen Staates, so wenden sich seit wenigen Wochen die wichtigsten Repräsentanten der Revolutionswächter von ihm ab und distanzieren sich von Ahmadinejad Aziz Jafari, Oberbefehlshaber der Pasdaran, erklärte neulich, dass die Judikative den Pasdaran die Pflicht aufgetragen habe, „Abweichler“ zu kontrollieren (gemeint sind die Personen aus dem Umfeld von Ahmadinejad). Offen wird zugegeben, dass sie verfolgt, festgenommen und gefoltert werden und dass es damit immer noch weitergeht. Die Spaltung zwischen den Anhängern Ahmadinejads und führenden Personen der Pasdaran wurde in zahlreichen Geheimsitzungen ausgefochten und das Ergebnis ist, dass Ahmadinejad nun klein beigeben musste. Nachdem er sich in den letzten Wochen stets kämpferisch gezeigt hatte und gedroht hat auszupacken, falls eine Grenze überschritten würde, schweigt er nun und erklärt, dass es wichtiger sei, die Regierungsgeschäfte zu verfolgen als zu reagieren.

In der Zwischenzeit verkündet Aziz Jafari, dass die Pasdaran nicht nur militärische Pflichten hätten, sondern auch kulturelle, gesellschaftliche und politische. Man werde sich mit aller Kraft auch hier einsetzen. Vor dem Hintergrund des enormen Rückhalts der Pasdaran im Parlament und der Staatsverwaltung bekannte Jafari sich dazu, den Reformisten bei den nächsten Staatspräsidenten-Wahlen keine Chancen zu geben. Sie hätten ihre Chance bei den letzten Wahlen gehabt und dann eine rote Linie überschritten.

Massud Jasayeri, Stellvertreter Kommandeur der regulären Armee und Pasdaran, mischte sich neulich in der Zeitschrift „Sobhesadegh“ (Früher Morgen, Morgengrauen), einem Organ der Pasdaran, sogar in die iranische Außenpolitik ein: Er kritisierte das Verhalten der Türkei in Bezug auf die syrischen Flüchtlinge und syrische Opposition und bedrohte die Türkei. Wenn man sich zwischen Türkei und Syrien entscheiden müsse, dann wäre es ganz klar, dass man sich entsprechend „unserer Strategie und Ideologie“ (Anm.: der der Pasdaran) für Syrien zu entscheiden habe.

Im Moment sieht es zwar so aus, als würde Chamene‘i zusammen mit führenden Pasdaran wieder Kontrolle zurückgewinnen. Dies mag für kurze Zeit auch gegenüber Ahmadinejad der Fall sein. Sobald diese Phase aber vorbei ist, ist es sehr fraglich, ob Chamene‘i, der offiziell ja auch Oberbefehlshaber der Revolutionswächter ist, diese Kontrolle mittelfristig auch wirklich ausüben kann.

Die Iraner und Iranerinnen wissen, dass in der Praxis diese bewaffnete Partei der Revolutionswächter über die Strukturen verfügt, in allen gesellschaftlichen Bereichen, beim Militär, in der Wirtschaft, der Politik, im Parlament, in der Judikative und auch im privaten Bereich massiv Einfluss zu nehmen.

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Vom Volkswagen zu Volksvillen

Ein gewisser Herr H., der nicht nur in der deutschen Geschichte seine Spuren hinterlassen hat, ist bei manchen Unverbesserlichen deshalb beliebt, weil er in Deutschland zahlreiche Autobahnen bauen ließ und jedem Deutschen sein Auto, den Volkswagen, versprach.
Diesen Herrn H. sind wir glücklicherweise los, aber solche Methoden ziehen auch heute noch in der Politik.

So hat der iranische Präsident Ahmadineschad, der sich von seinem Ziehvater, dem Religiösen Führer Ajatollah Chamene‘i absetzen will, um weiter an der Macht zu bleiben, ein verlockendes Versprechen einfallen lassen. Er verspricht jedem Iraner ein Grundstück mit 1000 Quadratmetern und darauf eine Villa. Jedem!
Nachdem die Präsidentschaftswahlen vom Juni 2009, als er die Stimmen der Opposition verschwinden ließ, allen Iranern bewiesen haben, dass Ahmadineschad nichts vom Volkswillen hält, hofft er wohl, sich mit Volksvillen an der Macht zu halten.

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Iran – die Geisterfahrer


Iran – die Geisterfahrer

Von Ahmadineschad, dem iranischen Präsidenten, stammt der Ausspruch: „Wir müssen mit ausgeschaltetem Licht fahren, um ans Ziel zu kommen.“
Ein treffendes Bild für das Vorgehen der Personen an der Spitze. Seit Monaten ermahnte Ajatollah Chamene‘i die Pasdaran, sie sollten ihre Streitigkeit besser nicht in der Öffentlichkeit austragen, denn ihre düstere Rolle bei der Unterdrückung der Proteste hat ihnen viel Feindschaft im Volk eingetragen. Die Ermahnungen wirkten ein paar Monate, aber Ahmadineschad hat es geschafft, seine ehemaligen Mitstreiter und jetzigen Gegner aus der Reserve zu locken.


Pasdaran-Befehlshaber General Asis Dschafari – die „Brüder Schmuggler“

Als er darauf hinwies, dass der Iran ein Paradies für Schmuggler sei und die „Brüder Schmuggler“ 37 geheime Häfen zur Verfügung hätten, reagierte Asis Dschafari, der Oberbefehlshaber der Pasdaran, darauf mit der Äußerung, diese Häfen dienten nicht wirtschaftlichen Zwecken, sondern der Sicherheit des Landes.
Ein Anhänger Ahmadineschads konterte rasch mit der Gegenfrage, wofür die Häfen denn konkret dienten, was dort importiert werde.
Die Botschaft war klar. Die Anrede „Brüder“ ist im Iran unter den Anhängern des islamistischen Regimes üblich, so wie Genossen seinerzeit unter Kommunisten und Sozialisten. Jeder im Iran wusste, wen Ahmadineschad meinte – die Pasdaran.
Deren Oberbefehlshaber reagierte darauf mit dem Hinweis, dass die Reformisten nicht von den kommenden Wahlen ausgeschlossen seien, solange sie eine gewisse rote Linie nicht überschritten. Auch das ein Fingerzeig an Ahmadineschad: Wenn du nicht spurst, haben wir auch noch andere Leute, die wir bei den Wahlen lancieren könnnen. Interessanterweise hat General Asis Dschafari damit offen ausgesprochen, was immer wieder behauptet wurde. Dass die Pasdaran entschieden, wer an den Wahlen teilnehmen konnte und wer nicht.
Dieses offene Geständnis ist insofern beachtlich, weil diese Praxis eindeutig gegen die iranische Verfassung verstößt. Diese Verfassung, die immerhin auch eine Reaktion auf die Schahzeit war, sah nämlich vor, dass die bewaffneten Kräfte kein Recht haben, sich in die Politik einzumischen.
Asis Dschafari ging noch einen Schritt weiter. Er wies darauf hin, dass die Pasdaran in der letzten Zeit eine ganze Reihe von Anhängern der Strömung der „Abweichler“ (Enherafi ist die Bezeichnung im Persischen) verhaftet habe, die ihre Macht missbraucht hätten. Gemeint sind hier Leute aus dem engsten Umfeld von Präsident Ahmadineschad. Dass Straftaten von der Justiz aufzuklären wären und nicht von den bewaffneten Organen spielt für General Dschafari offenkundig keine Rolle.
Wenn wundert’s, dass es Ajatollah Chamene‘i allmählich ungemütlich wird? Schließlich soll nicht die ganze Bevölkerung mitbekommen, was sich an der Spitze abspielt. Deshalb ermahnte er jüngst wieder die beiden Seiten, solche Dinge auf privaten Treffen zu besprechen, aber nicht in der Öffentlichkeit. Nützen dürfte es nichts.
Die Geister im Iran fahren offensichtlich nicht nur blind, sondern sind auf beiden Ohren taub.

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Ahmadineschad: Verfallsdatum überschritten


Präsident Ahmadineschad spricht mit Ajatollah Chamene‘i

Die Tatsache, dass sich der iranische „Präsident“ Ahmadineschad mit dem religiösen Führer Ajatollah Chamene‘i angelegt hat, hat zu einer raschen Umbildung der Fronten unter den iranischen Machthabern geführt. Zwar konnte sich Chamene‘i durchsetzen, dass Geheimdienstminister Haydar Moslehi gegen Ahmadineschads Willen in sein Amt zurückkehren konnte, aber dafür boykottierte Ahmadineschad zehn Tage lang die Kabinettssitzungen. Als er dann wieder erschien, macht er zur Bedingung, dass Minister Moslehi den Platz im Kabinett verlässt, bevor er selbst eintrat.
Natürlich geht es nicht um die Person des Ministers, sondern um die Kontrolle über ein Ministerium, dass in jeder Diktatur eine zentrale Rolle spielt, zusammen mit dem Innenministerium und – im Falle des Irans, dem Ministerium für Propaganda (Wesarate Erschad, also Ministerium für religiöse Aufklärung genannt).


Ajatollah Chamene‘i spricht mit Chomeinis Enkel und mit Minister Moslehi (ganz rechts) – ein ganz anderer Gesichtsausdruck

Die Ratten verlassen das sinkende Schiff
Und es geht auch nicht einfach um Ahmadineschad, sondern um die Rolle der Revolutionswächter, der Pasdaran, im Staatsapparat der Islamischen Republik Iran. Chamene‘i scheint eingesehen zu haben, dass es verwegen wäre, sich mit den Pasdaran insgesamt anzulegen, deswegen hat er den Pasdaran-Führern Signale übermittelt, dass sie selbstverständlich nicht mit dem Verlust ihrer Posten und Pfründe zu rechnen haben, wenn Ahmadineschad sein Amt als Präsident verliert. Auch bei den Abgeordneten des iranischen Parlaments, die damals, als sie gewählt wurden, etwa zu zwei Dritteln die Position Ahmadineschads unterstützten, ist die Botschaft angekommen. Heute stellen Ahmadineschads Anhänger nur noch eine Minderheit, obwohl keine Wahlen stattgefunden haben. Dschafar Asisi (Jafar Azizi), der Oberbefehlshaber der Pasdaran, erklärte jüngst: „Kein Amt hat irgendeinen Wert, solange dessen Inhaber den religiösen Führer (das Prinzip der Herrschaft des Rechtsgelehrten) nicht akzeptiert.“

Trauerfeier als Machtkampf – die Plätze bleiben leer
Dass Ahmadineschad nicht klein beigeben will, sieht man auch daran, dass Ajatollah Chamene‘i kürzlich eine Trauerfeier für Fateme Zahra, die Tochter des Propheten, auf dem Vali-Asr-Platz in Teheran anberaumte. Ahmadineschad gab darauf eine entsprechende Trauerveranstaltung auf dem Moniriye-Platz im Süden Teherans bekannt. Drei Tage zuvor hatten Vertreter der iranischen Hisbollah erklärt, dass sie nicht zulassen würden, dass „Verschwörer“ auf dem Moniriye-Platz eine Gegenveranstaltung aufführen, es werde nur eine Trauerfeier geben, sonst würden sie zuschlagen. Zugeschlagen haben sie zwar nicht, aber schlecht besucht waren beide Veranstaltungen, was einmal mehr zeigt, dass es um einen Kampf an der Spitze geht, der die Bevölkerung kalt lässt. Gutes haben sie von keinem der beiden zu erwarten.

Falle für den Ajatollah
Dass Ahmadineschads Angriff auf die Machtposition des religiösen Führers ziemlich erfolgreich war, kann man an mehreren Dingen ablesen. So hat er mit der Annahme des Rücktritts des unerwünschten Geheimdienstministers Heydar Moslehi den religiösen Führer gezwungen, sich mit einem religiösen Dekret ins politische Tagesgeschäft einzumischen, um Moslehi wieder in sein Amt einzusetzen. Mehr noch, dieses religiöse Dekret verstößt gegen die iranische Verfassung. Denn auch wenn sich bislang kein Präsident getraut hat, die von der religiösen Führung beanspruchten Minister (Inneres, Geheimdienst, Erschad und traditionell meist auch Außenministerium) abzusetzen, so ist dieses Privileg nirgends in der Verfassung niedergeschrieben. Mit dem Dekret hat sich Ajatollah Chamene‘i also verfassungsrechtlich aufs Glatteis begeben und bietet seinen Gegnern eine Angriffsfläche.

Wenn der Berg nicht zu Moses kommt, geht Moses zum Berg
Dass Chamene‘i sich bewusst ist, wie wackelig seine Lage ist, sieht man daran, dass er in den letzten vier Monaten fünfmal nach Qom gereist ist, um Unterstützung bei den dort unterrichtenden, einflussreichen Geistlichen zu suchen. Es war nicht wie eine Audienz, bei der er die Besuche der anderen Ajatollahs empfing, sondern umgekehrt, er brauchte ihre Hilfe. Und tatsächlich scheint es ihm gelungen zu sein, einen der wichtigsten Förderer von Ahmadineschad, Ajatollah Mesbahe-Jasdi, umzustimmen. So erklärte dieser vor kurzem, wer die Herrschaft des Rechtsgelehrten nicht akzeptiere, gehöre zu denjenigen, die als „Taghut“ einzustufen seien – so bezeichnete Imam Chomeini und seine Anhänger die Schahanhänger. Und jeglicher Kontakt zu einem „Taghut“ sei religiös unrein und somit verboten.
Ein Freitagsprediger erklärte sogar, ohne Ahmadineschads Namen zu nennen, wer die Herrschaft des Rechtsgelehrten nicht akzeptiere, für den sei sogar die eigene Ehefrau „haram“, das heißt, er darf keinen Kontakt zu ihr haben.

Blutvergießen – die Bücherkultur der Bassidschis
Dass es hier nicht um einen hehren Konflikt von Ideen geht, zeigen die Vorfälle um die Buchmesse in Teheran in der vergangenen Woche (erste Mai-Woche). Vor den Eingängen zur Buchmesse waren 300 bis 400 Polizisten stationiert. Auf einmal gingen die Anhänger von Ajatollah Chamene‘i und die von Ahmadineschad mit Ketten und Gürteln aufeinander los. Es handelte sich um Bassidschis und um sogenannte „Zivilisten“, die eigentlich gekommen waren, um die Polizei zu unterstützen, falls es irgendwelche Proteste auf der Buchmesse gäbe. Die beiden Parteien schlugen sich vor den Augen der Polizisten die Köpfe blutig. Als der anwesende Polizeikommandant gefragt wurde, warum er nicht einschreite, meinte der nur grinsend: „Lass sie sich doch die Köpfe einschlagen.“

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Iran: Der Terminator ist zurück

Iran: Der Terminator ist zurück

Als Ahmadineschad vor kurzem auch das Geheimdienstministerium vollständig unter seine Kontrolle bringen wollte, indem er den Rücktritt von Ajatollah Chamene‘is Vertrauensmann, des Geheimdienstministers Heydar Moslehi, akzeptierte, sprach Ajatollah Chamene‘i ein Machtwort und Minister Moslehi kehrte in sein Amt zurück. Ahmadineschad revanchierte sich, in dem er zehn Tage lang nicht zu den Kabinettssitzungen erschien. Eine ganze Reihe von Ajatollahs und anderen Politikern besuchten ihn darauf zu Hause und versuchten zu vermitteln, es soll sogar ein Treffen zwischen ihm und Ajatollah Chamene‘i gegeben haben.


Szene aus der im Fernsehen übertragenen Kabinettssitzung vom 1. Mai 2011
1. Erster Stellvertreter des Präsidenten, Rahimi
2. Präsident Ahmadineschad
3. Esfandyar Mascha‘i (die graue Eminenz der Regierung Ahmadineschad)
4. der leere Platz von Geheimdienstminister Heydar Moslehi

Am 1. Mai 2011 kehrte Ahmadineschad zurück und feuerte seine Breitseiten gegen den Ajatollah, wobei er die Kanonenkugeln dezent in Geschenkpapier verpackte. Er bedankte sich bei Ajatollah Chamene‘i, dem religiösen Führer, für die guten Ratschläge in seiner bisherigen Amtszeit, und bescheinigte ihm herablassend, ein recht intelligenter Mensch zu sein. Während im schiitischen Islam die traditionelle Beziehung zwischen Geistlichem und Schüler, zwischen Morid und Morad, die des Gehorsams und der Verehrung ist, wählte Ahmadineschad einen ganz anderen Vergleich. Der Ajatollah und er seien wie Vater und Sohn, und da gilt der absolute Gehorsam eben nicht. Auch argumentierte Ahmadineschad, der Staat und das Volk benötige einen starken Präsidenten, es diene auch dem Ansehen des Ajatollah, wenn er einen starken Präsidenten habe. Ein starker Wille benötige auch einen starken Arm. Und das will er wohl sein.

Ahmadineschad, auch ein „Arbeiter der Stirn und Faust“

Da Ahmadineschad in letzter Zeit, auch in dieser Rede, immer wieder gezielt den iranischen Nationalismus anspricht, um sich gegenüber den Geistlichen zu abzuheben, sollen hier seine Worte zu Israel wörtlich zitiert werden.
„Das System der Gewalt und des Hochmuts (gemeint ist die USA) und auch das schmutzige, illegitime zionistische Regime (gemeint ist Israel) sollen wissen, dass Ahmadineschad mit Gottes Willen sowohl in seiner Überzeugung als auch in seiner Politik auf der Basis eines Programms (ihnen) die Feindschaft erklärt hat und bis zu ihrer Auslöschung durchhalten wird.“
Original:
„neza:me solte wa estekba:r ham rejime seyhunistiye palide na:mashru° beda:nand be fazle ela:hi ahmadineja:d
e°teqa:di wa siya:si wa bar as:ase barna:me ba: a:nha: doshmani mikonad wa
ta: na:budiye a:nha: wa ta: a:xar xa:had ista:d“
Quelle: Lenziran.com (die von der staatlichen Radio- und Fernsehgesellschaft Seda o Sima betrieben wird)
dort gehört auf Min. 2:19 bis 2:41 http://www.youtube.com/watch?v=R3Bz9x-ve6g


Übrigens: In letzter Zeit versucht sich Ahmadineschad darin, als Kämpfer für die Frauen-Bekleidungsindustrie aufzutreten, der Staat solle sich nicht einmischen, wie die Frauen gekleidet sind. Soll wohl eine neue Wählerschicht ansprechen.
Das Bild aus dem Staatsfernsehen von seiner ersten Kabinettssitzung nach zehn Tagen Schmollzeit zeigt deutlich, welchen Platz er schon jetzt den Frauen einräumt…

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Iran: Vom Barte des Propheten zum Schnauzer von Adolf H.

Iran: Vom Barte des Propheten zum Schnauzer von Adolf H.


links Geheimdienstminister Moslehi, rechts Ajatollah Chamene‘i

Wie schon berichtet, hat Ajatollah Chamene‘i sich vor kurzem gegen die Absetzung des Geheimdienstministers Heydar Moslehi gewehrt und sich damit dem Willen des iranischen „Präsidenten“ Ahmadineschad widersetzt. Diese Nachricht ist vor dem Hintergrund einer umfassenden Unterwanderung des Staatsapparats durch Ahmadineschad und die hinter ihm stehenden Pasdaran (Revolutionswächter) zu sehen. In den sechs Jahren, in denen Ahmadineschad an der Macht ist, blieben dem Religionsführer Ajatollah Chamene‘i nur drei Ministerien, deren Chefs er bestimmen konnte:
Das Ministerium für religiöse Aufklärung (Wesarat-e Erschad), das Innenministerium (Wesarat-e Keschwar) und das Geheimdienstministerium (Wesarat-e Ettela‘at). In allen anderen Ministerien besetzte Ahmadineschad nicht nur die Spitzen, sondern auch die Positionen auf lokaler und regionaler Ebene mit seinen Leuten. Ob Schuldirektor oder Rektor der Universität, ob Landrat oder Polizeichefs, überall ersetzte Ahmadineschad die Amtsinhaber mit Personen, die fachlich keinerlei Qualifikation besaßen, sofern man Brutalität und ungehobeltes Verhalten nicht als solche ansieht, dafür aber aus den Reihen der Pasdaran und der paramilitärischen Milizen (Bassidschi) stammten. Um die bewaffneten Organe stärker an sich zu binden, sorgte Ahmadineschad auch für eine unkonventionelle Form der „Privatisierung“. Firmen, die er seinen Leuten als Pfründe zuschieben wollte, ruinierte er durch billige Importwaren, und wenn sie am Rande des Bankrotts standen, gab er seinen Kumpanen in den Pasdaran den Tipp, die betroffene Firma für einen Spottpreis zu kaufen. So wurden aus Waffenbrüdern nun auch noch Wirtschaftskapitäne.
Dies stieß natürlich auf den Widerstand der Geistlichkeit. Zu Lebzeiten Ajatollah Chomeinis war der Revolutionsführer derjenige, der das letzte Wort hatte. Die Geistlichen in den Städten und Dörfern, namentlich die Freitagsprediger, vertraten ihn vor Ort, und was sie sagten, wurde gemacht. Aber die neuen Machthaber, die Ahmadineschad in die Posten eingesetzt hatten, scherten sich nicht mehr darum, was die Freitagsprediger sagten. Diese mochten sich zwar bei Ajatollah Chamene‘i, dem Nachfolger Chomeinis, beschweren, das änderte aber nichts an ihrem abnehmenden Einfluss. Symptomatisch dafür ist, dass Ahmadineschad zum Nourus-Fest, dem vorislamischen Neujahrsfest, an dem das iranische Jahr beginnt, eine amtliche Feier mit traditioneller iranischer Musik am Grabmal des alten Perserkönigs Kyros (Kurusch) abhalten wollte, was eine Welle der Empörung unter der Geistlichkeit auslöste. Die Regierung unter Ahmadineschad versucht sogar, mit Göbbels Methoden der Bevölkerung einzureden, dass der Islam eigentlich im Iran entstanden sei und etwas Uriranisches sei. Der Schleier sei nicht wichtig, wohl aber der iranische Nationalstolz.

Der Fisch stinkt vom Kopfe
Wie weit die Pasdaran mit Hilfe von Ahmadineschad ihre Stellungen ausgebaut haben, wurde in den letzten Tagen in Zusammenhang mit der Wiedereinsetzung von Geheimdienstminister Heydar Moslehi öffentlich. Minister Moslehi hatte Ajatollah Chamene‘i auf verschiedene Entwicklungen aufmerksam gemacht, die nun den iranischen Medien zugänglich wurden, zwar noch nicht in gedruckter Form, wohl aber auf iranischen Internetseiten. Die Liste der Vorwürfe gegen die Kreise um Ahmadineschads ist lang.
So hat der Präsident Ahmadineschad vor wenigen Monaten 42 Befehlshaber der Pasdaran und der Bassidschi zu seinen Beratern gemacht. Sie behalten ihren Rang und ihre bisherigen Bezüge und erhalten jetzt zusätzlich 5 bis 11 Millionen Tuman im Monat, das ist das 17- bis 37-Fache dessen, was ein Grundstufenlehrer im Iran verdient.

Kampf ums Öl – China ist zur Stelle
Den Versuch von Ajatollah Chamene‘i, die Kontrolle über die Erdöleinnahmen des Landes zurückgewinnen, indem er eine ihm unterstehende dreiköpfige Kommission unter dem Vorsitz seines Sohnes Modschtaba Chamene‘i gründete, kommentierte Ahmadineschad mit den Worten: „Das ist ein Ignorant und ein Spielzeug (in der Hand seines Sohnes).“ So sprach er also über den höchsten religiösen Führer des Landes.
Und dass die Erdöleinnahmen in privaten Taschen versickern, zeigt sich immer deutlicher. So erklärte das Industrieministerium unlängst, es könne keine Informationen über die Erdölabkommen zwischen Iran und der Volksrepublik China sowie Iran und Malaysia vorlegen, weil ihm diese Informationen verweigert würden. Das Erdölministerium teilte zudem mit, dass es keine Informationen über den Verbleib der Erdöleinnahmen aus der Pipeline Nr. 10 vorlegen könne – die Jahreseinnahmen von etwa 3 Milliarden US-Dollar bescheren. Auch über den Verbleib der Einnahmen aus der Pipeline zwischen Ahwas und Dehgolan (600 km Länge), deren Wert 580 Millionen US-Dollar entspreche, könne es nichts sagen. Die Spuren verliefen sich auf Privat-Konten von Pasdaran-Befehlshabern in Malaysia und in Schanghai.
Das Erdölministerium beschwerte sich namentlich über den Rahim Safawi, den Befehlshaber des Pasdaran-Stützpunkts Chatamo-l-Anbiya. Dieser Stützpunkt ist dafür verantwortlich, im ganzen Iran Protestaktionen niederzuschlagen. Das war aber nicht Gegenstand der Beschwerde des Erdölministeriums. Dies wies vielmehr darauf hin, dass auch Rahim Safawi jegliche Auskunft über die Tätigkeit seines Stützpunkts auf dem Erdölsektor verweigert. Das gleiche gilt auch für die Pipeline, die vom Festland aus am Meeresboden bis zur Insel Kisch verlegt wurde. Den Vertrag hatten die Pasdaran mit der Volksrepublik China geschlossen. Von der Insel Kisch wird das Öl mit Öltankern zur VR China exportiert. Auch hier verweigern die Pasdaran jede Auskunft.
Zwischen der Volksrepublik China und der iranischen Regierung wurden Abkommen über den Erdölexport in Höhe von 58 Milliarden Dollar abgeschlossen, ohne dass diese Verträge dem Parlament vorgelegt wurden oder eine gesetzliche Ermächtigung vorgelegen hätte. Über den Verbleib des Geldes gebe es keine Information.
Man darf vermuten, dass China einen Teil seiner Erdölrechnung mit Lieferung chinesischer Waren begleicht. Dann können die Pasdaran beim Import abkassieren und die Herkunft der Einnahmen lässt sich besser verschleiern.

Wanzen beim Ajatollah
Vor der versuchten Amtsenthebung von Heydar Moslehi hatte Ahmadineschad vom Geheimdienstminister verlangt, 45 hochrangige Funktionäre des Ministeriums vorzeitig in den Ruhestand zu versetzen, falls das nicht möglich sei, sollten sie entlassen werden. Auch hier war das Ziel, den Apparat mit Pasdaran-Kadern zu besetzen.
Wie weit der Machtanspruch der Pasdaran reicht, zeigt auch folgendes Detail: Der Geheimdienst der Pasdaran ließ nicht nur in diversen Ministerien, darunter auch im Geheimdienstministerien, Abhörgeräte installieren, selbst das Sekretariat des Obersten Religionsführers Ajatollah Chamene‘i ließ es verwanzen, um alles mitzuhören, was auf der Chefetage zu besprechen war.


Der gelbe Hund ist der Bruder des Schakals
Der Machtkampf, der sich derzeit abspielt, ist für die Bevölkerung zwar interessant, aber sie hält sich möglichst raus. Schließlich haben sie unter beiden Seiten genug gelitten. Schon jetzt hört man aber drohende Worte aus dem Munde führender Bassidschis und Pasdaran. Die Niederschlagung der „Verschwörung“ von 2009 (als die Proteste gegen Ahmadineschads Wahlfälschung niedergeschlagen wurden) sei nichts gegen den bevorstehenden Kampf gegen die neue „Verschwörung“. Da werde Blut fließen! Und die Herrschaften könnten Recht haben. Denn früher hatten die Geistlichen Pfründe an Pasdaran verteilt, um ihren Protest zum Schweigen zu bringen, sie hätten im Krieg gegen den Irak die meisten Opfer gebracht und hätten jetzt gar nicths davon, während Ahmadineschad neue Mitesser gefunden hat. Bei beiden geht es um die Wurst, und beide Seiten sind bis auf die Zähne bewaffnet.


Ajatollah Chamene‘i (im Vordergrund) hält gemeinsam mit dem iranischen Polizeichef Moqaddam (1), mit dem Innenminister Naddschar (2), General Radan (3, einer der Verantwortlichen für das Foltergefängnis Kahrisak) u.a. in seinem Hause ein Gebet ab. Die Botschaft an Ahmadineschad ist klar: Diese Leute stehen hinter mir, und sie scheuen kein Blut…

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