Die iranischen Mollas sind nicht dafür bekannt, dass sie Tänze und speziell gemeinsame Tänze von Männern und Frauen fördern. Aber offensichtlich gelingt es den Jugendlichen immer wieder, den Spassverderbern eins auszuwischen.

So hatten iranische Kurden, wohl Angehörige von Nomaden, eine Erlaubnis bekommen, vor der Freien Universität Teheran ein Zelt aufzubauen. Bei dieser Gelegenheit führten sie auch gleich einen ihrer Gruppentänze auf. Man sieht, wie Männer und Frauen gemeinsam tanzen. Überall an den Fenstern sammeln sich neugierige Zuschauerinnen und Zuschauer, und man hört am Schluss den Ruf „Dobare, dobare“ (Nochmal – also, Zugabe!).
Hier der Link zum Video.
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Dieser Student traut sich was
Im Iran ist wieder Vorwahlzeit, Mitte 2013 steht wieder eine Präsidentenwahl an. Und wie gehabt, lockert das Regime die Schrauben etwas, um den Eindruck zu erwecken, die Wähler hätten eine Freiheit der Wahl. An der Universität Teheran fand am Dienstag, den 18. Dezember 2012, eine Diskussionsrunde statt, die die Studenten-Bassidschi-Milizen organisiert hatten. Die Diskussion verlief aber anders als die Organisatoren sich das wohl gewünscht hatten.
Nachdem der Vorredner, ein Bassidschi, behauptet hatte, niemand sei wegen seiner Überzeugung im Gefängnis, ging der Folgeredner aufs Ganze.
Er erklärte, dass eine Organisation, die ihr Budget von den Militärs (hier sind auch die Pasdaran mit einbezogen) beziehe, nicht behaupten könne, sie sei eine Studentenvertretung. Die Studentenbewegung im Iran sei stets mit den anderen aktiven Gruppen verbündet gewesen, mit der Arbeiterbewegung, der Frauenbewegung, den Umweltschützern, mit allen denen, die die Gesellschaft ändern und verbessern wollten. Die Bassidschis dagegen seien nur dazu da, das bestehende Regime am Leben zu erhalten.
Er sagte weiter, dass es nicht stimme, dass niemand wegen seiner Überzeugung in Haft sei. Doktor Faribors Ra‘isdana, seines Zeichens Wirtschaftswissenschaftler, sei zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden, weil er die jetzige Wirtschaftspolitik kritisierte. Dr. Faribors Ra‘isdana sei deshalb jetzt im Ewin-Gefängnis. Und wenn jemand Madschid Tawakkoli, einen Studentenaktivisten, dafür kritisiere, dass er versucht habe, im Tschador zu fliehen, und dies als Schande bezeichne, so könne man dazu nur anmerken: Wer das Tragen des Tschadors, das Tragen von Frauenkleidern als Schande bezeichne, sei nur einer von denen, die das System des Machismo und die Vorherrschaft der Männer am Leben erhalten wolle. Der Redner bekam heftigen Beifall, natürlich ausgenommen jene, die wohl Bassidschis sind.
Es ist nicht auszuschließen, dass der Redner später verhaftet wird.
Wir hatten berichtet, wie die iranische Regierung den Umweltschutz entdeckt hat, um die traditionellen Studentenproteste am 16. Asar zum Schweigen zu bringen (Iran: 16. Asar – Schweigen angesagt?).
Gestern, am Ende der viertägigen Auszeit für das öffentliche Leben in Teheran, ging der Unibetrieb wieder los und gleich am ersten Tag versammelten sich hunderte Studentinnen und Studenten im Audimax um zu protestieren. Sie kritisierten den Druck der auf den StudentInnen herrscht und die allgegenwärtige Zensur. Es wurden zahllose im Geheimen gedruckte Flugblätter verteilt – alles unter den missbilligenden Blicken von Pasdaran und Bassidschi.

Es handelt sich somit um den ersten größeren Protest an einer iranischen Universität seit gut einem Jahr.

„Ein Student kann getötet werden aber er lässt sich nicht demütigen!“

„Zuversicht, Wissen und Toleranz sind guter Proviant und Licht für das Morgen“



„Wir leben, damit wir keine Ruhe geben“
Wir hatten in früheren Jahren über den 16. Asar berichtet, der im Iran stets ein Tag studentischer Aktivitäten war. Dem islamistischen Regime ist dies natürlich nicht entgangen, und wie in den früheren Jahren hat es seine Bassidschis, Pasdaran und Polizisten auf diesen Tag vorbereitet, um gegen die Proteste einzuschreiten. Das wäre nichts Neues, auch in den vergangenen Jahren standen die bewaffneten Staatsorgane mit der Waffe in der Hand bereit, um Studentenproteste zu unterdrücken. Diesmal kam aber – neben der anhaltenden Inhaftierung zahlreicher aktiver Studenten seit 2009 – noch eine weitere Maßnahme der Regierung dazu, die man aus ihrer Sicht als Erfolg bezeichnen muss. Zu Hilfe kam der Smog in Teheran. Den gab es natürlich auch in den Tagen davor und danach, aber die Regierung nutzte ihn als Vorwand, den ganzen Verkehr in der Stadt für vier Tage „aus Umwelt- und Gesundheitsgründen“ auszusetzen. Klingt doch gut, oder?
Und wer will schon auf die Straße gehen und demonstrieren, wenn kein Schwein auf der Straße ist und ihn sieht?
Was wir natürlich nicht sehen, sind die Aktivitäten im Untergrund, die auch dieses Jahr stattgefunden haben und sich ausbreiten, aber die sieht natürlich auch die iranische Bevölkerung nicht oder nur, wenn sie direkt in Kontakt mit ihr gerät. Der Untergrund ist inzwischen auch nicht mehr in der Phase der Grünen Bewegung von 2009, wo es um eine Reform innerhalb des islamistischen Systems ging. Heute geht es darum, was für ein System an seiner Stelle folgen soll!
Was sagt Ihnen der Begriff „Persischer Teppich“ in wirtschaftlicher, sozialer, historischer und politischer Hinsicht?
Alle diese Punkte, die Sie aufgezählt haben, spielen beim Teppich eine Rolle.
Nach der Sprache und der Dichtkunst ist der Teppich eine der prägendsten Merkmale der persischen Kultur.
Architektur, Malerei, Farbe und Musik – alle sind in der persischen Teppichkunst vertreten.
Musik? Ja, ich habe mit Musikern gesprochen, die meinten, sie spürten die Musik, die in die Teppiche eingewoben ist. Die Struktur, die Knoten finden ihr Echo im Rhythmus der Musik und in den Noten.
Auch die Rohstoffe, aus denen die Teppiche hergestellt werden, spiegeln die wirtschaftliche Struktur und die Natur des Irans wieder. Schafwolle, Kamel- und Ziegenhaar, die Baumwolle, die mitunter für bestimmte Stellen des Teppichs eingesetzt wurde, die Pflanzen, aus denen die Teppichfarben gewonnen wurden, das Holz der Webrahmen, alles ist Teil der iranischen Landschaft und Lebensweise. Auch die Themen, die auf dem Teppich dargestellt werden, drücken die Eigenheiten des Landes aus.

Teppichreparatur
Der Teppich ist der Ausweis der verschiedenen Regionalkulturen und Völker im Iran. In ihm kommen die Geschichte und die verschiedenen Traditionen zum Ausdruck. So können Sie einen Teppich aus Bidschar problemlos von einem Teppich aus Kerman unterscheiden.
Die wirtschaftliche Bedeutung des iranischen Teppichs
Die wirtschaftliche Bedeutung des iranischen Teppichs kann man nicht unterschätzen. Viele Menschen haben mit dem Teppichweben ihr Auskommen verdient, sie tun es noch heute und werden es auch in Zukunft tun. So wichtig war der Teppich für das Überleben, dass in Zeiten des Krieges, wenn der Iran zum Beispiel von den Mongolen oder Arabern überfallen wurde, wenn die Städte und Dörfer zerstört wurden, das Teppichweben eine der Künste war, die das Weiterleben sicherten. Man baute an sicheren Orten Webstühle auf, mit dem Holz aus den Bäumen, die man zur Verfügung hatte, und fing wieder an Teppiche zu weben oder zu knüpfen und zu verkaufen. Der Teppich war der Ausdruck des Überlebenswillens. Der Rhythmus des Webens hatte auch etwas Beruhigendes an sich, ein Gegengewicht zur Unsicherheit und den Schrecken der Zeit.
Die politische Bedeutung des Teppichs
Was die politische Bedeutung des Teppichs angeht, liegt sie heute auf der Hand. Denn mit der Revolution von 1979 hat der Staat die Kontrolle über die Teppichherstellung übernommen. So hat der Staat Genossenschaften gegründet – ich bin nicht gegen Genossenschaften, aber in der Form, wie der islamische Staat dies durchgeführt hat, waren die Folgen ruinös. Statt die kleinen, unabhängigen Teppichwebern und die größeren privaten Teppichmanufakturen zu fördern, die entweder eigene Webstühle hatten oder im Verlagssystem Wolle und Farben an verschiedene Weber verteilten und dann die Teppiche einsammelten, trat der Staat als weiterer Konkurrent im System auf, der seine eigenen Interessen verfolgte und eine staatliche Produktion aufbaute. Der Staat versuchte, alles unter seine eigene Kontrolle zu bringen. So weigerte sich der islamische Staat, die Teppichweber gesetzlich als „Arbeiter“ zu definieren, mit der Folge, dass sie weder Versicherung noch Rechte hatten, sie konnten jederzeit entlassen werden und durften nicht einmal eine amtliche Gewerkschaft unter dem Namen eines „Andschoman-e Eslami“ (Islamischer Verein) der Teppichweber gründen. Denn das hätte die Position der Teppichweber gegenüber dem Staat gestärkt, der nun selbst als Arbeitgeber in diesem System auftrat. Solange die Arbeiter gegenüber den großen Fabrikanten und dem Staat rechtlich und materiell nicht abgesichert waren, war die Wahrscheinlichkeit gering, dass sie sich gewerkschaftlich organisierten und zu einer politischen Kraft wurden.
Was für Teppiche gibt es im Iran, wie unterscheiden sie sich?
Nun, diese Frage ist reichlich allgemein gestellt. Jedenfalls will ich vorausschicken, dass der persische Teppich heute nicht mehr die frühere wirtschaftliche Bedeutung hat und in einer tiefen Krise steckt. Früher wirkten im Iran etwa 20.000 Dörfer an der Teppichherstellung mit, man kann also von 20.000 verschiedenen Arten von Teppichen sprechen. Wenn wir die Teppichmuster noch geschichtlich zurückverfolgen, kommen wir gut und gern auf eine Million verschiedener Muster. Nehmen wir ein Beispiel: Das Fischmuster ist allgemein bekannt. Man kann es groß oder klein weben, auf große oder kleine Teppiche aufbringen, in verschiedenen Farben färben, man kann daraus den Mahi-ye zanburi (den „Bienenfisch“), den Fisch von Aras machen… Ich habe einmal einen Teppich gesehen, den die Mutter angefangen und die Tochter, die bei ihrer Mutter gelernt hat, fertig gestellt hat. Obwohl Muster und Material identisch war, waren die beiden Teile trotzdem verschieden, für einen Fachmann, nicht für den Laien.
Vom Fisch zum Blatt
Solche Unterschiede beobachtet man freilich nur in den Dörfern und bei den Nomandenstämmen, in der Stadt, in den Fabriken, bekommt der Arbeiter ein bestimmtes Muster vorgeschrieben, da sind die Teppiche dann alle gleich.
Wenn man in der Geschichte zurückgeht, stellt man fest, dass die Sonne und links und rechts davon zwei Fische ein altes Motiv in Steinreliefs und Gemälden sind, das auf die Gottheit Mithra hinweist. Später wurde dieses Motiv (von der Religion) aus der Malerei verdrängt, alles, was „Seele besitzt“ (dhi ruh), wurde in der bildlichen Darstellung verboten, aber in den Teppichen lebte es weiter, teilweise jedoch nicht mehr als „Fisch“, sondern unter der Bezeichnung „gekrümmtes Blatt“. Wenn man genau hinschaut, sieht man aber, dass ein Fisch dargestellt ist.
Der arme Verwandte vom Dorf
Was die Frage nach der Verschiedenheit der Teppiche angeht, muss man auch eins sehen. Wenn man im Iran von Teppichen spricht, hat die Bezeichnung „Farsch-e dehati“, „Dorf-Teppich“, oft eine abwertende Bedeutung, er gilt als geringwertiger Teppich, obwohl gerade darin die kulturelle Vielfalt des Landes zum Ausdruck kommt. Was als wertvoll galt, waren zum Beispiel die fein gewobenen Teppiche aus Isfahan. Das waren die teuren Teppiche, die auf dem Basar geschätzt wurden. Erst allmählich dämmert es manchen, dass der größere Reichtum des Landes in den Dorf-Teppichen versteckt ist. Wieviele Besonderheiten kann man zum Beispiel aus den Teppichen der Nomadenstämme herauslesen! Und wenn Sie diese groben Dorf-Teppiche nehmen und fünfzig Jahre darauf herumtrampeln, dann merken sie auf einmal, dass er weicher geworden ist. Dieser Teppich lebt und verändert sich ständig. Der Teppich aus Isfahan ist zwar ein Luxusgut, ein Schmuckgegenstand, aber nicht mehr.
Rolle von Mann und Frau bei der Herstellung von Teppichen
Wie steht es um die Verteilung der Geschlechter, um die Rolle von Mann und Frau, bei der Herstellung von Teppichen?
Bei der Herstellung von Teppichen gibt es nicht nur die Tätigkeit des Webens oder Knüpfens, sondern 32 weitere Tätigkeiten, die damit in Zusammenhang stehen. Wenn man nur das Weben und Knüpfen anschaut, so werden die feinen, festen Teppiche, namentlich die aus Tabris, vorwiegend von Männern hergestellt. Die „Dorf-Teppiche“ dagegen sind meist das Werk von Frauen. Allerdings hat die Bevorzugung der feinen, städtischen Teppiche durch die Käufer allmählich die Vorstellungen und Normen verändert, so dass diese Trennung heute nicht mehr so deutlich ist. Wenn aber die Frauen beim Weben und Knüpfen überwiegen, so sind die Männer in den 32 anderen Berufen, die damit zu tun haben, klar in der Mehrheit.
Kinderarbeit
An dieser Stelle will ich auch auf die Kinderarbeit eingehen. Erstens können Kinder keine guten Teppiche herstellen, denn das Weben erfordert eine gewisse Einsicht und Verständnis, das Kinder noch nicht haben. Kinderarbeit ist auch nicht speziell mit der Teppichherstellung verbunden, sie hängt von der Entscheidung der Familie ab. Kinder sind genauso auch in Ziegelbrennereien oder in der Gerberei beschäftigt. Die fehlende staatliche Kontrolle der hygienischen und Sicherheitsbedingungen hat dazu geführt, dass Kinder ausgebeutet wurden. Heute ist das aber nicht mehr so üblich, die Kinder selbst zeigen kein Interesse an dieser Arbeit und die Eltern schicken sie auch nicht mehr zu solchen Arbeiten.

Handwebstuhl
Frauenarbeit, Männerarbeit?
Um auf die Geschlechterverteilung zurückzukommen: Noch sind es mehrheitlich Frauen, die in Heimarbeit Teppiche weben. Jetzt geht der Staat hin, stellt eine Fabrik mit Arbeiterwohnungen auf und holt die Familien aus ihren Dörfern, aus ihrer Umgebung, und trennt sie so auch von ihren lokalen Traditionen. Früher war es üblich, dass die Frau mit ihrem Mann auf dem Feld arbeitete und zu Hause am Webstuhl arbeitete, im Familienkreis, alles war noch beisammen. Dadurch hat der Staat viel kaputt gemacht, aber die Heimarbeit bestimmt auch heute noch das Bild.
Welche anderen Berufe sind denn noch am Herstellungsprozess beteiligt?
Dazu gehört der Spinner (Nachriiss), der den Faden spinnt, der Tschellekesch, der die Kette (also den senkrechten Faden) am Webrahmen festknüpft, der Färber (Rangras), der Rofukar oder Maremadkar, der beschädigte Teppiche repariert, der Ostadkar, der die Teppichmuster kennt und die Einzelschritte der Weberinnen anleitet, der Tarrah, der Teppichmuster entwirft, der Pardachtgar, der den gewebten Teppich schert, um ihm den abstehenden Flaum und die Flusen zu nehmen, Zimmerleute (Nadschar), die den Webrahmen herstellen, neuerdings sind auch einige zusätzliche Berufe hinzugekommen, einer, der darin besteht, nur die Ränder des Teppichs fertigzustellen, ein anderer, die fertigen Teppiche zu färben, und der gleichen unnötigen Dinge. Solche Neuerungen haben sich nicht zum Besten auf die Tradition des Teppichknüpfens ausgewirkt. So wird der fertige Teppich heute mit großen Waschmaschinen gewaschen, die eigentlich für das Waschen von Kleidung gedacht sind. Den Teppich macht man so kaputt…
Die Armut erzeugt schlechte Teppiche, und schlechte Teppiche erzeugen Armut
Vor Eintritt der Krise waren im Iran zwei Millionen Menschen an der Herstellung von Teppichen beteiligt. Jetzt sind es vielleicht nur noch die Hälfte, die aktuell damit beschäftigt sind, aber die anderen sind bereit, wieder einzusteigen, wenn sich die Lage bessert. Wenn man berücksichtigt, dass diese Menschen mit der Arbeit für den Unterhalt der Familie sorgen, sind geschätzte 10 Millionen Menschen von der Teppichherstellung abhängig.
Wer verdient am meisten im Teppichgeschäft?
Die Löhne der Teppichweber waren nicht so schlecht, wie es gewöhnlich heißt, zumindest bei denen, die gute Teppiche herstellten. In der Vergangenheit waren es vor allem die Designer (Tarrah), die die Muster entwarfen, die bezogen das beste Einkommen. Der Tarrah hatte die Stellung eines Künstlers und wurde für seine Arbeit gut bezahlt. Sie waren so spezialisiert, dass sie praktisch ein Monopol auf diese Arbeit hatten und keiner sie ersetzen konnte. Das ist leider zu Ende, denn jetzt hat das Entwerfen von Mustern mit Hilfe des Computers im Teppich-Design Einzug gehalten, und damit sind auch die Löhne drastisch gefallen. Das war das Ende für ein ganzes Künstlergewerbe.
Am meisten am Teppich verdient natürlich der Exporteur, aber mir ging es darum, zu zeigen, wie es den mit den Löhnen im Herstellungsprozess aussieht. Wenn man sich die Löhne der WeberInnen anschaut, waren die vor der Krise nicht schlecht, aber das hing natürlich auch von der Qualität ab. Im Nordosten des Irans, in Chorassan, wurden zum Beispiel viele gefälschte Teppiche oder solche schlampiger Qualität hergestellt, da verdienten auch die Weber wenig. In Isfahan, Qom oder Tabris verdienten die Weber gut, aber dort haben viele für ein besseres Einkommen ihre Augen ruiniert, weil sie zu viel an dem feinen Gewebe arbeiteten.
Heute muss man sagen: Die Armut erzeugt schlechte Teppiche, und schlechte Teppiche erzeugen Armut.
Auch heute noch bekommt man für einen guten Teppich gutes Geld, aber generell muss man sagen, dass die rechtliche Stellung der Weber miserabel ist. In der Politik wurde zwar immer wieder Mitleid mit ihrer miserablen Stellung geäußert, da sie nicht einmal krankenversichert sind, aber in der Praxis hat weder das Arbeitsministerium, noch die Sozialversicherung selbst etwas unternommen, um die Arbeiter zu versichern. Der Basar war sowieso schon immer dagegen. Es wurden zwar ein paar Gesetze verabschiedet, aber die beziehen sich nur auf dauerhaft angestellte Arbeitskräfte, und die sind in diesem Sektor nicht zu finden.

Über 100 Jahre alter Teppich aus Kashan
Heimarbeit und industrielle Fertigung
Mit Hilfe von Maschinen hergestellte Teppiche sind vergleichbar mit Textilien. Es sind Güter für den schnellen Verbrauch. Ein handgefertigter Teppich kann auch 500 Jahre halten, wir haben heute noch Teppiche aus der Zeit der Safawiden-Dynastie. Ein Industrieteppich bleibt im besten Fall ein Jahr gut erhalten, danach beginnen Mängel aufzutreten. Man macht zwar Werbung für die Industrieteppiche, sie seien gut und billig, aber das stimmt nicht.
Die iranischen Maschinenteppiche werden zum Teil auch nach Dubai exportiert, der Iran importiert seinerseits welche aus der Volksrepublik China und Pakistan. Der handgertigte Teppich nahm früher den zweiten Platz im Wert der iranischen Exportgüter ein, direkt nach dem Erdöl. Heute, mit den Wirtschaftssanktionen, ist das freilich nicht mehr der Fall. Heute stellen vor allem Teppiche aus China und Pakistan eine Konkurrenz auf dem Weltmarkt dar, freilich, indem diese persische Muster nachahmen. Die Gründe für deren Erfolg liegen nicht nur in den niedrigeren Löhnen dort, sondern in den Fehlern der politischen Führung im Iran. Es wurde zu wenig Wert auf gute Qualität der handgefertigten Exportteppiche gelegt, es wurden Fälschungen toleriert – so haben wir unsere Stellung auf dem Weltmarkt verloren, die früher konkurrenzlos war. Aus diesem Grund ist es auch sinnvoll, beim Teppichkauf einen Fachmann dabei zu haben, um schlechte Ware von guter unterscheiden zu können. Der Hauptgrund, warum wir auf dem Teppichmarkt abgesunken sind, ist weder bei den Sanktionen noch bei der Konkurrenz zu suchen. Es ist unsere politsche Führung mit ihrer falschen Qualitätspolitik und den fehlenden Investitionen in diesem Sektor. Aus einem Kunstwerk haben sie ein seelenloses Handelsgut gemacht.
Teppich-Fachhochschulen: die Ideologen bleiben nicht auf dem Teppich
Der Staat hat zum Beispiel eine Reihe von Teppich-Fachhochschulen geschaffen. Aber die Studierenden, die sich dort einschreiben, bekommen wenig über die Teppichkultur zu hören und werden vor allem auf islamisch-theologische Kenntnisse geprüft. Themen wie Ästhetik oder die Kenntnis von den verschiedenen Volkskulturen bleiben außen vor. Welches Fachwissen kann ein Absolvent einer solchen Fachhochschule später bei der Teppichherstellung einbringen? Hinzu kommt auch die falsche Auswahlpolitik für die Zulassung an den Hochschulen. Die Studierenden werden nicht nach ihren Interessen und Fähigkeiten ausgewählt, sondern danach, ob sie dem Regime ideologisch nahe stehen. Dadurch, dass die Hochschule kein Fachwissen vermittelt, bleiben die männlichen Studenten aus, die feststellen, dass sie mit dem Abschluss keine Arbeit im Teppichsektor finden, während die Studentinnen, die in dieser – außerhalb der Webarbeiten – von Männern besetzten Sparte sowieso keine Aussicht auf Arbeit haben, das Fach nur studieren, um am Ende einen Abschluss in der Hand zu haben, damit sie irgendwo als Sekretärin oder Angestellte eine Arbeit finden. Auf der anderen Seite haben auch die Lehrkräfte häufig keine Erfahrung, wie sie das Thema unterrichten sollen, weil dieses Fach Neuland ist, und wenn man bedenkt, dass einige von ihnen bis zu zwei Jahre ihren Lohn nicht erhalten, kann man sich leicht vorstellen, dass es mit der Vermittlung von Wissen auch auf dieser Seite nicht zum Besten steht.
Während in anderen Fachbereichen am Abschluss des Studiums eine Abschlussarbeit erforderlich ist, wurde diese Bedingung an den Teppich-Fachhochschulen abgeschafft. Denn dazu hätten die Studentinnen in die Dörfer reisen und eigene Nachforschungen anstellen müssen, und das ist staatlich nicht erwünscht. Die Abschlussnote der Studierenden ist daher nur ein Durchschnitt aus den verschiedenen Fächern (z.B. Theologie), eine extra Abschlussarbeit gibt es nicht. Entsprechend gering ist der Wert des Abschlusses, und so ist es eine der ersten Fragen, die die Studenten ihren Lehrkräften stellen: „Was für eine Arbeit kann ich denn mit meinem Abschluss später finden?“ Eine Frage, auf die es keine Antwort gibt.

Webseite der Hochschule für Erdöltechnologie in Ahwas
Wie ausufernd die Vollmachten der iranischen Geheimdienste sind, sieht man erneut am Beispiel der Filiale der Hochschule für Erdöltechnologie in Ahwas. Ahwas liegt unweit von der irakischen Grenze und ist eines der Zentren der Erdölförderung im Iran. Der Geheimdienst, der auch in der Hochschule seine Vertretung hat, hat im Mai das Schwimmbad der Studenten versiegeln lassen (in einer Stadt, in der es im Sommer 40°C heiß wird) und auch weitere Sporteinrichtungen geschlossen. Auch ein Zentrum, an dem Filme für die Studenten gezeigt wurden und Theater aufgeführt wurde, wurde auf Veranlassung des Geheimdienstes mit dem Vorwand geschlossen, dass dort Musik gespielt werde. Sogar die geplante Abschlussfete der Studenten wurde verboten. Darauf protestierten über 200 Studenten gegen diese Einmischung des Geheimdienstes.
Das führte zu einer Reihe von Verhaftungen. Als Reaktion darauf kam es am 15. Juni 2012 zu einem Sitz- und Hungerstreik von Studenten an der Hochschule. Auch erklärten die Studenten, dass sie die Teilnahme an den Abschlussprüfungen verweigern. Der Geheimdienst holte darauf Sondereinheiten auf das Hochschulgelände und ließ sie gegen die Studenten vorgehen.
Iranische Studentinnen und Studenten, die nach ihrem Diplomabschluss ein Promotionsstudium anhängen wollen, müssen im Iran eine Aufnahmeprüfung machen.

Studentenproteste an der Ghazvin Universität, 2011
Die 150 StudentInnen, die diese heuer Prüfung bestanden haben, mussten vor der Prüfungskommision antreten und ein Verhör über sich ergehen lassen. Sie saßen dabei bekannten Geheimdienstbeamten gegenüber.

Studentenproteste, 16. Adhar 1389 (7.12.2010), Ingenieurshochschule, Teheran


Grüne Bewegung 2009. Universität Teheran
Es ging bei dem Verhör um die zurückliegende und zukünftige Teilnahme an der studentischen Protestbewegung. Ausnahmslos alle verhörten StudentInnen mussten ein Schreiben abgeben, in dem sie zum einen die frühere Teilnahme an Studentenprotesten zugaben (egal ob das tatsächlich der Fall war) und zum anderen versprachen, in Zukunft nie wieder so etwas zu machen. Wer nicht unterschrieb, darf nicht weiter studieren. Wer als Anhänger der Grünen Bewegung polizeibekannt ist, hat sowieso keine Chance.

Proteste an der Universität Teheran im Mai 2006 „Die Universität ist keine Kaserne“, Die Universität ist keine Religionsschule“
Diese Verhöre fanden in Teheran, Schiraz und Isfahan statt.
Allein das Schuldeingeständnis der früheren Proteste belastet die StudentInnen politisch: es braucht dann nur noch ein kleines zusätzliches Vergehen, wie ein nicht getragener Schleier, und man fliegt raus.
Am Freitag, den 4. Mai 2012, den ersten Feiertag nach dem 1. Mai, wollten 45 Studentinnen und Studenten den Tag der Arbeit in den Bergen feiern. Dazu mieteten sie einen Reisebus. Der Leiter der Reisefirma beantragte bei den Behörden eine Erlaubnis, diese Reise durchzuführen. Die Staatsorgane wurden misstrauisch und schickten die Polizei, um den Bus auf der Strecke zu stoppen. Bei der Durchsuchung wollte sie das Gepäck für die Bergwanderung sehen, was natürlich fehlte, denn es war ja eine Maifeier geplant. Die 24 Studenten und 21 Studentinnen mussten darauf den Bus verlassen und wurden abgeführt. Der Chauffeur bekam eine Strafe, der Bus wurde für drei Monate beschlagnahmt, die Reisegesellschaft bekam ebenfalls eine Strafe, weil sie nicht mitgeteilt habe, dass Männer und Frauen gemeinsam an der Fahrt teilnahmen, ohne verwandt oder verheiratet zu sein, und die Eltern wurden ermahnt, besser auf ihre Kinder aufzupassen.
http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=47763
In Schahre-Kord, einer Stadt in der Nähe von Esfahan, wurden am 9. April 2012 15 Studentinnen aus dem Studentenwohnheim entlassen, weil sie sich nach Ansicht der Leitung des Wohnheims nicht ausreichend verschleiert hätten. Die Repressalien sind wohl auch eine Antwort auf die Tatsache, dass diese 15 Studentinnen an den Protesten gegen die Studienbedingungen teilgenommen hatten. Damals waren sie vom Spitzeldienst der Uni gewarnt worden, wenn sie an den Protesten teilnähmen, würde das Folgen haben.

Studenten weisen in ihren Plakaten auf die gefangenen KommilitonInnen hin und kritisieren ein „Märtyerbegräbnis“ auf Hochschulgelände
Im Vorfeld der iranischen Parlamentswahlen hat die größte iranische Studentenorganisation, Daftare Tahkime Wahdat (Büro zur Festigung der Einheit), eine öffentliche Erklärung herausgegeben. Darin bezeichnet sie die Wahlen als unfrei, unfair und unnütz. Die Organisation erklärt, dass sie an den Wahlen nicht teilnehmen werde, da das Parlament ohnehin nur tue, was ihm befohlen werde, und erinnert an die zahlreichen Studenten, die nach den Präsidentschaftswahlen von 2009 inhaftiert wurden und noch immer in Haft sind, z.B. die Studentin Bahare Hadayat, die dem Zentralvorstand der Studentenorganisation angehörte und zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Vor dem Hintergrund der zahlreichen politischen Gefangenen könne von einer freien Wahl nicht die Rede sein. Auch wenn die Organisation die Wahlen selbst boykottieren will, wird sie den vor den Wahlen erweiterten Freiraum dazu nutzen, um ihre Position zur iranischen Atombombenpolitik, zur Wirtschaftsmisere und anderen Themen darzulegen.
Der iranische Präsident Ahmadineschad tritt gern als Kritiker der Pfründewirtschaft der Geistlichkeit auf. Darum sei die Frage erlaubt, wie er es denn selbst damit hält. Schon in seiner ersten Amtszeit hat er die Gelegenheit genutzt und alle Posten an den staatlichen Universitäten mit seinen Leuten besetzt, Qualifikation spielte dabei keine Rolle. Aber das genügte ihm nicht. Schon damals versuchte er, auch die privaten Universitäten im Iran unter seine Kontrolle zu bringen. Diese Privatunis waren nach der iranischen Revolution 1979 entstanden und wurden von den religiösen Stiftungen finanziert. Für diejenigen, die sich die Studiengebühren leisten konnten, waren sie eine Chance, zu einem Studienplatz zu kommen, denn die Studienplätze an den staatlichen Unis reichten bei weitem nicht aus. Diese privaten Hochschulen haben ein Leitungsgremium, nennen wir es Rektorenrat, dessen Vorsitz Ajatollah Rafsandschani innehat. Und das ist Ahmadineschads Problem. Solange er Rafsandschani nicht loswird, kann er auch die Posten im Bereich der Privatuniversitäten nicht verschachern. Also ging er hin, berief den Rektorenrat ein, schüchterte die Teilnehmer so ein, dass sie sich nicht mehr trauten, anders abzustimmen als ihm genehm war, und ließ einen Nachfolger für den Vorsitzenden Rafsandschani wählen. Coup geglückt, Unis verstaatlicht, könnte man meinen. Die Sache hat nur einen Haken. Die Ernennungsurkunde des Nachfolgers benötigt die Unterschrift von Rafsandschani. Und der gibt sie nicht, sondern verlangt eine neue Versammlung in einer freien Atmosphäre.
Der Streit geht in die nächste Runde.

Zentralgefängnis von Tabris
In den nordwestlichen Provinzen des Irans wurden in den letzten Tagen zahlreiche Vertreter der aserbaidschanischen Kulturbewegung verhaftet. Betroffen sind Studentinnen und Studenten, JournalistInnen, Gewerkschaftsmitglieder und KünstlerInnen. Ein Teil der Verhafteten wurde zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt.
Inhaftierung des Journalisten und Webloggers Ebrahim Raschidi
Der Verein zur Verteidigung der aserbaidschanischen politischen Gefangenen im Iran berichtete über die Inhaftierung des Journalisten und Webloggers Ebrahim Raschidi, sowie einer Reihe von Studenten der Hochschule von Tabris.
Dschalal Ebrahim, der Bruder von Ebrahim Raschidi, erklärte in einem Interview gegenüber dem Sender Radio Farda, dass sein Bruder seit 13 Tagen im Hungerstreik steht. Er protestiert damit gegen seine Inhaftierung, für die bis heute keine Begründung gegeben wurde. Die Anklage gegen ihn ist ihm unbekannt. Als Dschalal Ebrahim und ein älterer Bruder sich wegen einer Besuchserlaubnis an das Revolutionstribunal von Tabris wandten, wurden sie dort mit groben Worten abgewiesen.
23,5 Jahre Gefängnis gegen Gewerkschafter
Laut einer weiteren Meldung wurden Sasan Wahebiwasch, Mohammad Dscharrahi, Schahroch Samani und Nima Purya‘qub, die im Nordwestiran in der Arbeiterbewegung aktiv sind, von der 1. Kammer des Revolutionstribunals Tabris zu 23,5 Jahren Gefängnis verurteilt. Ihr Anwalt Naqi Mahmudi, der vor ein paar Monaten in die Türkei fliehen konnte, erklärte, dass die Verurteilten nichts anderes wollten als eine Gewerkschaft zu gründen. Sie wurden verhaftet, bevor sie überhaupt die Gründung durchführen konnten. Der Vorwurf: Delikte gegen die Sicherheit des Landes, Propaganda gegen das herrschende System und Mitgliedschaft in Gruppierungen, die die Sicherheit des Landes beeinträchtigen wollen.
Komponisten für den austrocknenden Urmiasee vor Gericht
Vier Künstler, darunter Meister Hassan Demirtschi, wurden unter dem Vorwurf, eine Hymne über den austrocknenden Urmiasee verfasst und die Musik dazu geschrieben zu haben, vom Revolutionstribunal Tabris verurteilt. Das Urteil ist allerdings noch nicht an die Öffentlichkeit gedrungen. Der geflohene Anwalt Naqi Mahmudi erklärte, dass sowohl die Umstände der Verhaftung wie auch die Gefängnisse, in denen die Künstler untergebracht seien, unter jeder Würde seien.
Weitere Aktivisten wurden zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, weil sie gegen die Verhaftungen vom September 2011 im Zusammenhang mit den Demonstrationen gegen das Austrocknen des Urmiasees protestiert und Poster dazu verbreitet hatten.

Islam-Studenten
Die Theologie-Studenten von Qom trauen sich nicht mehr, in ihrer geistlichen Kleidung auf die Straße zu gehen. Dies berichtet die Webseite xodnewis unter Berufung auf den Weblog eines Theologie-Studenten aus Qom. Demnach zieht es die Mehrheit der Studierenden vor, nicht mehr mit diesem Kleidungsstück auf die Straße zu gehen, und bringt dafür alle mögliche Ausreden vor.

Die Webseite Xodnewis
Der Theologen-Weblogger schreibt weiter: „Seit der Gründung der Islamischen Republik setzt die Gesellschaft die Geistlichkeit und das politische System gleich, weshalb die Mängel des politischen Systems auch der Geistlichkeit zugeschrieben werden.“ Der Student beklagt sich im weiteren: „Während die Studenten nicht die geringste Verbindung zu den Organen des Regimes haben, müssen sie sich unter dem Volk u.a. den Vorwurf der Veruntreuung (von Geldern) anhören, was ihnen schwer zu schaffen macht. Sie sollen Rede und Antwort stehen, wenn die Milch teuer wird. Sie müssen alle möglichen Anspielungen und hasserfüllten Blicke von einem Teil der Bevölkerung erdulden. Aus diesem Grund hat ein Teil der Studenten keine Lust, die Kleidung der Geistlichen zu tragen, um sich diese Probleme zu ersparen. Um die Kleidung nicht tragen zu müssen, bringen diese Studenten verschiedene Ausreden vor, zum Beispiel: „Die Bekleidung der Geistlichkeit behindert einen“ oder „Wir sind es nicht würdig, diese Kleidung zu tragen“. Manche erklären auch, dass die religiöse Werbung wirksamer ist, wenn man in Zivil tätig ist, wieder andere sagen, sie seien in die religiöse Lehranstalt eingetreten, um den Islam kennenzulernen, aber nicht, um für ihn zu werben, so dass sie auch nicht gezwungen seien, diese Kleidung zu tragen.

gekürzte Bildschirmkopie aus dem Text des Theologen-Webloggers
Angesichts der massiven Unterdrückung von Demonstrationen haben die Studenten im Iran eine unauffälligere Form des Protests gewählt: In Universitäten in verschiedenen Städten wie Teheran, Qaswin, Maschhad, Schahre Kurd u.a. haben sie das Aluminiumverpackte Mittagessen, dessen Qualität selbst schon Anlass zu wiederholten Protesten war, auf den Boden gelegt, um den Schriftzug „e‘teraz“ (Protest) zu bilden. Der Protest richtet sich gegen die gesamten Missstände an den Hochschulen, keinesfalls nur gegen das Essen. Es ist ein leiser Protest, bei dem keine Parolen gerufen werden, aber er zeigt, dass die Studenten es geschafft haben, sich wieder landesweit zu organisieren, allen Inhaftierungen zum Trotz.
Das dürfte auch den Herrschenden zu denken geben…
Hier ein Link zu einem Film, den die Studenten von ihren Protesten ins Internet gesetzt haben.
StudentInnenprotest an der Ghazvin Universität 2011



Am gestrigen Sonntag fand an der Universität Mazandaran (Nordiran) ein StudentenInnenprotest statt – der größte seit 2009.
Die Agentur daneshjoonews (Studenten-News) berichtet, dass am Sonntag, den 23.10.2011, gegen 11:30 Uhr, die StudentInnen der Universität Mazandaran ihre Essentabletts vom „Selfservice“ der Mensa genommen haben und mit ihnen zur Verwaltung gegangen sind, wo sie die Tabletts auf dem Boden abstellten.

Essenstabletts auf dem Fluren der Universitäts-Verwaltung
Dieser Protest steht im Zusammenhang mit dem Protest von letzter Woche, bei dem mehr als 1000 Studentinnen und Studenten einen Brief an den islamischen Studentenrat geschrieben hatten. Dieser Studentenrat setzt sich aus Mitgliedern der Direktion, Bassijis und Geheimdienstlern zusammen. In dem Brief beschwerten sich die StudentInnen über die niedrige Qualität und den hohen Preis des Mensaessens. Außerdem wurde die untragbare Situation in den Studentenheimen angeprangert. Die Zimmer sind überbelegt, die sanitären Anlagen sind schmutzig, es gibt wenige Festnetztelefone und kaum Internetnutzungsmöglichkeiten.
An Stelle einer vernünftigen Antwort seitens des Studentenrats wurden die Kontrollen der Sicherheitskräfte verschärft, und eine Atmosphäre der Angst aufgebaut. Jetzt, eine Woche später, haben die StudentInnen darum diesen neuen Protest organisiert.

Das Essen schmeckt nicht und man weiß nicht ob man davon krank wird
Studentische Bassijis und zivil gekleidete studentische Schläger versuchten, diese Essensproteste aufzulösen. Die Menge der StudentInnen und ihre Wut waren jedoch so groß, dass die Regimeanhänger sich zurückziehen und wieder auf die Zuschauerrolle beschränken mussten.

Im Essen ist der Wurm drin
Gegen Ende wurde von einem Studenten eine gemeinsame Erklärung verlesen. In ihr wurde erneut die niedrige Essensqualität, der hohe Preis und die Situation im Studentenwohnheim moniert. Darüber hinaus wurde das Verhältnis der Universitätsverwaltung und der Sicherheitskräfte zu den StudentInnen kritisiert und gefordert, dass sich das ändert. Wenn sich all das nicht bald bessere, würde der Kampf für ihre Rechte in eine neue Phase treten.
Es ist nicht ungefährlich, solche Videos in aller Öffentlichkeit zu drehen. Daher die schlechte Bildqualität.
Nach diesem Protest haben die Sicherheitskräfte der Universität einzelne StudentInnen in ihr Büro zitiert, andere wurde per Telefon bedroht.
Die StudentInnen, die sich an solchen Protesten beteiligen, können leicht festgenommen werde. Noch heute sitzen StudentInnen anderer Universitäten im Gefängnis. Das ist der Grund, warum die Gesichter der TeilnehmerInnen an diesen Protesten nicht im Bild zu sehen sind.

