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Iran: 40 Jahre Diktatur und noch immer kein Sturz in Sicht?

Der im Exil lebende iranische Journalist Abu l-Fazl Mohaqqeqi hat eine Reihe von iranischen Jugendlichen befragt, die jetzt ebenfalls im Ausland leben, was sie über die Lage der Jugendlichen im Iran zu sagen haben. Der hier zusammengefasste Artikel vom 30. September gibt ein Interview mit einem dieser Jugendlichen wieder, der erst vor kurzem den Iran verlassen hat.
Der Jugendliche umreißt kurz die gesellschaftliche Lage der Jugend. Da sind diejenigen, die im Rahmen der staatlichen Organe und der Strukturen der Geistlichkeit untergekommen sind und ein stabiles Auskommen haben. Von diesen soll hier nicht die Rede sein. Da sind die anderen, die aufgrund der prekären Lage der Eltern schon früh berufstätig werden, als Straßenhändler zum Beispiel, und jetzt von der iranischen Wirtschaftskrise voll getroffen werden. Da sind die inzwischen Millionen Drogenabhängigen unter Jugendlichen. Und da sind die Kinder der Mittelschicht, die zwar ein Studium absolviert haben, aber keine Arbeit finden. Aus dieser Schicht stammt auch der Interviewte. Er berichtet, wie belastend es für diese jungen Männer und Frauen ist, weiter auf der Tasche der Eltern zu liegen und weiter unter dem Dach der elterlichen Wohnung zu leben, ohne Aussicht, eine eigene Arbeit, ein eigenes Auskommen zu finden oder eine eigene Familie zu gründen. Partnersuche wird unter solchen Umständen sinnlos.
Gegen Ende des ausführlichen Artikels werden einige Fragen aufgeworfen, die für alle interessant sind, die sich fragen, wieso dieses Regime noch immer an der Macht ist.

Die Saat der Angst und die Rolle der Familie
„Du kannst auch nicht protestieren. Warum? Die Antwort auf Protest heißt Gefängnis, Folter und Tod. Alles Dinge, vor denen die Familien eine Heidenangst haben. Sie ziehen es vor, dass ihrer Kinder drogensüchtig werden, arbeitslos bleiben oder zu Hause hocken, als dass sie politisch aktiv würden. Sie verkaufen ihr ganzes Vermögen, vom Armband der Mutter bis zum Haus, um ihre Kinder – vor allem die Söhne – ins Ausland zu schicken.
Das größte Hindernis der Jugendlichen, auf die Straße zu gehen, sind die Familien. Sie haben auch Recht. Denn sie (ihre Eltern) haben ja erlebt, dass diese Regierung nicht vor brutaler Unterdrückung und Massakern zurückschreckt.
So sieht die Lage einer breiten Masse von Jugendlichen aus, die nicht auf Seiten der Regierung stehen und nirgendwo in den Regierungsinstitutionen und Behörden untergekommen sind, von den Bassidschis an den Schulen angefangen bis hin zu den „Islamischen Vereinen“ der Studenten und Dutzenden anderen Organen. (…)“

https://news.gooya.com/2019/09/post-30603.php
vom 30. September 2019
mosahebe wa goftegu ba chand jawan ba°d az faluye (engl. follow) 14 milyuni „tatalou“, Abu l-Fazl Mohaqqeqi

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Iran: Verfolgung der streikenden Arbeiter von Haft-Tape

Für den 30. September 2019 haben 40 streikende Arbeiter der Zuckerfabrik in Haft-Tape telefonisch eine Vorladung erhalten, sich bei der Sicherheitspolizei in Schusch zu melden. Außerdem wurde bekannt gegeben, dass weitere 150 Arbeiter dieser Fabrik entlassen werden sollen. Die streikenden Arbeiter fordern unter anderem die Wiedereinstellung der bisher entlassenen Arbeiter, die Freilassung von Esmail Bachschi und die Rücknahme des sogenannten Privatisierungsprogrammes der Fabrik.

http://www.akhbar-rooz.com/%db%b4%db%b0-%da%a9%d8%a7%d8%b1%da%af%d8%b1-%d9%86%db%8c%d8%b4%da%a9%d8%b1-%d9%87%d9%81%d8%aa-%d8%aa%d9%be%d9%87-%d8%a8%d9%87-%d9%be%d9%84%db%8c%d8%b3-%d8%a7%d9%85%d9%86%db%8c%d8%aa-%d8%a7%d8%ad%d8%b6/
vom 8. Mehr 1398 (30. September 2019)
40 kargare neyshekare haft-tape be polise amniyat ehzar shodand

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Iran: Verfolgung konvertierter Christen

Derzeit ist der christliche Priester Jussef Nadarchani im Ewin-Gefängnis in Teheran in Haft. Er war 2009 wegen Abfalls vom rechten Glauben zum Tode verurteilt worden, weil er vom Islam zum Christentum übergetreten war. Nach Protesten aus dem Ausland wurde das Urteil in eine Gefängnisstrafe umgewandelt und der Vorwurf auf „Propaganda gegen das System“ abgeändert. Damals kam er nach Verbüßung der Haftstrafe zwar frei, wurde aber 1396 (2017/8) erneut verhaftet und zu 10 Jahren Gefängnis sowie 2 Jahren Verbannung nach Sistan und Balutschistan verurteilt.
Seinen beiden Kindern, die 15 und 16 Jahre alt sind, wird jetzt der Schulbesuch verweigert. Auch die Aushändigung der Zeugnisse der 9. Klasse ist bislang nicht erfolgt. Ihr Vater hatte versucht, sie als Christen registrieren zu lassen, was aber verweigert wurde. Die Kinder, die vom Staat weiterhin als Muslime behandelt werden, haben darauf den islamischen Unterricht nicht besucht, was dazu führte, dass die Behörden ihnen jetzt nicht mehr erlauben, weiter den Unterricht zu besuchen. Sie dürften höchsten noch als Gasthörer teilnehmen.
Ihr inhaftierter Vater hat daraufhin im Gefängnis den Hungerstreik eröffnet, um den weiteren Schulbesuch seiner Kinder einzufordern.

https://www.radiofarda.com/a/اعتصاب-غذای-یوسف-ندرخانی-در-اعتراض-به-ممانعت-از-تحصیل-فرزندانش-/30189722
vom 7. Mehr 1398 (29. September 2019)
e°tesabe ghazaye yusef nadarxani dar e°teraz be momane°at az tahsile farzandanash

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Iran: Politische Gefangene aus dem Ewin-Gefängnis schreiben ans Parlament

Eine Reihe von politischen Gefangenen, die im Ewin-Gefängnis von Teheran in Haft sind, schildern in einem offenen Brief an iranische Parlamentsabgeordnete, wie sich die Lage in Gefangenschaft für sie in letzter Zeit geändert hat. So schreiben sie, dass die zeitlichen Abstände zwischen den Besuchen vergrößert wurden und jetzt statt 1x in zwei Wochen auf 1x in drei oder vier Wochen verlängert wurden. Besuche zwischen Müttern und ihren Kindern wurden aufgehoben.
Der Empfang von Büchern oder anderen Druckerzeugnissen beim Besuch oder auf postalischem Weg wurde auch verboten.
Der Telefonkontakt nach außen wurde jetzt für jeden Gefangenen nur noch auf wenige festgelegte Nummern begrenzt.
Hinzu kommt, dass die politischen Gefangenen vermehrt mit nicht-politischen Gefangenen untergebracht werden, die zum Teil sehr gewalttätig oder drogenabhängig sind.

http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/81030/
vom 8. Mehr 1398 (30. September 2019)
nameye te°dadi az zendaniyane siyasi mahbus dar zendane ewin be nemayandegane majles

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Iran: Sippenhaft von Angehörigen von Regimekritikern

Masih Ali-Neschad war in der iranischen Frauenbewegung sehr aktiv und hat unter anderem die Bewegung der „weißen Mittwoche“ eingeführt. Die Idee war, dass die Frauen jeden Mittwoch in Weiß an die Öffentlichkeit gehen, um so symbolisch zum Ausdruck zu bringen, dass sie Freiheit für die Frauen fordern, unter anderem auch in der Frage der Kleidung.
Masih Ali-Neschad lebt inzwischen im Ausland. Das hält die iranischen Machthaber nicht davon ab, ihre Angehörigen zu verfolgen. So wurde nach Angaben von Masih Ali-Neschad ihr Bruder Ali Ali-Neschad vergangenen Dienstag, den 24. September 2019, von Beamten des Geheimdienstes abgeführt, nachdem diese dessen Wohnung durchsucht hatten. Das Laptop und Handy von Ali Ali-Neschad nahmen die Beamten ebenfalls mit. Angeblich will der Geheimdienst ihren Bruder über die Aktivitäten von Masih Ali-Neschad verhören. Masih Ali-Neschad hat keine Information, wo ihr Bruder festgehalten wird, ihre Mutter und die Familie ihres Mannes bekammen nur gesagt, dass sie keine Interviews geben dürften, das würde die Lage des Verhafteten noch verschlimmern.
Zeitgleich zu dieser Aktion drangen sieben Beamte des Geheimdienstes in die Wohnung des Ex-Ehemannes von Masih Ali-Neschad ein und nahmen den Bruder Hadi Lotfi und die Schwester Leyla Lotfi des Ex-Ehemannes mit. Ihr Ex-Ehemann lebt im Ausland und hat die Werke von Masih Ali-Neschad korrigiert und Korrektur gelesen. Seine beiden Geschwister haben nicht einmal Kontakt zu Masih Ali-Neschad, wie sie sagt.
Kommentar: Vielleicht beabsichtigen die iranischen Behörden mit ihren Formen der „Vernehmung“, einen Fall gegen Masih Ali-Neschad zu konstruieren, sozusagen einen Schau-Prozess, um Masih Ali-Neschad im Inland unglaubwürdig zu machen.

https://www.radiofarda.com/a/relatives-of-activist-masih-alinejad-arrested-by-security-forces/30183538.html
vom 30. Mehr 1398
bazdashte seh nafar az bastegane masih °ali-nezhad tawassote wezarate ettela°at

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Iran: Ein Krieg als letzte Rettung

Am Samstag, den 14. September 2019, schlugen kurz nach 3 Uhr morgens in zwei wichtigen erdölverarbeitenden Fabriken in Saudi-Arabien mehrere Raketen ein, die im Handstreich kurzfristig einen beachtlichen Anteil der Erdölproduktion im Land lahmlegten.
Ziemlich bald wurden die iranischen Machthaber beschuldigt, hinter diesen Raketenanschlägen zu stehen. Die jemenitischen Huthi-Milizen, die vom Iran unterstützt werden, behaupteten dagegen, selbst den erfolgreichen Anschlag durchgeführt zu haben. Sowohl die US-Regierung wie die saudischen Herrscher gaben an, die Ergebnisse von Untersuchungen abwarten zu wollen, um dann entsprechende Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Wer prüft die Fakten?
Um beurteilen zu können, was für Raketen da eingesetzt wurden, von wem sie stammten, ob sie von irgendwelchen Radarsystemen erfasst wurden oder nicht, bräuchte man Zugang zu Informationen, die vielleicht saudischen oder US-Militärs vorliegen, vielleicht auch Militärspezialisten aus anderen Ländern, aber das nützt uns wenig. Die Aufgabe des Militärs ist es, einen Krieg erfolgreich zu führen, und nicht die, unsereins mit Wahrheiten zu versorgen. Dass Lügen kriegsentscheidend sein können, hat das Beispiel des irakisch-kuwaitischen Kriegs im August 1990 gezeigt, als die US-Öffentlichkeit gezielt mit Lügen gefüttert wurde, irakische Soldaten hätten bei der Invasion Kuwaits kuwaitische Frühgeborene ermordet, indem sie diese aus ihren Brutkästen gerissen hätten und sie dann auf dem Boden verenden ließen. Wir können die Behauptungen von Regierungen nicht überprüfen und wir wollen auch nicht die Plattform sein, über die Regierungslügen verbreitet werden.

Wer braucht den Krieg?

Es ist nicht unser Spezialfeld, zu beurteilen, wer in den USA und wer in Saudi-Arabien Interesse an einem Krieg mit dem Iran haben könnte. Aber sehr klar ist, dass die heutigen Machthaber im Iran – die Pasdaran samt Umfeld und die Geistlichkeit um den Religiösen Führer Ajatollah Chamene‘i – einen Krieg brauchen, um zu überleben. Sie haben das Land in vier Jahrzehnten so weit herabgewirtschaftet, dass heute selbst der Einsatz von Spezialkräften zur Aufstandsbekämpfung gegen streikende Arbeiter nicht verhindern kann, dass die Arbeiter der selben Firma am nächsten Tag wieder auf die Straße gehen. Und dies trotz der Verletzten und Verhafteten vom Vortag. Wer keine Löhne mehr zahlt, wer den Arbeitern nicht die Garantie gibt, dass sie ihre Familie noch ernähren können, hat wenig Aussicht, sich weiter an der Macht zu halten, wenn nicht ein Krieg zu Hilfe kommt. Dann kann man den Menschen sagen: Was redet ihr hier von Brot und Löhnen? Das Vaterland ist in Gefahr, hier schlagen Bomben und Raketen ein. Der Krieg ist die letzte Hoffnung des jetzigen Regimes im Iran, sich weiter an der Macht zu halten.

ein Link zum Thema Militaria in diesem Zusammenhang:

https://www.heise.de/tp/features/USA-entsenden-Truppen-zur-Luft-und-Raketenabwehr-nach-Saudi-Arabien-4535693.html
USA entsenden Truppen zur Luft- und Raketenabwehr nach Saudi-Arabien
Florian Rötzer

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Iran: Der Vater der „blauen Frau“


Sahar Chodayari mit ihren Brandwunden im Krankenhaus

Wie ein aus Iran Journal übernommener Artikel berichtete, hat sich in Teheran eine 29-jährige Frau namens Sahar Chodayari vor dem Justizgebäude angezündet, nachdem ein Gericht sie zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt hatte. Sahar Chodayari hatte versucht, als Mann verkleidet an einem Fußballspiel als Zuschauerin teilzunehmen, und war dabei gefasst worden. Im Gefängnis hatte Sahar gegenüber Mitgefangenen geäußert, dass sie Angst hat, dass ihr Vater sie umbringen wird, wenn er erfährt, dass sie so etwas gemacht hat. Diese Mitgefangenen waren später mit der Arbeiteraktivistin Sepide Gholyan in einer Zelle und haben ihr davon berichtet.
Das wirft die Frage auf: Was ist das für ein Vater? Was für eine Vorgeschichte hat er? Hilft uns dies, zu verstehen, wieso das Regime noch an der Macht ist?
Und ebenso stellt sich natürlich auch die Frage nach der Mutter. Was den Vater angeht, war in den iranischen Medien etwas zu finden, bei der Mutter endete die Suche mit einer Fehlanzeige.


Der Vater
Heydar-Ali Chodayari ist der Vater der „blauen Frau“. Er hat der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Mehr und auch anderen iranischen Medien Interviews gegeben, die inhaltlich übereinstimmen. Auch in späteren Interviews hat er an keiner Stelle seine früheren Äußerungen widerrufen oder dementiert, so dass man selbst im Rahmen der einseitigen staatlichen Medienberichterstattung annehmen muss, dass er hier seine wirkliche Gesinnung offenbart. Die Tatsache, dass seine Tochter Angst hatte, dass er sie umbringen würde, spricht auch dafür, dass seine Worte tatsächlich seinen Vorstellungen entsprechen.

Dschanbas (Janbaz) – ein Kriegsversehrter
Heydar-Ali Chodayari sagt von sich selber: Man fada‘iye nezam hastam – Ich bin bereit, mich für dieses System aufzuopfern. Ich bin Kriegsversehrter aus dem uns aufgezwungenen Krieg (gemeint ist der iranisch-irakische Krieg). Ich liebe den Imam (gemeint ist Imam Chomeini) mit Herz und Seele. Und sollte dem Land künftig – Gott verhüte – etwas zustoßen, werde ich an vorderster Stelle die herrschende Ordnung verteidigen. Ich habe keine Angst. Wenn ich auch nur ein Prozent anderer Meinung wäre als dieses System, dann würde ich es jetzt verkünden. Aber ich sage: Weder ich, noch meine Tochter, noch irgendein anderes Mitglied meiner Familie hatten je ein Problem mit dieser Ordnung und haben auch jetzt keins.“

Der Vater stellt Tochter als psychisch krank dar
In seinen Interviews ist der Vater bemüht, seine Tochter als psychisch krank darzustellen. Sie sei das Opfer der Anstachelung von anderen, denen er alle Schuld zuweist. Er sagt: „In den paar Tagen, in denen Sahar im Krankenhaus lag (wo sie den Verletzungen der Selbstverbrennung erlag), ist keine Celebrity (Berühmtheit, engl.) und kein footballist oder irgendein Verantwortlicher gekommen, um sie zu besuchen, ich habe auch keinen gesehen.
(AdÜ: Bei so einem Vater dürfte das auch nicht ganz ungefährlich sein…)
Der Vater fährt fort: „Jeder, der sagt, dass Sahar Opfer (erg. des Regimes) ist, stellt eine grundlose Behauptung auf. Wem ist Sahar zum Opfer gefallen? Sie hatte nervliche Probleme. An dem Tag, an dem sie zum Gericht ging, hatte sie wieder einen Nervenzusammenbruch, worauf sie zur Selbstverbrennung geschritten ist.

Vater dementiert Haftstrafe
Der Vater sagt weiter: „Es ist kein Urteil ergangen, dass Sahar ins Gefängnis kommt. Als Familie von Sahar verkünden wir (AdÜ: er spricht für alle…), dass überhaupt nicht beschlossen war, dass Sahar ins Gefängnis kommt.

Leichnam erhalten
Dass der Vater nicht auf Bestellung für das Regime spricht, zeigt auch ein Detail, in dem es um die Aushändigung der Leiche geht. Dies ist bei kritischen Angehörigen oft ein heikler Streitpunkt, und es gibt genügend Fälle, in denen Opfer des Regimes heimlich vergraben wurden. Nicht so hier. Der Vater sagt: „Der Leichnam meiner Tochter wurde nach ihrem Verscheiden übergeben, wir hatten dabei keinerlei Probleme. Uns wurde dabei gesagt, dass wir Sahar begraben können, wo immer wir wollen. Wir hatten keinerlei Probleme bei der Bestattung.

Die anderen sind schuld
Auf die Frage, ob er diejenigen, die mit „nebensächlichen Dingen, wie etwa, dass Frauen Stadions betreten dürfen“ die „Mädchen und Jugendlichen anstacheln“, für den Tod seiner Tochter verantwortlich macht, antwortete er: „Genau, ich halte diese Leute (die das fordern) für schuldig. Also wirklich, wozu müssen Frauen in ein Stadion? Wenn sie selbst Sport treiben, ist das ja noch was anderes.“
Er erklärte abschließend: „Ich bin nicht mit denjenigen einverstanden, die das Blut meiner Tochter für ihre Zwecke missbrauchen und erkläre das auch nicht als halal (islamisch akzeptabel). Diese Menschen machen einen Fehler, indem sie unter dem Vorwand eines Vorfalls, der Sahar zugestoßen ist, gegen dieses Land reden.“


Fazit
Der Vater ist jemand, der im iranisch-irakischen Krieg (1980-87) nicht nur einen Teil seiner Gesundheit eingebüßt hat, sondern dafür – sei es materiell oder anders – auch wohl so belohnt wurde, dass er bis heute hinter diesem System steht. Das ist nicht selbstverständlich, denn andere Kriegsversehrte protestieren inzwischen vor dem Parlament gegen die zu niedrigen Renten, die sie erhalten. Er kann zweifellos zu den Stützen des Regimes gezählt werden, auf diese Menschen können die Machthaber bauen. Die Werte, die dem Vater vermittelt wurden, machen ihn immun gegen den Tod seiner Tochter, auch sein eigenes Leben ist weniger Wert als diese Werte. Dass er die Selbstverbrennung seiner Tochter als Folge eines Nervenzusammenbruchs darstellt und ihr Handeln nur als Folge von fremder Anstachelung sieht, bedeutet, dass er sie wohl bis zuletzt nicht als selbständig denkenden Menschen wahrnehmen wollte. War das seine „Lösung“, um sich mit ihren Gedanken nicht auseinandersetzen zu müssen. Hat er Angst vor diesen Gedanken?
Dass die Tochter dieses eingefleischten Anhängers der Islamischen Herrschaft unter den Einfluss der Gegner des Systems geraten ist, „angestachelt“ wurde, zeigt, dass der Protest jetzt auch im Kern der Schichten angekommen ist, die hinter der Islamischen Republik stehen.

https://fararu.com/fa/news/411316/پدر-سحر-خدایاری-سحر-قربانی-چه-شده-او-مشکل-عصبی-داشت
vom 20. Schahriwar 1398 (11. September 2019)
pedare sahar xodayari: sahar qorbaniye che shode? u moshkele °asabi dasht

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Iran: Gewalt zu Semesterbeginn

Heute wurden im ganzen Iran die Schulen und Universitäten wieder eröffnet, das neue Schul- und Studienjahr hat begonnen. An der Alame-Tabatabai-Universität in Teheran kam es dabei zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.
Laut Berichten spielte sich dabei folgendes ab:
Eine Gruppe namens Freidenker-Verein (Anjomane Azad-Andish) an der Alame-Tabatabai-Universität hatte einen Stand, auf dem das Bild des noch immer im Hausarrest gefangenen ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Mirhossein Mussawi ausgelegt war. Darauf kamen Bassidschi-Studenten und verlangten, dass das Bild entfernt wird. Offensichtlich war die Atmosphäre im Umkreis des Standes so, dass sich die Bassidschis unterlegen fühlten und sich bei den Verantwortlichen der Uni (also wohl im Rektorat) beschwerten. Die Verantwortlichen erteilten darauf Anweisung an die Betreiber des Stands, das Bild zu entfernen. Das taten diese aber nicht. Daraufhin muss jemand an verantwortlicher Stelle auch staatliche Kräfte von außerhalb der Uni angefordert haben, so dass die Bassidschis zusammen mit diesen Kräften nun den Stand attackieren konnten.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=191231
vom 1. Mehr 1398 (vom 23. September 2019)
ruze awwale mehr daneshgahe °alame ba hozure basij, be xoshunat keshide shod

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Iran Journal: Eine deutschsprachige Nachrichtenseite über den Iran

Wir haben in der letzten Zeit Artikel der Webseite iranjournal.org direkt übernommen. Das war nicht ganz korrekt, zumal nicht immer ein vollständiger Link angegeben war. In Zukunft werden wir das so handhaben, dass wir einfach den Link veröffentlichen, wenn ein interessanter Artikel über ein Thema erschienen ist, über das wir nicht berichtet haben.
So oder so, dürfte es auch unsere LeserInnen interessieren, wer Iran Journal macht und wer die Seite finanziert.
Iran Journal stellt sich selbst als Projekt des Vereins Transparency for Iran vor. Zum Thema Förderung schreibt die Zeitung:
„Die Redaktion von Transparency for Iran (TFI) wurde bisher durch institutionelle Fördergelder finanziert.“ Um das Fortbestehen der Redaktion weniger von großen Geldgebern abhängig zu machen, wirbt sie um Fördermitglieder. Die RedakteurInnen der Zeitung erhalten kleinere Honorare als üblich, aber es ist kein rein ehrenamtlicher Journalismus, was den Geldbedarf für so ein Projekt erhöht.
Am Fuß dieser Seite ist zu lesen:
In Kooperation mit der Heinrich Böll Stiftung e.V.
http://iranjournal.org/foerderung

Die Redaktion von Iran Journal besteht laut eigenen Angaben aus folgenden Personen:
Iman Aslani (Pseudonym) / Autor
Arbeitet als Journalist hauptsächlich für persischsprachige Medien.

Mehran Barati / Autor
Publizist. Politischer Analyst. Einer der renommiertesten Iran-Experten.

Nasrin Bassiri / Autorin
Freie Journalistin und Buchautorin. Schreibt für deutsche und persischsprachige Medien außerhalb des Iran.

Yasmin Khalifa / Autorin
Freie Journalistin und Filmschaffende.

Sepehr Lorestani (Pseudonym) / Autor
Journalist. Schreibt unter einem anderen Namen für nicht-staatliche Zeitungen im Iran.

Mahindokht Mesbah / Autorin
Freie Journalistin. Schreibt für persischsprachige Medien außerhalb des Iran, u. a. für die Deutsche Welle.

Farhad Payar / Redaktionsleiter
Freier Journalist, Theater- und Filmschaffender. Leitet die Redaktion von Iran Journal seit dem 1. August 2011 und ist inhaltlich verantwortlich gemäß §55 Abs. 2 RStV.

Ali Sadrzadeh /Autor
Journalist und Nahostexperte. Jahrelanger Mitarbeiter des Hessischen Rundfunks.

Mina Tehrani (Pseudonym) / Autorin
Journalistin. Schreibt unter anderen Namen für persischsprachige Medien innerhalb und außerhalb des Iran.

Alke Wierth / Lektorin
Journalistin. Arbeitet u. a. als freie Redakteurin für Bildung und Migration im Berlin-Teil der taz.

http://iranjournal.org/redaktion-geschaftsstelle

Über den Vorstand des Trägervereins des Iran Journal, Transparency for Iran, gibt die Zeitung folgendes an:

Der Vorstand des Vereins Transparency for Iran e. V. (Träger des Iran Journal)

Ali Samadi Ahadi
1. Vorsitzender, Jahrgang 1972, ist freier Regisseur und Autor. 1985 floh er aus dem Iran. Er studierte Film und Fernsehen in Kassel und Sozialwissenschaften in Hannover. Für seine Dokumentation Lost Children über das Schicksal von Kindersoldaten erhielt Ali Samadi Ahadi 2006 den Deutschen Filmpreis in der Kategorie Bester Dokumentarfilm. Seine 2009 erschienene Culture-Clash-Komödie Salami Aleikum gewann den Preis der deutschen Filmkritik als „Bestes Spielfilmdebüt“. Unter dem Eindruck der iranischen Präsidentschaftswahlen 2009 entstand im folgenden Jahr die mit dem Grimme Preis ausgezeichnete Dokumentation Iran: Elections 2009. Die Kinoversion The Green Wave wurde mit dem Deutschen Menschenrechtsfilmpreis und dem UNICEF Filmpreis ausgezeichnet.
Kontakt: ali.samadi@transparency-for-iran.org

Dr. Nasrin Bassiri
2. Vorsitzende, Jahrgang 1945, ist promovierte Politikwissenschaftlerin. Sie ist Frauenrechtsbeauftragte an der Weißensee Kunsthochschule Berlin. Nach ihrem Studium der Politikwissenschaften in Graz, kehrte Sie 1979 nach Teheran zurück, unterrichtete an der Teheraner Universität und engagierte sich in zahlreichen Frauenrechtsorganisationen. 1983 floh Sie aus dem Iran. Sie hat an mehreren Berliner Hochschulen unterrichtet, und ihr ehrenamtliches Engagement in Sachen Frauenrechte und Flüchtlingshilfe in zahlreichen Berliner Einrichtungen fortgesetzt. Sie hat 15 Jahre die persische Sendung beim rbb Radio Multikulti gestaltet und geleitet und ist sonst freiberuflich als Journalistin und Publizistin tätig. Als Buchautorin hat sie sich mit der Lage der Frauen im Iran, und Diskriminierung in Deutschland auseinandergesetzt.
Kontakt: bassiri@transparency-for-iran.org

Dr. Shamim Rafat
Schatzmeister, Jahrgang 1977, ist Executive Director eines Beratungsunternehmens in Berlin. Zuvor war er mehrere Jahre für eine große internationale Unternehmensberatung als Strategieberater im Public Sector tätig und hat Transformationsprojekte für die Bundesregierung betreut. Der Politikwissenschaftler hat an der Freien Universität Berlin studiert und an der NRW School of Governance der Universität Duisburg-Essen promoviert. In den letzten Jahren hat er sich verstärkt für die Menschenrechte im Iran eingesetzt und internationale Kampagnen betreut.
Kontakt: rafat@transparency-for-iran.org

Geschäftsstelle

Resa Mohabbat-Kar hat Politik- und Kulturwissenschaften studiert. Er leitet die Geschäftsstelle und ist somit für sämtliche Vereinsangelegenheiten zuständig. Zudem organisiert er die Veranstaltungen von Transparency for Iran.
Kontatk: mohabbat-kar@transparency-for-iran.org

Transparency for Iran
Postfach 040325
10062 Berlin

Der Vorstand von Transparency for Iran arbeitet ehrenamtlich.

http://iranjournal.org/vorstand

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Iran: Polizei zur Aufstandsbekämpfung gegen streikende Arbeiter


Vergangenen Montag, den 16. September 2019, setzten die iranischen Machthaber Spezialeinheiten zur Aufstandsbekämpfung gegen die streikenden Arbeiter des Baumaschinenproduzenten HepCo in Arak ein. Beim Angriff der Regierungskräfte wurden 15 Arbeiter verletzt, so dass ein Teil von ihnen im Krankenhaus behandelt werden musste. 28 Arbeiter wurden verhaftet. Der massive Gewalteinsatz hinderte die Arbeiter nicht daran, ihren Streik am Folgetag fortzusetzen.
HepCo stellt Planierer, Walzen und andere Baufahrzeuge in Lizenz von japanischen, deutschen und anderen Firmen her.

Quelle:
http://www.akhbar-rooz.com/هجوم-گارد-ویژه-ضرب-و-شتم-وحشیانه-و-بازد
vom 26. Shahriwar 1398 (17. September 2019)
hojume garde wizhe, zarb o shatme wahshiyane wa bazdashte gostardeye kargarane mo°tareze hepko dar arak

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Iran: Todesurteil gegen 2 Balutschen

Ali Mowahhedi-Rad, der Allgemeine und Revolutionsstaatsanwalt von Sahedan, der Hauptstadt der Provinz Sistan und Balutschistan, hat bekannt gegeben, dass zwei Personen vom Revolutionstribunal in Sahedan wegen „Mitgliedschaft und Mitarbeit in einer terroristischen Gruppe“ zu Haft und Hinrichtung verurteilt wurden.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=190781
vom 25. Schahriwar 1398 (16. September 2019)
hokme habs o e°dam baraye do nafar dar zahedan janjal be pa kard

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Iran: Halu – der „Trottel“ spricht

Halu, ein im Iran lebender Dichter und Kritiker, der für seine Worte auch schon im Gefängnis gesessen ist, hat in einer Videobotschaft über die „Blaue Frau“ gesprochen. Die „Blaue Frau“ hatte sich aus Protest vor der Justizverwaltung in Teheran verbrannt, weil man sie für den Wunsch, an einem Fußballspiel als Zuschauerin (als Frau) teilzunehmen, zu einer Gefängnisstrafe verurteilt hatte.
Halu nimmt die Begründung des Staates, Frauen zu verfolgen, die als Zuschauerin ins Fußballstadion wollen, aufs Korn. Er zeigt mit Hilfe von Filmen, wo die Frauen überall teilnehmen dürfen und der Staat die erfordliche „Infrastruktur“ geschaffen hat, nur eben beim Fußball nicht. Er fragt, ob die Fundamente des Staates nur erschüttert werden, wenn die Frauen ins Fußballstadion gehen, aber nicht, wenn sie an der Selbstauspeitschung während der Aschura-Prozessionen teilnehmen oder an anderen religiösen Veranstaltungen auftreten.
Und dann kommt er auf den Kern zu sprechen, etwa ab 2:50. Er spricht die Männer an, die iranischen Landsleute, und sagt zu ihnen: Wenn ihr jetzt noch ins Stadion geht, ohne eure Ehefrauen, ohne eure Schwestern und Mütter, dann habt ihr keine Ehre, dann seid ihr kein Mann mehr. Das Stadion ist jetzt der Platz, der nach verbranntem Menschenfleisch riecht. Und direkt an die Fußballspieler gewandt sagt er: Das alles sind Menschen, die kommen wollen, um euch zu unterstützen, die euch bewundern. Spielt es für euch den gar keine Rolle, dass die Hälfte der Menschen dieses Landes das Stadion nicht betreten dürfen?
Das wäre so, wie wenn ich wo eingeladen bin, um meine Gedichte vorzulesen, und erfahre, dass ein Teil des Publikums ausgeschlossen wird. Zum Beispiel diejenigen, die eine Krawatte tragen, ohne diejenigen, die kurzärmlige Hemden tragen. Oder die kein Kopftuch tragen und deshalb nicht reindürfen. Und da soll ich meine Gedichte vortragen?
Wieso spielt ihr in einem Land, in dem die Hälfte der Bevölkerung davon ausgeschlossen wird, an diesem Spiel teilzunehmen?

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=190560
vom 22. Schahriwar 1398 (13. September 2019)
film / doxtare abi – goftar wa she°re halu

https://youtu.be/9H_-9TP0ZQE

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Iran: Sepide Gholyan, 18 Jahre Gefängnis im Kampf für Arbeiterrechte


Der BBC hat kürzlich eine Tondatei zusammen mit einem kurzen Schreiben von Sepide Gholyan erhalten, die im Gefängnis von Qaretschak inhaftiert ist. Sie wurde wegen ihres Einsatzes für die Streikenden Arbeiter der Zuckerfabrik in Haft-Tape verhaftet und unter fabrizierten Vorwürfen zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt, wovon 7 Jahre unbedingt abzusitzen sind. Die Gefangene berichtet von den ständigen Schreien der Gefolterten, die zu ihr dringen. Sie berichtet davon, dass sie 16 Stunden lang in einer Zelle inhaftiert war, während in der Nachbarzelle ein Gefangener namens Ismail vom Verhörbeamten geschlagen und ständig aufgefordert wurde, ein Geständnis abzulegen. Ein Mitangeklagter im Verfahren gegen die streikenden Arbeiter von Haft-Tape hieß Ismail Bachschi. Was Sepide nicht wusste, war, dass Ismail zu diesem Zeitpunkt schon auf freiem Fuß war.
Der Verhörbeamte hatte von Sepide Gholyan verlangt, sie solle vor laufender Kamera erklären, dass sie getäuscht worden sei. Sepide berichtet. „Am ersten Esfand (12. Monat des iranischen Kalenders) kam der Verhörbeamte erneut ins Verhörzimmer und sagte zu mir: Ich mache dir einen Vorschlag. Du schminkst dich so, wie sonst auch, und hast die Haare so gefärbt, wie du willst, du trägst die Kleidung, die du magst, und brauchst nicht einmal ein Kopftuch tragen, alles ganz so, wie du willst, und so trittst du vor die Kamera und erklärst: „Ich bin reingelegt worden“. Hilf du uns, dass wir einen Dokumentarfilm darüber erstellen können, dass du getäuscht worden bist, dann helfen wir dir auch, dass du zu deiner Familie zurückkehrst. Anderenfalls stehen wir als die Dummen da und werden dir nie mehr die Gelegenheit geben, in die Freiheit zurückzukehren.“
Ein weiterer Grund, wieso Sepide Gholyan so eine drastische Strafe erhalten hat, könnte darin liegen, dass sie Lügen der Sicherheitsorgane entlarvt hat. Die Behörden hatten während des Streiks der Arbeiter von Haft-Tape bestritten, dass es Sondereinsatzkräfte gegen die Arbeiter gebe. Daraufhin war Sepide Gholyan an der Fassade der Verwaltung der Sicherheitsbehörden (Farmandari) hochgeklettert und hatte Aufnahmen von diesen Sondereinsatzkräften gemacht und veröffentlicht.
Sepida Gholyan klagt darüber, dass sie im Iran nichts gegen die Justiz des Landes unternehmen kann und sich auch nicht gegen den Rufmord wehren kann, den die staatlichen Medien gegen sie betreiben.
In ihrer Ton-Datei geht Sepide Gholyan auch auf die „blaue Frau“ (blau ist die Farbe der Fußballmannschaft, deren Fan sie ist), die sich vor dem Gebäude der Justizverwaltung in Teheran selbst angezündet hatte, um dagegen zu protestieren, dass sie wegen ihrer Teilnahme als Zuschauerin an einem Fußballspiel von der Justiz verfolgt wurde (Frauen dürfen im Iran als Zuschauerinnen ins Stadium, wenn dort nur Frauenmannschaften spielen). Diese Frau, sie hieß Sahar Chodayari, hatte gegenüber ihren Mitgefangenen bis zum Schluss erklärt, dass ihr Vater sie umbringen würde, wenn er von der Haftstrafe gegen sie (=Sahar Chodayari) erführe.
https://news.gooya.com/2019/09/post-30131.php
vom 15. September 2019
payame sepide qalyan (gholyan) az zendan

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=190732
sepide qalyan (gholyan) az zendane qarechak: kabuse sedaye shekanjeha dar gusham qat° nemishavad / be man beguyid az qoveye qazaiye chetour shekayat konam + film
vom 24. Schahriwar 1398 (15. September 2019)

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Iran:Die Proteste der Frauen

Quelle: Iran Journal
Ihre Mütter waren Kinder oder Jugendliche, als die Islamische Republik Iran und mit ihr die islamischen Kleidungsvorschriften eingeführt wurden. Die Töchter wurden in das digitale Zeitalter geboren und kennen so neben ihrer eigenen Lebenswirklichkeit auch die weite Welt von Kindesbeinen an. Auch wenn die üblichen Interessenkonflikte zwischen Jugendlichen und Erwachsenen sie und ihre Mütter trennen: Beide Generationen wollen Gleichstellung und Freiheit. Jüngstes Opfer der Unterdrückung von Frauen im Iran ist ein weiblicher Fußballfan. mehr »

Von Nasrin Bassiri

Die Töchter möchten in Freiheit leben, koste es, was es wolle. Sie verlassen das Land, um zu studieren, flüchten mit oder ohne Erlaubnis ihrer Eltern in eine Partnerschaft ohne Trauschein oder nutzen andere Schlupflöcher, die ihnen noch offen stehen. Partys in Gärten außerhalb der Städte, Kurztrips nach Antalya oder Tiflis, Touristenbusse zu den Sehenswürdigkeiten des Landes, in denen die Vorhänge zugezogen und feuchtfröhlich gefeiert wird. Sie legen ihre Kopftücher ab, lassen sich die Haare scheren und malen oder kleben sich Bärte an, um in Sportstadien zu gelangen. Sie treiben Kampfsport und spielen Fußball. Gemeinsam mit Jungs fahren sie Skateboard und laufen Parcours, tanzen auf den Teheraner Straßen und singen in der Öffentlichkeit, obwohl Frauen das untersagt ist.

Nicht selten geraten sie dabei ins Netz der Ordnungskräfte und werden verhaftet. Ob es den Greisen an der Macht aber gelingen wird, sie mit eiserner Hand und hohen Haftstrafen zu bezwingen, ist ungewiss. Gewiss ist aber, dass sie die Unterstützung vieler Männer und ihrer Familien genießen.

Der namhafte iranische Filmregisseure Jafar Panahi, selbst Vater, kennt das Problem aus nächster Nähe. Sein Film „Offside“ über das Frauenverbot in Fußballstadien brachte ihm bei der Berlinale 2006 den Großen Preis der Jury ein.

Nach Protesten von Frauen und Drohungen der FIFA, keine internationalen Spiele mehr im Iran stattfinden zu lassen, lenkten die Machthaber ein. Bei der Fußball-WM 2018 wurde Frauen der Zutritt zum Azadi-Stadion gewährt. Später durften dann nur noch ausgewählte Frauen die Spiele ansehen: Ausländerinnen und Iranerinnen mit Doppelpass oder ausgesuchte Pressevertreterinnen. Die FIFA ist enttäuscht und kündigte laut DPA Mitte August an, die Beteiligung des Iran an der WM 2022 stünde „wieder auf der Kippe“, da die Aufhebung des Stadionverbots für Frauen nicht umgesetzt werde. Ebenfalls laut DPA reagierte der iranische Generalstaatsanwalt Mohammed Dschafar Montaseri mit den Worten, es sei „nicht die Angelegenheit der FIFA, ob unter den Fußballfans in den Stadien auch Frauen sind oder nicht“.
Viele junge Frauen verschaffen sich Zugang zu den Stadien, indem sie sich als Mann verkleiden

Viele junge Frauen verschaffen sich Zugang zu den Stadien, indem sie sich als Mann verkleiden

Für das seit Beginn der Islamischen Republik vor mehr als 40 Jahren bestehende Zutrittsverbot gibt es keine rechtliche Grundlage. Es wird lediglich behauptet, Frauen begingen eine Sünde, wenn sie halbnackte Spieler auf dem Rasen sähen, zudem benutzten Zuschauer unanständige Schimpfwörter, die nicht für Frauenohren bestimmt seien. Die gegen das Stadionverbot protestierenden Frauen meinen dagegen, man solle dann doch verbieten, dass die Männer unanständige Dinge sagten, statt den Frauen zu verbieten, ins Stadion zu gehen.

Das blaue Mädchen

Die iranischen Medien nennen sie „Das blaue Mädchen: Am Montag, den 2. September 2019, schüttete die 29-jährige Sahar Khodayari sich vor dem Teheraner Revolutionsgericht einen Kanister Benzin über den Kopf und zündete sich an. Passanten versuchten, das Feuer zu löschen, doch als die Rettungskräfte eintrafen, atmete die junge Frau kaum noch. Sie wurde mit schweren Verbrennungen ins Krankenhaus eingeliefert, wo Sahar Khodayari am 10. September verstarb. Reporterinnen von Rooykarde Emrooz schreiben, die junge Frau sei zu sechs Monaten Haft verurteilt worden.
Sahar Kohdayari, bekannt als „Das blaue Mädchen“

Sahar Kohdayari, bekannt als „Das blaue Mädchen“

Laut ihrer Familie hatte Sahar im März 2019 mit einem langen Mantel und einer blauen Perücke bekleidet das Haus verlassen, um nach Teheran zu fahren und das Spiel ihrer Lieblingsfußballmannschaft Esteghlal gegen die Mannschaft Al-Ain aus den Arabischen Emiraten anzusehen, berichtet Shahrvand Online. Dort wurde ihr der Zutritt verweigert, nachdem sie als Frau erkannt worden war. Die Sittenpolizei nahm Sahar wegen mangelhafter islamischer Bekleidung und Widerstand fest. Wegen Verstoßes gegen das Keuschheitsgebot, sittenwidrigen Benehmens und Beleidigung der Ordnungskräfte wurde Anklage erhoben. Nachdem ihre Familie eine Kaution von 50 Millionen Tuman gezahlt hatte, kam sie bis zur Verhandlung zunächst wieder frei.

Als einzige seiner zwei Söhne und sechs Töchter habe sich Sahar für Fußball interessiert, berichtete ihr Vater gegenüber Sanaat News: „Sie war in Fußball vernarrt.“ Seine anderen Kinder hätten ihre Köpfe lieber in Bücher gesteckt. Auch Sahar hatte zwei Hochschulabschlüsse: in Fremdsprachen und in Informationstechnologie. Sie sei ein schlichtes Mädchen, das sich vor fünf Jahren plötzlich für Fußball zu interessieren begann und stundenlang vor dem Fernsehen Spiele angeschaut und für den Verein Esteghlal gebetet habe. „Ich hatte keine Einwände, solange sie die Spiele am Fernsehen verfolgte“, so Sahars Vater. Der Kriegsveteran arbeitete für „Bonyad e Janbazan“, eine Stiftung für Menschen mit Kriegsverletzungen und Behinderungen, und für „Jahad e Sazandegi“, eine ideologisch angehauchte Wiederaufbauorganisation. Mittlerweile ist er pensioniert. Im Gespräch mit Sanaat News sagte er, Sahar sei „seelisch angegriffen“ gewesen und habe bis vor kurzem Psychopharmaka eingenommen. Die Medikamente wurden abgesetzt, weil der Arzt meinte, sie könne durch die Nebenwirkungen erblinden. Er habe aber davor gewarnt, dass Sahar sich nun selbst gefährden könne. Sie hatte bereits zuvor einmal versucht, sich das Leben zu nehmen.

Es ist unklar, ob das Interview mit dem offensichtlich religiösen und systemkonformen Familienvater der Wahrheit entspricht oder wie inszenierte Fernsehinterviews mit Gefangenen durch Drohungen und Druck entstanden ist.

Solidaritätswelle in den sozialen Netzwerken

Masoud Shojaee, der Kapitän der iranischen Fußballnationalmannschaft, verglich auf Instagram das Stadionverbot für Frauen mit dem Schleierverbot in der Zeit von Schah Reza Pahlevi, das von den Ordnungskräften mit Gewalt durchgesetzt wurde: „Unsere Nachkommen werden dafür kein Verständnis haben“, so Shojaee. Auch der Kapitän der Mannschaft Esteghlal, Veria Ghafouri, kritisierte das Stadionverbot und nannte es altertümlich. Der Fußballspieler Milad Meydawoodi bedauerte, das Leben eines Mädchens sei ein hoher Preis für den unschuldigen Traum, ins Stadion zu gehen. Und die Schauspielerin Pooria Sorkhpour schrieb: „So lange ich lebe, werde ich keinen Fuß in das Stadion setzen, für das Du brennen musstest, um hineinzugelangen.“

http://iranjournal.org/gesellschaft/iran-frauen-proteste
vom 11.09.2019
Iran Journal

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Iran:Wut nach Tod des „blauen Mädchens


Sahar Khodayari

Quelle.Iran Journal
Sahar Khodayari, ein weiblicher iranischer Fußballfan, ist am Montag eine Woche nach ihrer Selbstverbrennung in einem Teheraner Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen.

Khodayari hatte am 12. März versucht, als Mann verkleidet das Stadionverbot für Frauen zu umgehen, um das Fußballspiel ihrer Lieblingsmannschaft Esteghlal in der asiatischen Champions League gegen Al-Ain aus den Vereinigten Arabischen Emiraten in Teheran zu sehen. Die 29-Jährige fiel der Security jedoch auf und wurde am Eingang des Azadi-Stadions festgenommen. Sie musste zwei Tage in Untersuchungshaft verbringen und kam dann zunächst gegen eine Kaution von 50 Millionen Tuman, umgerechnet 5.000 Euro, frei.

Die Justiz leitete gegen Khodayari ein Verfahren wegen Beleidigung der öffentlichen Ordnung und Widerstand gegen die Polizei ein. Am 2. September erfuhr sie nach ihrer ersten Anhörung, dass ihr bis zu sechs Monate Haftstrafe drohten. Nach dem Verlassen des Revolutionsgerichts in Teheran übergoss sich die junge Frau mit Benzin und zündete sich an.

Khodayari wird in den sozialen Netzwerken nach der Farbe ihrer Lieblingsmannschaft Esteghlal als „blaues Mädchen“ bezeichnet. Unter dem Hashtag „Blaues Mädchen“ prangern nun Tausende Iraner*innen das Zutrittsverbot für Frauen in Sportstadien als „mittelalterliche und menschenrechtsfeindliche“ Maßnahme an und fordern deren Aufhebung. Die Abgeordnete Parvaneh Salahshouri schrieb auf Twitter: „Wo Männer die Grundrechte von Frauen missachten und Frauen diese Unterdrückung offenbar unterstützen, sind alle an der Selbstverbrennung von Sahar mitschuldig.“

Auch prominente Sportler äußern ihre Trauer um Khodayari. Der ehemalige Fußballspieler Ali Daei postete auf Instagram ein blau gefärbtes Foto, auf dem ein Mädchen zu sehen ist, das einen Ball in der Hand hält und mitten in einem Stadion in Flammen steht.
Quelle.Iran Journal

http://iranjournal.org/news/iran-wut-tod-blaues-maedchen
vom 10.09.2019
Es fällt auf, dass die Webseite Iran Journal den persischen Begriff „doxtar“ mit Mädchen übersetzt, obwohl es sich laut eigenen Angaben des Artikels um eine 29-jährige Frau handelt. Dahinter steht noch immer die sexistische Verwendung des Begriffs „doxtar“ für Jungfrau, die in Deutschland nicht mehr üblich ist.

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